Nachdem in zahlreichen Leserbriefen HZ-Leser ihre Meinungen kundgetan haben, möchte ich auch meine Auffassung und Erfahrung zur aktuellen Situation weitergeben. Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass dies hier Dargebrachte nicht nur meine Meinung ist, sondern die vieler meiner besorgten Landsleute!

Mir drängt sich, beim Beobachten der derzeitigen Preisentwicklungen, unweigerlich ein Begriff aus der Zeit des zweiten Weltkriegs auf: „Kriegsgewinnler“!

Rational denkende Menschen können einfach nicht verstehen, dass heute ein Liter Superbenzin, trotz angeblicher Steuersenkung der Regierung, 2,10 Euro und mehr kostet bei einem aktuellen Barrelpreis von 110,66 USD während im Juli 2008 ein Liter Superbenzin bei einem damaligen Barrel-Preis von 150 USD nur 1,58 Euro kostete. Bei Diesel ist die Entwicklung noch krasser!

Anderes Beispiel: im vergangenen Jahr, ohne Ukrainekrieg, wurden 274 500 Tonnen Weizen nach Baden-Württemberg importiert, davon 72 500 Tonnen aus Frankreich, 126 Tonnen aus der Ukraine und 0,8 (!) Tonnen aus Russland.

Es ist dem aufmerksamen Bürger einfach nicht klarzumachen, wie der Ausfall dieser geringen Importmengen aus Russland und der Ukraine zu derartig immensen Preissteigerungen für entsprechende Lebensmittel, wie wir sie momentan erleben, führen kann. Oder: „honi soit qui mal y pense“, sitzen doch irgendwo die „Kriegsgewinnler“, die die großen Profiteure der Misere sind, unter der der einfache Bürger leidet!

Man kann unseren Bundeskanzler, wie von den Medien größten Teils zu Recht geschehen, kritisieren und klar seine Mängel aufzeigen. In einer Sache wurde er mir jedoch auf einmal fast sympatisch, als er sich zum Thema: schwere Waffen für die Ukraine, querstellte. Leider aber ein offensichtliches Strohfeuer, welches unter dem Druck des Triumvirats aus, seinen Genossen, seinen Koalitionspartnern und der deutschen Waffenlobby, rasch erlosch!

Ich halte es hier mit Willy Brandt „von deutschem Boden soll nie wieder ein Krieg ausgehen“. Diese Nahezu-Doktrin, hatte jetzt rund 77 Jahre Bestand, und wir hatten wunderbar im Frieden damit gelebt. Jetzt aber ist dieser Frieden für Deutschland und die ganze zivilisierte Welt in Gefahr, denn mit der Lieferung von Waffen, vor allem schweren Waffen und die Ausbildung von Ukrainern an eben diesen Waffen durch Soldaten der Bundeswehr, macht sich Deutschland eindeutig zur Kriegspartei. Am meisten im Sinne des Verständnisses eines Wladimir Putin. Wann begreifen wir denn, wozu dieser Despot in der Lage ist, wenn man ihn reizt?

Viele der durchgeführten Maßnahmen durch den „Westen“, die das Kriegsgeschehen eindämmen und Putin in die Knie zwingen sollten (welche Arroganz und Hybris des Westens) sind für den Westen Sanktionen, für Russland jedoch Provokationen, die militärische Vergeltungen, bis hin zum Einsatz von Atomwaffen, rechtfertigen.

Putin weiß genau, über welche überlegenen Waffen er verfügt, und beherrscht die Klaviatur der Propaganda und die Medienzensur perfekter noch als ehedem Josef Goebbels, sonst hätte er nicht den Großteil seiner Landsleute zu der Meinung gebracht, dies ist nicht Krieg in der Ukraine, sondern eine berechtigte Aktion gegen dortige, russlandfeindliche Kräfte vor den Grenzen ihres heiligen Russland!

Nach meiner Meinung muss unser Deutschland alles erdenklich Mögliche tun, was im Rahmen humanitärer Hilfe für Betroffene, sowohl Ukrainer als auch Russen, möglich ist.

Jedoch unter gar keinen Umständen darf es Waffen jedweder Art liefern. Wir dürfen nicht vergessen, wir sitzen unmittelbar vor der Haustür von Putin und die Nato und vor allem die USA sind weit. Gleichwohl zündeln die USA durch Einsatz von „Beratern“ und massiven Waffenlieferungen in und an die Ukraine unmittelbar vor unserer Haustüre.

Wir müssen Angst haben, weil wir in unmittelbarer Reichweite russischer Mittelstreckenraketen leben. Ebenso wie vor Jahren in einer Sendung im deutschen Fernsehen am Sonntagabend Putin sehr glaubhaft versicherte, dass er Angst hätte, weil mittlerweile die Nato an den Grenzen seines Russland sitze und dieses „umzingle“!

Dr. Karl-Horst Stegmeyer, Heidenheim