Seit Kurzem sind das städtebauliche Konzept für das Wohnareal, das auf dem Klinikgelände neu entstehen soll, sowie die Vergrößerungspläne des FCH bei der Stadt einsehbar. Dass der Schlossberg bald kaum noch bewaldet sein wird und stattdessen neben den geplanten Wohneinheiten lediglich eine Fußballerlebniswelt vorhanden sein wird, ist äußerst besorgniserregend. Ende des Jahres wurde die Neubebauung in einem Artikel in der Heidenheimer Zeitung thematisiert. Es solle ein Wohnquartier mit 300 neuen Wohneinheiten entstehen. Was jedoch nicht wirklich benannt wird, ist, dass ein großes Stück des an das Klinikum und den Wildpark angrenzenden Waldes dafür abgeholzt werden soll. Aber wozu?

Wald wird geopfert

Dafür gibt es keinerlei ersichtliche Gründe. Die zahlreichen Gebäude, die auf dem ehemaligen Klinikgelände entstehen können, hätten doch als Baugrund genügt. Bisher galt der Wald als nicht bebaubare Fläche, aber in diesem Zuge wurde einfach mal schnell der Flächennutzungsplan umgeschrieben und das auf Kosten des Waldes, der Tiere und uns Menschen. Das ist doch wirklich nicht zu glauben.

Allesverschlinger FCH

Damit aber nicht genug. Auch die weiteren Pläne des FCH in direkter nachbarschaftlicher Lage zu dem neuen Wohnareal sind äußerst Besorgnis erregend. Dieser von einem Gemeinderat treffend als „Krake“ bezeichnete Verein droht am Schlossberg so langsam alles zu verschlingen. Nun sollen auch noch der Hockeyplatz, vielleicht bald die Baseballer und noch mehr Waldfläche weichen für Park- und Fußballplätze. Schon jetzt sind diese Areale außerhalb der Spielzeiten totes Brachland. Des Weiteren, wie wird es im städtebaulichen Plan so schön formuliert: „um verkehrliche Belange neu zu ordnen/bzw. zu optimieren“ wird man im Katzental in eine grüne, von Schlehenbüschen umrandete Landschaft, ein Parkhaus stel-len, damit die Fußballbesucher direkt mit dem PKW anfahren können. An dieser Stelle befindet sich aktuell ein kleiner Parkplatz, der nur sehr spärlich genutzt wird. Lediglich alle zwei Wochen bei Heimspielen des FCHs türmen sich dort die Autos. Es sei wohl geplant, dass die Fans über eine Fußgängerbrücke, die oberhalb der Straße entlang führe, direkt vor dem Stadion landen können.

Mit Bussen zum Stadion

Warum kann denn der weite Weg das Katzental hinauf nicht mit Bussen bestritten werden? Kann man es etwa den Sportbegeisterten nicht zumuten für diesen weiten Weg ihre Füße in Bewegung zu setzen.

Wer will auf dem Schlossberg eine Fußballerlebniswelt, wie sie eine Vorschau in einem Gutachten nahelegt? Wenn die Verantwortlichen für die Kommunalpolitik wissen möchten, was hier am Schlossberg wünschenswert wäre, dann sollten diese doch bitte ihre Bürger fragen. Denn was bleibt, falls es mit der Karriere des FCH einmal vorbei ist? Eine Geisterstadt, die denen der abgeblühten touristischen Orte ähnelt? Es bleibt wohl abzuwarten, wann der Wildpark diesem uferlosen Unterfangen auch noch zum Opfer fällt. Hat man sich beim FCH oder im Gemeinderat überhaupt einmal gefragt, was das für die Anwohner und bald auch die neuen Bewohner des Klinikareals bedeutet?

Flutlicht im Wohnzimmer

Ein „Wohnen im Grünen direkt am Waldrand“ mit dem so scheinheilig geworben wird, ist das hier längst nicht mehr. Schon jetzt trennt die Bewohner nur noch wenige Baumreihen von der Voith-Arena. Zu Spielzeiten haben sie Flutlichtbeleuchtung bis ins Wohnzimmer und regelmäßig wiederkehrend Dauerlärm mit Bässen und Co durch die auch anderweitig vermietete Businesslounge der Voith-Arena.

Innehalten und nochmals nachdenken

Bitte halten Sie als Verantwortliche, Bürgermeister, Gemeinderat usw. einen Moment inne und fragen Sie sich: Ist das, was Sie hier befördern, wirklich Ihre Vision, die Sie für den Schlossberg haben – gewachsene Strukturen zu Gunsten eines Vereins und eines Wohnungsbauinvestors zu zerstören? Wäre es nicht viel zukunftsträchtiger eine Art Naherholungsgebiet, mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten für Jung und Alt zu erhalten und weiterzuentwickeln?

Jeder kann eine Stellungnahme zu diesem Thema bis zum 16.04.2021 bei der Stadt Heidenheim digital über deren Homepage einreichen.

Kristina Karmazin, Heidenheim