Das Waldbad öffnet wieder, wie schön.

Daß es keine Vorankündigung mit einigen Tagen Laufzeit gab, war höchst bedauerlich. Wer also am Mittwochmorgen nicht die Zeitung gelesen hatte, hatte schlichtweg Pech. Und es soll Menschen geben, deren Lebenszweck nicht die HZ ist. Der Donnerstag war Feiertag, am Freitagmorgen mit Beginn der Öffnungszeiten gab es bereits keine Dauerkarten mehr. Auch nicht für vollständig geimpfte Bürger.

Besonders schlimm war die Begründung für die restriktive Vergabe der Dauerkarten für vollständig geimpfte Bürger die man am Freitag abgab: Man wolle aus Gleichheitsgründen die vollständig Geimpften nicht besser behandeln und bevorzugen.

Leider hat unsere Verwaltung aus den Umständen der Pandemie und dem Umgang mit der Covid-19-Erkrankung offensichtlich wirklich nichts gelernt: Je höher die Zahl der Geimpften ist, desto geringer ist die Übertragungswahrscheinlichkeit innerhalb der gesamten Kohorte. Jeder, der geimpft ist, senkt die Ansteckungswahrscheinlichkeit aller im Schwimmbad. Wohl dem, der ein wenig Mathematik kann.

Außerdem: Wer das Jahr 2020 einigermaßen klar verfolgt hat, konnte sehen, daß z.B. morgens von 8.30 bis 10 Uhr a) nur wenige Besucher ins Schwimmbad kamen (kaum mehr als ca, zehn), b) die meisten über 60 Jahre waren, und c) kaum länger als 60 Minuten beim Schwimmen waren. Die Liegewiese wurde ebenso wenig benutzt wie die anderen „Vergnügungseinrichtungen“.

Verbrüderungen, Parties oder sonstige Gemeinschaftsevents fanden nicht statt. Von dieser Gruppe der sportlichen Nutzer des Waldbades geht schon ungeimpft eine extrem geringe Gefahr aus, erst recht nach einer vollständigen Impfung. Warum also der Ausschluß der Geimpften aus dem Waldbad?

Haben die Verwaltungsmenschen noch nie von dem Gleichheitsgrundsatz gehört? Oder von der Umkehr „Keine Gleichbehandlung im Unrecht“ gehört?

Die Restriktionen, die unsere verfassungsgemäße Rechte betreffen, hören da auf, wo sie ins Gegenteil pervertieren. Ein Blick in unser Nachbar-Bundesland würde helfen (und frustriert mich unendlich): Unsere Tochter kann in Bayern jederzeit ohne Vorabanmeldung ins Freibad gehen, es gibt keine Drei-Tage-Frist, man geht einfach zur Kasse und bezahlt. Wann wacht die Gemeinde Heidenheim endlich auf?

Dr. Gerd Backes, Steinheim