Heidenheim / HZ Leserbrief zum Ausbau der Brenzbahn und zum wachsenden Verkehrsaufkommen auf der B 19 zwischen Heidenheim und Aalen (HZ, vom 16. Juli, "Nimmt der Zug…")

Nimmt der Zug endlich Fahrt auf, fragt die Zeitung. Nun erfährt man, dass knapp sieben Kilometer Bahnstrecke der insgesamt 72 Kilometer langen Strecke zwischen Aalen und Ulm zweigleisig ausgebaut werden soll. Und wegen diesen mickrigen sieben Kilometern werden Gutachter beschäftigt, treffen sich Vertreter von vier Kreisen, dazu noch Abgesandte von Verkehrsgesellschaften, dem Verkehrsministerium, der Bahnen und dazu noch Vertreter sämtlicher Kommunen entlang der Bahnlinie. Dieses Treffen, ein bürokratischer Wahnsinnseinsatz, für ein paar Kilometer Bahnstrecke, ein monströser Wasserkopf. Was soll aus ihm herausfließen? Früher hätte die DB-Bahndirektion Ulm so ein kleines Unterfangen en passant realisiert – aber kompetent. Und das heißt in diesem Fall: Sie hätte diesen angedachten Ausbau entsetzt zurückgewiesen. Denn: Was soll ein sieben Kilometer zweigleisiger Ausbau schon bringen? Das ist absehbare Flickschusterei. Da sind Nadelöhre vorprogrammiert. Ein Blick in die derzeitigen Fahrpläne zeigt: Es gibt zusammen mit der Regionalbahn (RB) schon längst einen halbstündlichen Taktverkehr. Der Fahrplan ist ausgereizt – bis aufs Allerletzte. Der stündliche IRE-Verkehr wäre nur möglich mit dem zweigleisigen Ausbau der Gesamtstrecke. Aber der ist, leider, nicht mehr möglich, denn die Bahn AG hat zu viel Bahnland verhökert hat.

Aber jenseits von diesen Ausbauplänen, deren Realisierung nichts wirklich verbessern würde, stellt sich bei der ganzen Sache eine grundlegende Frage: Alle wissen, dass die B 19 zwischen Oberkochen und Heidenheim hoffnungslos überlastet ist. Dieses gravierende Problem soll nun gelöst werden, indem man für noch mehr Verstopfung sorgt. Denn nahezu alle politisch Verantwortlichen in den Kommunen Heidenheim, Königsbronn, Oberkochen verfolgen hartnäckig das Ziel, noch mehr Industrie in das enge Tal zu locken.

Es gibt objektiv keinen Bedarf für noch mehr Industriegebiete, keinen Grund, noch mehr wertvolles (und allmählich ausgehendes) Ackerland mit noch mehr Beton zu überziehen. Bizarr: Die Bienen soll der einzelne Bürger schützen. Aber Staat, Land, Kommunen und Industrie konterkarieren diese propagierte Naturbeschützung, indem sie in Sachen Naturverhunzung brachial agieren.

Zwischen Königsbronn und Oberkochen sollen jetzt rund 16 Hektar Acker- und Wiesenfläche für ein interkommunales Gewerbegebiet geopfert werden und damit eines der schönsten Täler im Kreis. Warum baut Zeiss nicht auf ihr graues Riesengebäude bei der B 19 noch ein Stockwerk drauf, stellt auf ihre Riesenparkplätze ein paar (diesmal schönere) Bürogebäude? Und gibt seinen vielen Angestellten, die meist einzeln im Auto vorfahren Jahreskarten für Bahn, Bus, spendiert Dienst-E-Bikes? Noch etwas:

Den Verantwortlichen ist natürlich klar, dass die Bürger wegen des geplanten Industriegebiets murren, denn sie alle wissen: Die Heimat wird unschöner, der Verkehrslärm wird zunehmen. Deswegen sagen die Verantwortlichen nun: Wir wollen beim neuen Gewerbegebiet einen Personenbahnhof. So komme der überbordende Verkehr ein wenig runter von der B 19 Ja, mein Gott, was soll denn das? Wer glaubt denn wirklich, dass die Bahn, die seit Jahren konsequent Bahnhöfe stilllegt, nun ein paar hundert Meter nach dem Bahnhof Oberkochen bzw. Königsbronn wieder abbremst, um dann wieder Gas zu geben? Dieser teure und nochmals landfressende Vorschlag, ist nur ein Placebo. Er soll davon ablenken, dass hier etwas Unverantwortliches entstehen, etwas Unbegründbares durchgesetzt werden soll. Etwas, unter dem fast alle Bürger in den Gemeinden entlang der B 19 leiden würden.

Arno Luik, Hamburg