Heidenheimer, die im Tal leben, sollten aufwachen: Jetzt wird verspielt, was sie in der Zukunft als frische, kühle Luft brauchen werden. Der Verlust von Wald auf dem Schloßberg wird zum Fluch werden.

Warum muss man den Entscheidern in Heidenheim Unfähigkeit unterstellen? Wer (wie ich) in der Stadt gewohnt hat und das Glück hatte, unterhalb eines kleinen Stücks Wald zu wohnen, der weiß aus eigener Erfahrung, was kühle, frische, von oben herabströmende Luft in heißen Nächten bedeutet.

Grüne Lunge wird verspielt

Ich nenne es Unfähigkeit, dass bei Stadt und Stadtrat die Tatsache des Klimawandels noch nicht angekommen ist. Dieser hat bereits begonnen und wird sich noch dramatisch verschärfen. Wer heute noch leichtfertig eine so kostbare „grüne Lunge“ verspielt, dem sollte jede Entscheidungsbefugnis für solche Fragen entzogen werden. Ziemlich sicher wohnen die Entscheider aber besser als die später Betroffenen...

Wohnungen für Priviligierte

Unverfrorenheit zeigt sich darin, dass diese Wohnungen in Toplage nur für eine kleine Auswahl von Privilegierten zur Verfügung stehen werden. Dazu gehört die Mehrheit derer, die im Tal wohnen, sicher nicht. Partikularinteressen solcher Art haben mit Gemeinwohl so gar nichts zu tun: Hier wird eine Mehrheit zu Gunsten einer Minderheit beraubt.

Die Bebauung des Schlossbergs lässt sich kein bisschen mit der Erschließung des Ploucquet-Areals vergleichen. Dort handelte es sich um eine Industriebrache, hier wird klimatisch wichtiges öffentliches Land mit Baumbestand zugunsten einiger weniger Nutznießer enteignet.

Unersetzlich für Natur und Auge

Das gesamte Grün auf dem Schloßberg (vor allem die Bäume) ist für das Kleinklima in Heidenheim unersetzlich, ebenso für Natur, fürs Auge und für den Erholungswert. Das gilt für alle geplanten Veränderungen.

Denn auch wenn ich das ungern schreibe: Es ist zumutbar, dass viele Fußballfans auch weiterhin nicht vor Ort parken können. Spiele finden nur manchmal statt, gutes Klima braucht man täglich. Für diese Erschwernis sollten sich Fußballfreunde bei der geringen Weitsicht der Stadt Heidenheim bedanken, die sich seinerzeit wider besseres Wissen für diesen Standort entschieden hat.

Die Stadt Heidenheim wäre im übrigen gut beraten, sämtlichen Wald auf den Höhen rund um die Stadt der wirtschaftlichen Nutzung zu entziehen und da, wo der Wald ausgedünnt wurde, gezielt Neuanpflanzungen vorzunehmen.

Reine Augenwischerei

Es ist kaum zu glauben, mit welcher Leichtfertigkeit in Heidenheim Baum um Baum verschwindet. (Die Neupflanzungen, derer man sich brüstet, sind reine Augenwischerei) Wäre ich Heidenheimer, würde ich nicht warten, sondern handeln: Denn sicher werden bald Fakten geschaffen.

Stefan Nehring, Königsbronn