Heidenheim / hz Ein Leserbrief zum Leserbrief „Einser-Abi darf kein Kriterium sein“ (HZ vom 20. August).

Der Überschrift kann ich ohne Wenn und Aber zustimmen. Jedoch inhaltlich gilt es zu dem Leserbrief von Dr. Stegmeyer das eine oder andere anzumerken. Als eines der Hauptprobleme für den Ärztemangel die zunehmende Feminisierung zu benennen, kann ich so nicht stehen lassen. Diese Behauptung ist schlichtweg falsch. Viele Ärztinnen schaffen den Spagat zwischen Beruf und Familie mit hohem Einsatz.

Noch mehr würden diesen Weg gehen, wenn die Kinderbetreuung z. B. an den Kliniken den Arbeitszeiten angepasst würde. Aber unsere jungen Kolleginnen werden mit der Betreuung der Kinder in vielen Fällen vonseiten des Arbeitgebers einfach alleingelassen. Bis dahin, dass sie sich manchmal auch noch rechtfertigen müssen, dass sie schwanger werden.

In der Niederlassung stehen Ärztinnen häufig nicht zu 100 Prozent zur Verfügung sondern in Teilzeitmodellen, z. B. in Gemeinschaftspraxen oder Praxisgemeinschaften. Hier kann jedoch viel aufgefangen werden. Frauen sind sehr leistungsfähig und für einen Beruf, den sie lieben, bringen sie auch oft (zu) große Opfer.

Aber weitere Gründe für den Ärztemangel, die nicht genannt wurden, sind die unwürdigen Arbeitszeiten an den Kliniken und die schlechte Bezahlung der jungen Assistenzärztinnen und Assistenzärzte. Zudem wird die Ausbildung an den Kliniken immer schlechter, da kaum mehr Zeit dafür übrig bleibt. Immer wieder wandern Kolleginnen und Kollegen ab in die Nachbarländer wie die Schweiz oder Norwegen.

Auch ich bin der Meinung, dass die Zugangskriterien für das Medizinstudium weiter reformiert gehören und diese sich viel mehr nach Motivation, sozialer und praktischer Kompetenz richten sollten. Wer heute ein Medizinstudium durchziehen will, braucht aber nicht nur Motivation und Durchhaltevermögen. Man muss vor allem lernen können. Denn vieles im Studium ist zunächst richtiges Auswendiglernen.

Dr. Helga Ströhle, Gerstetten