Heidenheim / hz Leserbrief zur Kritik am Deutschen Evangelischen Kirchentag

Das Programm des Evangelischen Kirchentages in Dortmund enthält etwa 2300 verschiedene Veranstaltungen. Bei dieser enormen Vielfalt wird jeder etwas finden, was er überflüssig oder gar ärgerlich findet.

Auf der anderen Seite bietet der Kirchentag von der morgendlichen Bibelarbeit bis zum Abendsegen für jede(n) mehr als genug Veranstaltungen, die er oder sie mit großem persönlichen Gewinn besuchen kann. Wo sonst kann ich zum Beispiel von der Lebenserfahrung von gleich vier Bundespräsidenten (amtierend oder im Ruhestand) profitieren, die beim Kirchentag mitgewirkt haben?

Es gehört für mich zum innersten Wesen evangelischen Christseins, dass ich mir von keinem Menschen vorschreiben lasse, welche Veranstaltung des Kirchentags ich besuche; und dass ich auch meine Mitchristen für mündig genug halte, selbst entscheiden zu können.

So steht für mich nicht der Ärger über einzelne Angebote im Vordergrund, sondern die Freude über die Fülle und die Lebendigkeit des Kirchentags. Ich finde es sehr bedauerlich, wenn die Kritik an einzelnen Veranstaltungen so viel Wichtiges und Nachdenkenswertes übertönt, was auf dem Kirchentag gesagt und getan worden ist.

Seit seinen Anfängen im Jahr 1949 legt der Kirchentag großen Wert darauf, dass er eine institutionell unabhängige Bewegung von engagierten Laien ist, die nicht an Weisungen der Kirchenleitungen gebunden ist. Wer bei seiner Kritik am Kirchentag den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche angreift, wendet sich deshalb an die falsche Adresse. Zuständig wäre allenfalls der Verein zur Förderung des Deutschen Evangelischen Kirchentags e.V. in Fulda.

Johannes Weißenstein, Giengen