Zum Heidenheimer Klinikum („Klinikgeschäftsführer geht“ und „Die Probleme bleiben“, Ausgabe vom 20. März)

Es wird immer deutlicher woran es bei der Steuerung des Klinikums auf dem Schlossberg grundsätzlich fehlt. Bereits im Juli 2016 bedauerte Kreisrat Roland Polaschek von den Freien Wählern, „dass seit der Umwandlung der Klinik in eine gemeinnützige GmbH den Kreisräten wichtige Informationen vorenthalten worden seien“.

Andererseits fühlte sich der damalige Geschäftsführer nicht genügend unterstützt. Er durfte jedoch den großen Betrieb einer Klinik, ausgehend von seinem Organigramm und in Verbindung mit den Betriebsergebnissen, 17 Jahre lang, offensichtlich wenig beeinflusst, führen.

Als gleicher kostenintensiver Fehler zeigt sich inzwischen die Vergabe der Führung an eine Unternehmensberatung. Eine der Neuerungen des jetzigen Geschäftsführers ist die Zusammenführung wichtiger Einrichtungen der Klinik, wie die der Küche, Wäscherei, Reinigungsdienst und die Bettenzentrale in eine Tochtergesellschaft, die Servicio GmbH. Dies bringt zunächst lediglich eine Ersparnis der Mehrwertsteuer im Bereich Reinigungsdienst. Weitere finanzielle Ersparnisse werden auf dem Rücken der zukünftigen Arbeitnehmer ausgetragen.

Hier zeigt sich der wahre Charakter einer Managementführung. Wer einen Betrieb nicht besser führen kann als zu Lasten der Mitarbeiter, der soll es sein lassen. Aus der Presse wird auch deutlich, dass der jetzige Geschäftsführer nicht beim Klinikum angestellt ist. Er ist der Mitarbeiter einer Managementfirma.

Der Geschäftsführer ist also weder dem Landrat noch dem einige Male im Jahr tagenden Aufsichtsrat unterstellt. Beide haben wohl eine Kontrollfunktion. Ohne den angesehenen Herrschaften dieses Gremiums nahe treten zu wollen frage ich, wie soll bei einigen Sitzungen eine wirklich hautnahe Überwachung und Führung gegenüber einem solchen „Alleinherrscher“ zu erreichen sein? Wenn dann das Kind in den Brunnen gefallen ist, endet es mit dem Abgang desjenigen.

Bedeutend für den Fortbestand des Klinikums sind die eingefahrenen Verluste. Es geht also um zu viel Geld, das ausgegeben wurde. Das fängt bereits mit sicher hohen Entgelten an, welche an die Managementfirma zu zahlen sind, damit sie ihren Herrn Lavendel nach Heidenheim entsendet. Es ist kaufmännisch unabwendbar, dass diese Firma auch ihre Betriebskosten in den „Preis“ für den entsandten Mann einkalkuliert. Was wird denn monatlich gezahlt? Um wieviel weniger würde, im Vergleich dazu, ein von der Kreisverwaltung, als Geschäftsführer abgeordneter Beamter kosten? Zudem wäre mit einem solchen die schon vor Jahren beklagte Informationslücke geschlossen. Der Landkreis wäre wieder näher dran und damit das Klinikum wieder in eigener Hand.

Das heutige Studium von Beamten steht mit Sicherheit dem der Volkswirte oder Ökonomen in Nichts nach. Es wird dort einiges über Gesetze und Rechtsgeschehen gelehrt. Dem jetzigen Geschäftsführer steht dafür eine Fachkraft zur Verfügung. Der Bereich nennt sich Compliance. Der Begriff steht für die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen. Solche Fachkräfte sind sicher in einer höheren Gehaltgruppe einzuordnen.

Weiter gibt es im Dunstbereich des Managers mit einem Verantwortlichen für Klinisches Management und Beschwerdefunktion, dann für Unternehmenskommunikation und Presse, sowie einen Beauftragten für Brandschutz, Strahlenschutz, Medizinproduktesicherheit, Datenschutz und Betriebsmedizin, nicht zu vergessen die Assistenz und Sekretärin. Den Ethik-Beirat, den EDV-Lenkungsausschuss und die Qualitätskommission wollen wir auch nicht übersehen.

Mit dem Kommentar der Redakteurin wird informiert, dass der Geschäftsführer (Manager) es verstanden hat vom Landkreis „erhebliche finanzielle Unterstützung“ zu erhalten. Und doch wurden in den abgelaufenen Jahren wieder Verluste eingefahren. Wer da weiterhin für diese kostenintensivere Management-Führung ist, hat wohl einiges übersehen.

Gerhard Schlumpberger, Heuchlingen