Mössingen/Steinlach / hz Leserbrief zur Nachricht und zum Kommentar zu Winfried Hermanns Vorschlägen für späteren Schulbeginn.

Winfried Hermanns Ideen sind aus Heidenheimer Sicht olle Kamellen. Schon vor nahezu 20 Jahren hatte der damalige „Schulbürgermeister“ Roland Riegger eine ähnliche Idee. Ich habe dieser Ökonomiesierung von Schule und Bildung damals vehement widersprochen mit Argumenten die auch gegen den Grünen Verkehrsminister immer noch Gültigkeit haben.

Glücklicherweise kam es bis dato nicht dazu. Manche glauben sogar, wir würden damit bei den kommenden Pisa-Studien ohne Reformen im Bildungsbereich sofort Platz 1 erringen. Als ich die Schlagzeile in der Südwestpresse zu den abstrusen Vorschlägen von Hermann überflog, war mein erster Gedanke, das kann eigentlich nur dem bayrischen Innenminister Hermann einfallen. Bei genaueren Hinsehen wurde ich schnell eines Besseren belehrt: Nicht von der CSU kommt dieser Vorschlag, sondern von den Grünen.

Das vielgepriesene „Den Zusammenhalt stärken“ konkterkariert der grüne Verkehrsminister ebenso wie das grüne Mantra von der Gefahr der Ökonomiesierung der Bildung .Nach seinem Vorschlag wird die Familie nun komplett ökonomisiert und individualisiert nach dem Aldiprinzip, wenn es der ÖPNV hergibt, haben die Schüler anzutreten .Am besten richtet jede Kommune eine whats-up -Gruppe ein und dann man z.B. den Schülern mitteilen „Heute könnt Ihr einen draufmachen , denn der ÖPNV hat für Euch einen Unterrichtsbeginn erst um 10:30 Uhr vorgesehen.“

Das gemeinsame Frühstück -als oft die einzige gemeinsame Mahlzeit überhaupt- kann man ab sofort vergessen.

Sein Vorschlag, so irrsinnig er auch ist, hat aber auch was Gutes, die freiwerdende Kapazität im ÖPNV kann man damit für Nachtbusse einsetzen, denn ein 16-Jähriger wird wohl nicht vor Mitternacht ins Bett gehen, wenn er anderntags erst um 10:00 Uhr Schule hat.

Damit es eine runde Sache wird, sind Kirchenglocken vor 9:00 Uhr verboten, denn die Schüler brauchen ihre Nacht-/Morgenruhe. Vor allem die armen Lehrer, die um 18:00 Uhr immer noch vor//in der Klasse stehen. brauchen dringend diesen Morgenschlaf. Einen Vorteil hat das Ganze zumindest für Heidenheim: Die Lehrer die sich nach 18:00 Uhr abreagieren müssen , können das zum ermäßigten Abendtermin im Waldbad direkt im Anschluss an die letzte Schulstunde vor hochmotiverter Schülerschaft. Kein Wunder dass auch die ehemalige „Schulbürgermeisterin“ von Stuttgart und jetzige Kultusministerin ins gleiche grün-schwarze Horn bläst. Danke für die

Verschlimmbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte. Dann heißt es vielleicht mal „ab 19 Uhr gehört Papa mir!“

Die Diskussion um Sommerzeit und Energieersparnis erübrigt sich total, wenn die Nacht zum Tage gemacht wird.

Ich frage mich sowieso, was hat dieser Verkehrsminister bislang erreicht? – Er rühmt sich, bei der Lizenzvergabe für Zugstecken an ein komplett privates Unternehmen, ein Schnäppchen gelandet zu haben; hat damit aber der Deutschen Bundesbahn eines ausgewischt.

Ansonsten ist er nur präsent, wenn es um die Einweihung der vielen Stuttgart 21 Projekte geht.

Gerhard Oberlader, Mössingen/Steinlach