Paradiesstraße. Klingt gut, oder? Ist es aber nicht. Seit Juni ist diese Straße zweispurig geworden, da die Römerstraße saniert wird. Beide Spuren sind offiziell nur für Anlieger. Das nimmt aber kaum jemand ernst – das wird ja schließlich nicht kontrolliert. Was das für uns Anwohner bedeutet, möchte ich hier mal kurz schlagwortartig beschreiben:

Tag und Nacht fahren tausende von Autos an unseren Häusern vorbei, gerne mit offenen Fenstern, lauter Musik und hohen Geschwindigkeiten – und das auch in der 30er Zone. In den Ferien sind es zwar nicht ganz so viele, aber immer noch viel zu viele.

So wurde unser Garten in diesem Sommer so gut wie nicht benutzt, denn es ist laut und es stinkt. Yoga im Garten? Fällt aus. Grillen? Lieber nächstes Jahr. Es ist auch besonders eindrücklich, wenn der Gartentisch abgewischt wird und der Lappen schwarz ist.

Folgender Satz, den ich heute in einer Zeitschrift über Prävention gelesen habe, macht klar was das bedeutet: „Eine hohe Luftverschmutzung kann die Lebenserwartung stärker senken als Infektionskrankheiten oder Rauchen. Die durch Feinstaub verursachten Entzündungen in den Blutgefäßen führen zu klinischen Folgen, wie Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall usw., usw. (impulse Ausgabe 2/2022).

Dabei möchte ich nicht persönlich lamentieren, denn wenn die Römerstraße fertig ist, geht es wahrscheinlich anderen so oder ähnlich wie uns jetzt. Vielmehr möchte ich unsere Stadtverantwortlichen auffordern, mal die Frage zu stellen: Wollen wir eigentlich so weitermachen? Ist das eigentlich Lebensqualität?

Ein Blick in die Niederlande, wo Fahrradfahrer Vorfahrt haben und es offensichtlich stärker als bei uns darum geht, Wohnqualtität zu planen, wäre hier sehr hilfreich. Zum Beispiel sind dort die Straßen so gebaut, dass schnelles Fahren schlichtweg gar nicht möglich ist, Fahrradwege sind gut geplant und Fahrradfahrer haben Vorfahrt. Und die Niederländer beraten gerne auch andere!

Liebe Stadtverantwortliche: Dass in Heidenheim nur wenige Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind, kann ich gut verstehen: Es ist laut, es ist gesundheitsschädlich, es stinkt und es ist auch noch gefährlich. Wie wäre es mal mit einer echten Vision? Zum Beispiel: Heidenheim wird Fahrradstadt! Oder wie wäre es mit einer „wohngebietfreundlichen“ Straßenplanung?

Im Heidenheim von heute kann ich jedenfalls jeden verstehen, der mit dem Auto auch nur in die Stadt fährt. Dennoch habe ich auch eine Bitte an die Autofahrer: Bitte nehmt den Hinweis doch mal ernst, wenn dort steht: „Anliegerstraße“ und geht in Wohngebieten einfach mal runter vom Gas, auch wenn es nicht kontrolliert wird!

Elisabeth van der Linde, Heidenheim