Heidenheim / hz Leserbrief zu den geplanten Arbeiten am Heidenheimer Rathaus („Die große Sanierung“, HZ vom 31. Dezember)

Wiederholt hat die Heidenheimer Presse in letzter Zeit über die energetische Sanierung unseres Rathauses berichtet. Es ist kaum zu glauben, was da für qualifizierte und vor allem unqualifizierte Äußerungen über die gestalterische Qualität unseres Rathauses zu lesen waren. Nun sind zusammen mit der Ausstellung der Architektenkammer über zeitgemäßes Wohnen in Baden-Württemberg auch Entwürfe über die energetische Sanierung des Rathauses ausgestellt. Leider ohne nähere fachliche Erläuterungen der Gutachter.

Die karge gestalterische Qualität unseres Rathauses entspricht meines Erachtens durchaus dem Charakter unserer kargen Ostalb. Die ästhetische Gestaltung ist meiner Meinung nach einwandfrei und ist eines Rathauses durchaus würdig. Dass das Gebäude aus Beton ist, dem „Marmor“ unserer Zeit des 20. Jahrhunderts, ist durchaus zeitgemäß. Le Corbusier spricht von loyalem Beton. Dieser Gesichtspunkt ist auch aus wirtschaftlicher Sicht zu unterstreichen.

Nach meiner fachlichen und privaten Ansicht ist das Rathaus eine einzigartige ästhetische Ikone unserer Stadt und keine verfehlte Gestaltung! Vielleicht erkennen Nichtfachleute seine gestalterische Qualität heute noch nicht. Im Städtebau muss man in größeren Zeitabständen denken. Bauwerke repräsentieren bestimmte Zeitgeschehen.

Natürlich ist die Wärmedämmung aus heutigem, energetischem Wissen nicht mehr ausreichend und sollte verbessert werden, aber nicht für 25 Millionen Euro aus unseren Steuergeldern.

Aus gestalterischer Sicht darf man das Gebäude im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss nicht mit Staketen verkleiden. Diese beiden Stockwerke machen die charakteristische Qualität des Rathauses aus und dürfen auf keinen Fall „vergittert“ werden. Sonst könnte ein gefängnishafter Eindruck entstehen.Auch die Verlegung des Eingangs ist nicht notwendig und kostet nur Geld. Zudem ist der Eingang funktional richtig, barrierefrei und überdacht.

Leider wurde die Bevölkerung der Stadt Heidenheim bisher nicht über die wichtige und sehr teure Sanierung des Rathauses ausreichend informiert und angehört, wie es beispielsweise unsere Nachbarstadt Aalen zurzeit durch öffentliche Vorträge von bekannten Fachleuten tut.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren der Verwaltung und des Gemeinderats, bitte überdenken Sie noch einmal Ihren Beschluss. Das Rathaus ist für viele von uns Heidenheimer Bürgern bereits ein Stück Heimat geworden und sollte weiterhin ein Denkmal unserer Heimat bleiben. Das Rathaus verdient eine würdige und gute energetische Verbesserung und keine neue Identität. Josef Götz, Heidenheim