Heidenheim / hz Leserbrief zum Ärztemangel („Bis der Arzt kommt“, HZ vom 10. August, und „Kein Nachfolger für Praxis gefunden“, HZ vom 3. August)

Zum Ärztemangel („Bis der Arzt kommt“, HZ vom 10. August, und „Kein Nachfolger für Praxis gefunden“, HZ vom 3. August)

Verfolgt man die mediale Berichterstattung zum Thema ärztliche Versorgung in Deutschland, ist immer wieder zu hören und zu lesen „in Deutschland fehlen Ärzte, vor allem solche außerhalb der Ballungsgebiete.“

In der Tat ist es so! Jedoch nicht nur in der ambulanten Versorgung fehlen mittlerweile Ärzte, sondern auch im Klinikbereich. Dort wird der Mangel kompensiert, indem Ärzte überproportional lange Arbeitszeiten leisten müssen. Manche unserer Politiker sind sogar der Meinung: „Wenn Ärzte fehlen, dann holen wir sie aus dem Ausland.“ Dies bedarf wohl keines weiteren Kommentars.

Sollte der Eindruck entstehen, dass junge Menschen in Deutschland nicht mehr am Arztberuf interessiert sind, so ist dies ein Trugschluss. Nach wie vor besteht bei vielen der Berufswunsch, doch viele können es sich wirtschaftlich nicht erlauben, jahrelang auf einen Studienplatz im Fach Medizin oder Zahnmedizin zu warten und ändern schweren Herzens ihren Berufswunsch.

Noch nie haben so viele junge Deutsche im Ausland (Ungarn, Österreich,Kroatien, Estland, England, etc.) studiert, vorausgesetzt, sie können sich den hohen finanziellen Aufwand und die hohen Studiengebühren überhaupt leisten!

Fakt ist, in Deutschland würden genügend Ärzte und Zahnärzte ausgebildet werden, um den Bedarf zu decken, aber letztlich landen Zuwenig im Beruf. Wie schon vor Kurzem ein pensionierter Kollege im HZ-Interview erwähnte, stellt dabei die „zunehmende Feminisierung des Berufsstandes“ ein sehr großes Problem dar. Im Fach Medizin besteht deutschlandweit ein Semester aus 60 bis 80 Prozent Frauen. Gerade die Generation, die in den Siebzigerjahren studiert hat, verabschiedet sich heute aus dem ärztlichen Berufsleben, oft ohne einen Nachfolger für die Praxis zu finden.

Nachgewiesen ist, dass Frauen fleißiger sind, dadurch ein besseres Abitur schreiben und schneller einen Studienplatz bekommen, andererseits viel weniger Studienanfängerinnen letztlich im Beruf und noch weniger in eigener Praxis landen. Irgendwie spielt doch die biologische Aufgabe der Frau eine Rolle. Der doppelte Spagat zwischen Studium, Beruf und Familie ist oft nur für Wenige zu schaffen. Fazit: Ausgebildete Ärztinnen fehlen nachher im Beruf und in den Praxen.

Ärztemangel in Deutschland ist aus meiner Sicht und Erfahrung zu vermeiden, dazu bedarf es aber folgende Veränderungen:

Zulassungskriterien zum Studium dürfen nicht die Abiturnoten sein, sondern Eignungstests! Denn nicht Der-oder Diejenige mit Einserabitur wird nachher automatisch zum guten Arzt oder Zahnarzt, sondern Der oder Die mit der entsprechenden manuellen oder geistigen Eignung und Geschicklichkeit!

Bei der Zulassung zum Studium muss dringend eine Männerquote geschaffen werden! Denn dann werden automatisch mehr Studienbeginner nachher in Praxis und Beruf landen!

Die unsinnige und unnütze Bürokratie im Beruf des Mediziners muss radikal reduziert werden, denn Mediziner werden nicht als Bürokratiegehilfen ausgebildet, sondern zur Ausübung der Heilkunde zum Wohle der Bürger!

Planwirtschaftliche Budgetierungen bei niedergelassenen Ärzten müssen verschwinden, denn Leistung muss sich lohnen und darf nicht bestraft werden!

Es darf grundsätzlich nicht lukrativ sein in Deutschland gut ausgebildet zu sein und nachher in England oder der Schweiz als Arzt zu arbeiten!

Die Überlastung der Ärzte in den klinischen Notaufnahmen durch Nichtnotfallpatienten muss unterbunden werden, ggf. durch entsprechende Gebühren wie in anderen Ländern üblich!

Dr. Karl-Horst Stegmeyer, Heidenheim