Heidenheim / hz Leserbrief zum Heidenheimer Klinikum („Klinikgeschäftsführer geht“ und „Die Probleme bleiben“, HZ vom 20. März)

Zum Heidenheimer Klinikum („Klinikgeschäftsführer geht“ und „Die Probleme bleiben“, HZ vom 20. März)

Ich lese im Kommentar von Silja Kummer zwei entscheidende Botschaften: 1. In Zeiten des Coronavirus kündigt der Geschäftsführer an, dass er die Stadt verlässt. 2. Wenn die Pandemie abgeklungen ist, werden die finanziellen Probleme des Klinikums nicht gelöst sein. Richtig.

Es steht außer Zweifel, dass wir uns gegenwärtig in einer extremen Situation befinden. In ihr kommt es jetzt ganz besonders auf ein funktionierendes Gesundheitswesen und hier vor allem auf belastbare Kliniken an. Wenn der kaufmännische Chef unserer Klinik in einer solchen Situation seinen Abschied ankündigt, dann lässt das aufhorchen.

Normalerweise rücken Chefs und Belegschaft unter solchen Bedingungen zusammen und streben nicht auseinander. Da kann dem Betriebsratsvorsitzenden Valentin Hofmann nur zugestimmt werden, wenn er diesen Zeitpunkt für „unglücklich“ hält. Vorsichtig formuliert.

Es befremdet, wie schnell die im Landkreis für das Klinikum Verantwortlichen zur Tagesordnung übergehen. Sollte Lavendel die Quadratur des Zirkels realisieren? Das wurde doch schon von Rainer Genz erwartet. Wenn jetzt bereits nach drei Jahren schon der zweite kauf-männische Leiter das Handtuch wirft – und nichts anderes bedeutet diese Entscheidung –, dann stimmt hier etwas nicht.

Es wäre interessant zu erfahren, warum vor drei Jahren eine Unternehmensberatungsfirma mit der Wahrnehmung der Geschäftsführung beauftragt wurde. Man stelle sich vor, der Aufsichtsrat eines der namhaften Unternehmen in Heidenheim würde einen nicht in der Gehaltsliste der Firma stehenden Unternehmensberater mit der Leitung der kaufmännischen Geschäftsführung beauftragen. Undenkbar. Man lässt sich beraten und entscheidet dann in eigener Kompetenz mit eigenen Führungskräften. Das ist bei Voith so und auch bei Zeiss.

Silja Kummer hat zu Recht die Frage aufgeworfen, ob eine Unternehmensberatung so viel Expertise in die Klinikleitung einbringen kann, dass die Klinik ein besseres Wirtschaftsergebnis einfährt. Und sie folgert zu Recht, ob dies überhaupt bei den gegebenen Rahmen-bedingungen möglich sei. Ziel einer Unternehmensberatung ist es, Struktur und Produktionsabläufe so zu organisieren, dass sich die Gewinnsituation optimiert. Die Annahme, dass eine Klinik unter diese Begrifflichkeit einzuordnen ist, kann nur in die Irre führen.

Die Entwicklung der letzten Jahre mit dem Privatisierungsunsinn im deutschen Gesundheitswesen hat das deutlich unter Beweis gestellt. Wer das immer noch nicht zu begreifen in der Lage war, bekommt jetzt durch die Auswirkungen des Coronavirus seine Lektion. Mit marktideologischen Verirrungen wird das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes in einer Form unterlaufen, die nicht mehr hingenommen werden kann. Die Flucht des Klinikgeschäftsführers in eine ihm genehmere Position seiner Unternehmensberatungsfirma beweist dies deutlich. Sie sollte für uns alle und die politisch Verantwortlichen ein deutliches Signal sein.

Waldemar Hirsch, Heidenheim