Stadt und Landkreis planen mit der Essinger Wohnbau eine Neubebauung des Schlossberg-Areals und zwar im „großen Stil“! Insgesamt sollen 350 Wohneinheiten mit einer Magistrale an der Zufahrt zum Krankenhaus entstehen. An dieser Zufahrt sind vier Häuser mit bis zu sieben Geschossen geplant. Zum Vergleich – ein Block ist fast so hoch wie das Heidenheimer Rathaus. Quasi ein Leuchtturm oder eine Akropolis auf dem Schlossberg.

Wer außer dem Investor will diesen „Brutalismus“? Als Magistrale wird gemeinhin eine Hauptverkehrslinie einer Region, einer Stadt bezeichnet. Diese Magistrale, so wie sie geplant ist, gehört nicht auf den Berg, sondern in die Stadt. In der Stadt ist eine kompakte, verdichtete Bebauung gut möglich, Flächen auf dem Schlachthof-Areal oder im Haintal sind vorhanden.

Wald und Schloss sind die Markenzeichen

Auf dem Schlossberg sind der Wald und das Schloss landschaftsprägend. Sie sind das Markenzeichen von Heidenheim und weithin sichtbar.

Worte sind verräterisch: Das Wohngebiet soll Schlosspark heißen. Kurios ist dabei, dass man einen jetzt schon bestehenden Park zum Schlosspark nachverdichtet – von 120 Wohneinheiten zu 350 Wohneinheiten. Der Zehn-Prozent-Anteil an Sozialwohnungen garantiert exklusives Wohnen.

Exklusives Wohnen garantiert

Mitarbeitende in Pflegeberufen und Auszubildende des Klinikums gehören leider nicht zur Zielgruppe. Der soziale Aspekt fällt bei diesem Projekt gänzlich unter den Tisch.

Von Stadt- und Kreisrät*innen erwarte ich mehr! Wo bleibt der Aspekt Gemeinwohl? Dazu gehört die aktive Unterstützung, Stabilisierung und Sicherung des Klinikums. Oberste Priorität haben dabei die Gewinnung von Mitarbeiter*innen und der Erhalt von „Erholungsraum“ rund um das Klinikum.

Nachhaltigkeit kein Kriterium

Generell stellt sich mir die Frage: Was ist mit der Berücksichtigung der 17 Nachhaltigkeitsziele, zu denen sich sowohl die Stadt als auch der Landkreis 2018 in der Agenda 2030 verpflichtet haben? Das SGD 11 (Sustainable Development Goal) fordert z.B. die Stadtentwicklung inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten.

Eingriff in das Stadtklima

Es reicht einfach nicht, mit einem Bus der HVG Werbung für die 17 Ziele zu machen. Klimaforscher prognostizieren in den nächsten 10 Jahren für unsere Breitengrade einen Wandel zu einem Klima wie in Mittelitalien. Einige Städte in Baden-Württemberg überlegen sich heute schon Anpassungsmaßnahmen. Hier in Heidenheim aber greift man durch Abholzung von Wald nicht nur in die Landschaft sondern auch in das Stadtklima ein. Begründung: Wir haben ja genug Wald. In Zeiten des Klimawandels ist dieser Umgang mit der Ressource Wald zynisch.

Eva Glock, Heidenheim