Meine Eltern heirateten 1939. Nach kurzer Zeit merkte meine Mutter, dass sich in ihrem Körper etwas veränderte. Sie war schwanger. Die heute gängigen Verfahren, das Geschlecht vor der Geburt zu erkennen, gab es damals noch nicht. Man sprach zwar von „die Schwangerschaft“, aber obwohl ich ein weibliches Wesen bin, war ich zunächst ein Embryo (der Embryo), dann ein Fötus (der Fötus) und schließlich nach der Entbindung ein Säugling (der Säugling), ein Mensch (der Mensch).

Vom Neutrum zum Feminimum

Es dauerte lange, bis ich über das Stadium Kind, Mädchen, Fräulein nach meiner Heirat schließlich vom Neutrum zum Femininum wurde. Heute verwenden wir noch die Bezeichnungen Teenager (der Teenager) oder Jugendliche. Ohne dass wir ein Sternchen bemühen müssen und ohne ein -chen anzuhängen, können wir das Substantiv Jugendliche als Femininum und als Maskulinum verwenden.

Zum Glück gibt es nicht nur Präsidenten, Kanzler und Hörer, sondern auch Präsidentinnen, Kanzlerinnen und Hörerinnen. Und so bleibe ich ganz gelassen und entspannt, wenn ich in der Zeitung Leserbriefschreiberin lese. Denn ich bin mir ganz sicher: Ich bin eine Leserin.

Gisela Paschen, Heidenheim