Beschäftigte im Pflegebereich und im Einzelhandel wurden als Helden gefeiert in der Coronakrise und erhielten teils drei- oder vierstellige Corona-Prämien. Nicht so die Beschäftigten im ÖPNV.

Unter Lebensgefahr Arbeit verrichtet

Die Männer und Frauen im öffentlichen Nahverkehr haben unter Lebensgefahr seit Beginn der Pandemie ihre Arbeit verlässlich verrichtet, in den ersten Monaten sogar ohne jegliche Schutzmassnahmen. Busfahrer haben häufig 12-Stunden- Schichten mit bis zu vier Stunden Stand/Pausenzeit, die nicht bezahlt wird. Dies bei einer Sechs-Tage Woche und wechselnden Schichtzeiten. Die Pausen könnten theoretisch in Pausenräumen stattfinden, wäre da nicht Corona.

Zeit für Familie und Kinder geraubt

Also finden Pausen im Bus oder am Dönerstand statt. Bei privaten Busunternehmen bestehen oft Standzeiten mit bis zu vier Stunden. Die Arbeit ist beziehungs.- und familienfeindlich und den Beschäftigten werden täglich bis zu 4 Stunden Lebenszeit mit Partner und Kindern geraubt – unbezahlt und ohne jede Anerkennung.

Eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Verband Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO)ist derzeit anscheinend nicht möglich. Die Verhandlungen laufen seit Mai und trotz zehn Verhandlungsrunden ist keine Bewegung in Sicht. Die Luft brennt.

Streik macht auf Missstände aufmerksam

Hier ist ein Streik der einzige gangbare Weg um auf die Missstände aufmerksam zu machen, selbst wenn seit Beginn des Streiks eine raue Brise den Beschäftigten entgegenweht seitens ihrer Arbeitgeber. Ich rufe auch alle vom Streik unmittelbar betroffenen Fahrgäste zu Solidarität und Unterstützung mit den Busfahrern und ihren Forderungen auf. Wir dürfen nicht vergessen, wer uns auch im Lockdown befördert hat und unter welchen Bedingungen. Ich bin der Meinung, dass nicht die Beschäftigten des ÖPNV den Bogen überspannen, das erledigen schon andere.

Renate Conley, Heidenheim