Heidenheim / Jens Eber Im Ökumenischen Gemeindezentrum Mittelrain beschäftigt sich Dr. Alexander Aharon Dubrau an vier Abenden intensiv mit der Tora.

Dass der Begriff „Tora“ für einen Teil der hebräischen Bibel steht, wird vielen Menschen bekannt sein. Was darin steht, wie die Texte ausgelegt werden und was die Tora für Menschen jüdischen Glaubens bedeutet, sind dagegen schon speziellere Themen – die in der kommenden Woche jedoch aus berufenem Munde vermittelt werden dürften.

Seit 40 Jahren laden evangelische Kirchengemeinden im Auftrag der Landeskirchen zu Tora-Lernwochen ein, zum 13. Mal findet eine Lernwoche im Kirchenbezirk Heidenheim statt. Zuletzt war 2016 Gerstetten Veranstaltungsort.

Thema der Tora-Lernwoche ist dieses Mal „Juda und sein Stamm“, von Montag, 15. Juli, bis Donnerstag, 18. Juli, werden sich die Teilnehmer jeden Abend gut zwei Stunden lang in Vortrag und Gespräch dem Thema nähern.

Geleitet werden die vier Abende von Dr. Alexander Aharon Dubrau. Der gebürtige Dresdner studierte Judaistik, Germanistik und Geschichte in Berlin und Jerusalem und promovierte an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg im Fach Talmud. Dubrau lebt in Jerusalem und forscht zur deutsch-jüdischen Orthodoxie des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Das Thema „Juda und sein Stamm“ will Dubrau mit Hilfe der „mündlichen Tora“ angehen, also mit ursprünglich mündlich überlieferten Auslegungen der schriftlichen Tora. Weitere Themen sollen mittelalterliche jüdische Kommentare zur Bibel und religionsphilosophische Abhandlungen sein. „Vieles ergibt sich auch spontan in der Diskussion“, ist Dubrau überzeugt.

2018 hat der Wissenschaftler bereits an einer Lernwoche mitgewirkt. „Viele, die zur Tora-Lernwoche kommen, haben eine gute Vorbildung“, berichtet Dubrau. Vergangenes Jahr seien sogar Teilnehmer mit Vorkenntnissen des Hebräischen dabei gewesen.

Großes Interesse am Judentum

Nach Dubraus Einschätzung ist das Interesse am Judentum in Deutschland heute „sehr groß“. Das Deutschlandbild in Israel wiederum sei im Allgemeinen positiv. „Statistisch ist dieses um vieles positiver als das Israelbild vieler Deutschen“, glaubt Dubrau und hält dies für eine erstaunliche Entwicklung, hätten doch vieles Israelis noch vor wenigen Jahrzehnten nichts von Deutschland wissen wollen. Dies habe sich deutlich gewandelt: „Der kulturelle Austausch zwischen Israel und Deutschland ist seht stark.“

Positive gesellschaftliche Wirkung von Tora-Lernwochen zu erwarten, hielte der Wissenschaftler für übertrieben: „Menschen, die dem Judentum feindlich gegenüberstehen, kommen nicht zur Tora-Lernwoche und sind meistens auch schwer zu belehren.“ Im Umkehrschluss seien Teilnehmer am Judentum interessiert, engagierten sich oft bereits für Israel oder seien im jüdisch-christlichen Dialog aktiv. Als Gemeinsamkeit zwischen Lehrenden und Teilnehmenden sieht Dubrau hingegen, dass sie religiöse Traditionen sehr ernst nehmen.

Anmeldung zur Tora-Woche

An vier Abenden erschließt der jüdische Bibellehrer Dr. Alexander Dubrau in Vortrag und Gespräch biblische Texte in der reichen Tradition jüdischer Schriftauslegung. Die Themen der vier Abende: Montag, 15. Juli: Judas Geburt, Juda in der Familie Jakobs, Dienstag, 16. Juli: Juda beweist Führungsqualitäten, Mittwoch, 17. Juli: Könige aus Judas Stamm: David, Donnerstag, 18. Juli: Könige aus Judas Stamm: Salomo. Die Abende finden im Ökumenischen Gemeindezentrum Mittelrain statt und beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Anmeldung bei Pfarrer Michael Kuczera, Tel. 07321.63886.