Heidenheim / Karin Fuchs Eine große Geburtstagsparty stieg am Sonntag auf dem Talhof im Ugental. Hunderte von Besuchern kamen auf den Demeterhof, der mit seinen 90 Jahren zu den ältesten der Welt gehört.

Der Aufdruck auf dem T-Shirt des Talhof-Pächters Rüdiger Spiegler sagt eigentlich alles: „Bio von Anfang an“. Seit 90 Jahren wird der Hof biologisch-dynamisch bewirtschaftet, sowohl auf den Feldern als auch in den Ställen. Grund nicht nur für ein außerordentlich schönes Hoffest, sondern auch für einen Tag der gläsernen Produktion, zu dem im jährlichen Wechsel Bauernhöfe in der Region einladen.

„Ein Ort, wo wir Landwirtschaft ganz nah erleben können“, sagte auch Dr. Ophelia Nick, Enkelin von Hanns Voith, der als Industrieller inspiriert vom Anthroposophen Rudolf Steiner den Talhof gründet und der Natur damit ein Stück zurückgeschenkt hat. „Dieser Ort hat noch nie Pestizide oder künstliche Mineraldünger gesehen“, so Ophelia Nick.

Angela Voith erinnert sich

Ihre Erinnerungen an den Hof teilte ihre Mutter Angela Voith mit den Gästen. Sie erzählte von den sonntäglichen Spaziergängen im Ugental und davon, wie sehr alle sechs Töchter durch den Vater Hanns Voith von der biologisch-dynamischen Lebensweise geprägt wurden. „Diese Erlebnisse unserer Kindheit haben uns alle geprägt“, sagte sie und erzählte, wie ihre Schwestern die Idee der Biohöfe in alle Welt hinausgetragen hätten. Und nicht zuletzt hielt sie auch das Andenken an ihre vor einem Jahr verstorbene Schwester Dr. Cornelia Hahn hoch, die ihre Hand über den Talhof gehalten habe.

Dies bestätigte auch Pächter Rüdiger Spiegler, der von den wirtschaftlichen Zwängen sprach, die heutzutage in den Vordergrund träten. „Das Wichtigste ist die Unterstützung der Familie Voith, ohne die würde es den Hof nicht mehr geben.“

Talhof als Vorbild für andere?

Der Talhof ist trotz oder gerade wegen seiner 90-jährigen Geschichte die Antwort auf viele aktuelle Fragen, die Umwelt und Ressourcen, also einfach den Fortbestand des Lebens betreffen. Demeter-Bundesvorstandssprecher Alexander Gerber verwies auf schädigende Faktoren und sagte: „Umso wichtiger ist es, dass wir umsteigen.“

Strafe für Steingärten?

Landwirtschafts-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch sprach von Baden-Württemberg als Wiege der biologischen Landwirtschaft. Es gebe mehr als 4000 Betriebe, 14 Prozent der Landesfläche würden biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Angesichts der erschreckend sinkenden Biodiversität sprach sie alle Kommunalpolitiker direkt an: „Ich fordere Sie auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie Steingärten in den Vorgärten als Ordnungswidrigkeit ahnden können.“ Ebenso wie Landtagsabgeordneter Martin Grath sprach sie auch das Ziel an, Außerhausverpflegung wie an Kitas mit bio-regionalen Produkte sicherzustellen. „15 Prozent der Bauern würden auf Bio umsteigen, wenn man ihnen die Produkte auch abkaufen würde“, legte Gath den Finger in die Wunde. Grath beschrieb auch, wie sehr der Talhof und der frühere Pächter Friedrich Sattler seinen eigenen Lebensweg als Biobäcker und Grünen-Abgeordneter beeinflusst hätten.

Die Voith-Familie zeigt sich verbunden

Hanns Voith gründete den Bauernhof vor 90 Jahren, um dort alternative und ganzheitliche Landwirtschaft nach dem Demeter-Prinzip zu etablieren. Daran halten auch die Nachkommen des Heidenheimer Unternehmers fest.

Wie sehr die Voith-Familie bis heute hinter dem Talhof und allem drumherum steht, zeigte allein schon deren Präsenz beim Geburtstagsfest. Neben Ophelia Nick waren deren Bruder David sowie die Mutter Angela Voith und deren Schwester Beatrice Schweppenhäuser ebenso unter den Feiernden wie das Ehepaar Gabriele und Dr. Michael Rogowski, Letzterer war früherer Voith-Chef.

Dazu gesellten sich viele Freunde des Talhofs, die etwas mit dem Ort verbindet, sei es über das kulturelle Engagement, das Café, den Amthor-Verlag, die Michaelsschule oder einfach als Kunde. Sie alle sind ein Zeichen, dass hinter dem Talhof viel Herzblut und Idealismus stecken. kf