Heidenheim / Karin Fuchs Der Nachfolger von Dr. Inge Gräßle als Kreisvorsitzender steht fest: Mit Magnus Welsch (29) hat sich auf Anhieb der jüngste der vier Kandidaten durchgesetzt.

Inge Gräßle war 18 Jahre lang das dominante Gesicht der CDU im Landkreis Heidenheim, als Kreisvorsitzende und als Europaabgeordnete. Zählt man ihren politischen Anfang als Landtagsabgeordnete vor 23 Jahren hinzu, sogar noch länger.

Nach dem Ausscheiden aus dem EU-Parlament nach der Europawahl zog Gräßle ihre Konsequenzen: Sie kündigte an, sich aus der politischen Öffentlichkeit zurückziehen zu wollen. Der erste Schritt ist mit der Neuwahl des Kreisvorsitzenden vollzogen.

Der Kreisparteitag wurde gleichzeitig aber auch eine Abrechnung vonseiten einiger Mitglieder mit der Landespartei, die Gräßles Ausscheiden sehenden Auges hingenommen hat.

Im ersten Wahlgang

Dass die Wahl des neuen Kreisvorsitzenden so eindeutig ausgehen würde, damit hatte zu Beginn der fast dreistündigen Versammlung am Freitagabend im Marineheim keiner der 130 anwesenden CDU-Mitglieder gerechnet. Vorgestellt hatten sich der Heidenheimer Ortsverbandsvorsitzende Michael Kolb (44), der Giengener Christian Rau (31), die Neu-Heidenheimerin Julia Zeisberger sowie Magnus Welsch.

Der Applaus war bereits ein Vorzeichen

Doch schon der Applaus nach den Reden war ein Gradmesser, dass Welsch den Nerv der meisten Zuhörer getroffen hatte. Mit Worten wie „Wir müssen zeigen, dass wir etwas bewegen können“, sprach er den Mitgliedern nicht nur Mut angesichts der jüngsten Wahlergebnisse zu, sondern er versprach auch, sich für eine generationenübergreifende Politik einzusetzen. „Wir müssen junge Wähler gewinnen und die älteren mitnehmen, das macht eine Volkspartei aus“, sagte Welsch, der selbst dieser jungen Generation angehört und dennoch schon einige politische Erfahrung hat.

Wer ist Markus Welsch?

Mit 17 Jahren trat Welsch in die Junge Union ein, mit 24 wurde er in den Sontheimer Gemeinderat gewählt, wo er kurz darauf die CDU-Fraktion führte. Der Sohn des früheren Sontheimer Bürgermeisters war bei der Bundestagswahl 2017 Kandidat auf der Liste der Landes-CDU und hatte diverse Wahlkampf-Aufritte. Der Jurist arbeitet als Regierungsrat im Landratsamt Biberach.

Der Tag der ehrlichen Worte

Emotionsgeladen hatte der Parteitag begonnen, als Inge Gräßle zu ihrer letzten Rede als Kreisvorsitzende angestimmt hatte und dabei die offenen Flanken der CDU anmahnte: offen sein für alle Schichten und Gruppen der Gesellschaft.

Damit spielte sie auf das an, was sie stets gefordert hatte, womit sie sich jedoch nicht durchsetzten konnte: mehr Frauen und auch mehr Menschen mit Migrationsbiografie unter die Mandatsträger der CDU zu holen.

Letztendlich ist die Männerdominanz zumindest in der Landes-CDU auch ihr zum Verhängnis geworden. Einer der Anwesenden hatte dies am Ende der Versammlung als „Schande für den Landverband“ bezeichnet und reichlich Applaus geerntet.

Das große Bedauern im Nachhinein

Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter, der Gräßles 23-jährige Arbeit in großen Zügen skizzierte, sprach davon, „traurig und sauer“ zu sein. „Wir wählen Menschen aus Fleisch und Blut und nicht Listen, die in Hinterzimmern festgelegt werden.“

Der Aalener Landtagsabgeordnete Winfried Mack drückte sein Bedauern darüber aus, dass die Parteiführung nicht eingegriffen habe, um eine der wichtigsten Europaabgeordneten zu halten. Gräßles Landtags-Nachfolger Bernd Hitzler schüttelte den Kopf, dass ausgerechnet eine der fleißigsten Europaabgeordneten nicht mehr dabei ist.

Gräßle nahm dazu kein Blatt mehr vor den Mund, so wie sie es nach der Nominierung noch getan hatte: „Ich möchte Ihnen sagen, dass mir das stinkt. Die Grünen nehmen uns die Butter vom Brot und wir unternehmen nichts. Da möchte ich nicht mehr mitmachen. Man muss auch mal sagen, so kann es nicht weitergehen.“

Merkel und Kramp-Karrenbauer

Dass Gräßle weithin bekannt ist, zeigten zwei überraschend eingespielte Video-Botschaften von der CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die beide das Ausscheiden Gräßles bedauerten.

Der Wahlausgang und der neue CDU-Vorstand

Bei der Vorsitzendenwahl entfielen von 122 abgegebenen gültigen Stimmen 62 auf Magnus Welsch, 25 auf Michael Kolb, 22 auf Julia Zeisberger und 13 auf Christian Rau. Alle Wahlen waren geheim.

Die stellvertretenden Kreisvorsitzenden sind: Julia Zeisberger (96 Stimmen), Michael Kolb (94) sowie Petra Bengelmann (77). Nicht gewählt wurde Christian Rau mit 54 Stimmen.

Weitere Posten: Schatzmeister: Wolfgang Bernhard, Schriftführer: Christian Anghel, Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Alexander Krieger, Internetbeauftragter Laurin Horlacher, Mitgliederbeauftragter Patrik Junginger. Beisitzer sind: Raouf Al-Madani, Benjamin Bahmann, Andreas Beyrle, Rudolf Boemer, Oliver Briel, Conny Haslanger, Dr. Annette Limberger, Bernd Moser, Andreas Müller, Hildegard Müller, Ingrid Ochs, Christian Rau, Werner Rosenkranz, Fritz Weger und Petra Zein.