Heidenheim / Michael Brendel Ein Kommentar von Michael Brendel zum Baubeschluss für den neuen Steg beim Schnaitheimer Bahnhof.

Vieles ist mittlerweile selbstverständlich, ganz gleich ob gesetzlich vorgeschrieben oder nicht: Bordsteine werden abgesenkt, Treppen beseitigt, Ampeln mit akustischen Signalen ausgestattet. All das, um Blinden, Menschen mit anderen Handicaps, Müttern mit Kinderwagen oder Älteren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, den Alltag zu erleichtern.

Wie passt dazu der Beschluss des Gemeinderats, einen nicht barrierefreien Fußgängersteg zu bauen? Mancher mag diesen Schritt als nicht zeitgemäß bewerten, und das ist legitim. Wer aber an der zunächst auf dem Tisch liegenden Maximalforderung festhält, muss mehrere Aspekte bedenken.

Da sind zunächst einmal die Kosten. Geschätzt eineinhalb Millionen Euro für einen Übergang über die Gleise sind eine gewaltige Summe. Baulich abzuspecken und das eingesparte Geld stattdessen an anderer Stelle mit Weitsicht einzusetzen, kann sinnvoller sein und vielen Menschen helfen.

Zumal, und das zeigen Beobachtungen der vergangenen Monate beim Schnaitheimer Bahnhof, viele Menschen ungeachtet der damit verbundenen Gefahren den kürzesten Weg wählen: direkt über die Schienen. Alte und Junge, Männer und Frauen, sogar Eltern mit kleinen Kindern verhalten sich dort gleichermaßen unvernünftig und riskant. Auch wenn die Bahn das in einem Schreiben an die Stadtverwaltung nicht bestätigt, so belegen der Redaktion vorliegende Fotos und Schilderungen von Stadträten und Anwohnern unzweifelhaft doch das Gegenteil.

Kaum anzunehmen, dass ein barrierefreier Steg daran etwas ändern würde. Denn der wäre aufgrund der nur sanft ansteigenden Rampen lediglich rund 200 Meter kürzer als der Fußweg entlang der Straße und über den Bahnübergang.

Ein Weiteres ist die gestern erfolgte Verlegung des Fahrkartenautomaten von der Gegenseite zum Bahnhofsgebäude. Hinzu kommt noch, dass ab Montag alle Züge an Gleis 1 abfahren, sodass die aus Richtung Ortsmitte kommenden Fahrgäste die Gleise gar nicht mehr überqueren müssen. Am schwersten aber wiegt die Aussage mehrerer vorab befragter Rollstuhlfahrer, sie wählten lieber eine ebenerdige Verbindung als die trotz geringer Steigung weitaus beschwerlichere Variante über einen Steg.

All diese Gesichtspunkte berücksichtigt, hat der Gemeinderat eine vernünftige Entscheidung getroffen.

Ein neuer Übergang beim Schnaitheimer Bahnhof ist jetzt beschlossene Sache. Im Unterschied zur ursprünglichen Planung bietet er keine völlige Barrierefreiheit.