Wie stark wird die Corona-Pandemie den Landkreis Heidenheim treffen? Wie entwickelt sich die Zahl der Infizierten, wie viele Erkrankte werden im Klinikum behandelt werden müssen, wie viele von ihnen auf der Intensivstation? Fragen, die heute noch niemand beantworten kann. „Aber es ist unglaublich wichtig, gut vorbereitet zu sein und das sind wir“, betont Udo Lavendel, Geschäftsführer des Klinikums.

Vorbereitungen laufen seit Wochen

Schon Anfang März habe man damit begonnen, planbare Operationen zu verschieben und abzusagen, aktuell laufe der Normalbetrieb im Klinikum weiter, aber eben stark eingeschränkt. „Und ab der kommenden Woche werden nur noch Patienten operiert, bei denen lebensbedrohliche Situationen vorliegen“, so der ärztliche Direktor Prof. Dr. Andreas Imdahl. Dass der Betrieb im Klinikum stark heruntergefahren wurde, um möglichst viele Kapazitäten für Corona-Patienten freizuhalten, zeigt die Belegung der Betten. „Im Januar und Februar waren wir bei 90 Prozent, aktuell sind wir bei 50 Prozent Auslastung. Aus kaufmännischer Sicht tut das weh, aber es ist unbedingt notwendig“, so Lavendel.

Zwei separate Häuser

Zu den Vorbereitungen der vergangenen Wochen gehörte auch, dass das Klinikum in ein „Covid-Haus“ und ein „Non-Covid-Haus“ unterteilt wurde. Im Neubau Haus C wurden auf zwei Ebenen jeweils zwei Stationen für die Behandlung von Covid-19-Patienten vorbereitet und sind entsprechend abgeschirmt. „Auf der einen Ebene stehen 51, auf der anderen 57 Betten zur Verfügung“, erklärt Lavendel. Hinzu kommen noch 15 Plätze auf der Intensivstation. „Insgesamt können wir nach momentanem Stand 121 Covid-19-Patienten im Klinikum behandeln“, so der Geschäftsführer. Aufstockbar seien die Stationen auf 160 Plätze, ergänzt Imdahl. Intensivmedizinisch könnten bis zu 31 Patienten behandelt werden. Dass in in den vergangenen Wochen intensiv am Ausbau der Kapazitäten gearbeitet wurde, zeigt der Vergleich: In „normalen“ Zeiten verfügt die Isolierstation über zehn Zimmer.

Zahl der Beatmungsgeräte wurde erhöht

Erhöht wurde auch die Zahl der bei schwer Covid-19-Erkankten so dringend notwendigen Beatmungsgeräte. Sie wurde von zwölf auf 16 erhöht, weitere Geräte sind bereits geordert. Personell sehen die Verantwortlichen das Klinikum für die Behandlung von Corona-Patienten aktuell gut aufgestellt. Rund 50 Pflegekräfte und 20 bis 25 Ärzte stehen Imdahl zufolge zur Verfügung. Personell könne im Notfall durch Versetzungen noch ein wenig aufgestockt werden. „Aber medizinisches und pflegerisches Fachpersonal ist auch nicht unbegrenzt.“

Engagierte Mitarbeiter

Dem Personal im Klinikum werde in der aktuellen Situation noch mehr abverlangt als sonst. „In dieser Dauerkrise zeigen alle Mitarbeiter einen unermüdlichen Einsatz und viele gehen schon jetzt über ihre persönlichen Grenzen hinaus“, sagt Lavendel. Von den 1600 Beschäftigten fehlten derzeit beinahe 100, weil sie sich aus unterschiedlichen Gründen in häuslicher Quarantäne befänden. „Wie sich alle Mitarbeiter engagieren und einbringen, ist kaum vorstellbar und dafür gebührt ihnen allergrößter Dank und Anerkennung“, sagt auch der Ärztliche Direktor. Vor allen Dingen die Mitarbeiter im Isolierbereich seien ganz besonders gefordert. Denn das Anlegen und Tragen der Schutzausrüstung sei sehr zeitraubend und beschwerlich.

Material reicht für einige Tage

Bezüglich des Materials befindet sich auch das Heidenheimer Klinikum Lavendel zufolge in einer „kritischen Situation“. Das betrifft insbesondere Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken. „Aktuell haben wir natürlich Material da, aber die Bestände reichen nur etwa acht bis zwölf Tage.“ Deshalb sei das Personal angewiesen, sehr sorgsam damit umzugehen. „Im normalen OP-Betrieb brauchen wir pro Woche rund 5500 Mundschutzmasken“, so Lavendel. Seit dieser Woche seien alle Mitarbeiter, auch die aus den administrativen Bereichen, verpflichtet, im Klinikum Mundschutz zu tragen. Auch auf dem Schlossberg sei man permanent bemüht, Nachschub zu organisieren, aber wie überall in Deutschland sei das Material derzeit knapp, sagt der Geschäftsführer.

Es gab auch Diebstähle

Vor einigen Wochen habe es auch schon Diebstähle, insbesondere bei den Desinfektionsmitteln, gegeben. „In der Krise kommen einfach die schlechten menschlichen Eigenschaften heraus“, sagt Lavendel. Durch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen spielten Diebstähle aber aktuell keine Rolle mehr.

31 Covid-19-Patienten werden stationär behandelt

Und wie stellt sich die aktuelle Situation dar? „Aktuell behandeln wir im Klinikum 31 Covid-19-Patienten stationär“, erklärt Imdahl. Von diesen würden sechs intensivmedizinisch betreut, davon befänden sich fünf in einem kritischen Zustand und müssten beatmet werden. Seit die Corona-Pandemie auch in Heidenheim angekommen ist, wurden knapp 45 Patienten stationär betreut, davon habe man sieben beatmen müssen, zwei Patienten seien im Klinikum gestorben, sagt Imdahl.

Das Risiko nicht unterschätzen

Dieses Zahlen zeigen, dass in der aktuellen Situation noch Kapazitäten frei sind. Und sie zeigen, dass von den aktuell rund 250 im Landkreis Heidenheim bekannten Corona-Infizierten lediglich 17 Prozent stationär behandelt werden mussten und nur 2,7 Prozent auf der Intensivstation. „Bei vielen verläuft die Krankheit leicht, aber man darf das Risiko nicht unterschätzen“, sagt Imdahl. Zwar seien bei den schweren und lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen viele ältere Patienten dabei, „aber auch bei 50-Jährigen kann es sehr kritisch werden“. Der jüngste Patient ist ein neugeborenes Kind, aber das befindet sich nicht in kritischem Zustand.

Taskforce trifft sich täglich

Die Situation und damit die Zahl der stationär zu behandelnden Patienten kann sich tagtäglich ändern. „Wir versuchen uns so gut wie möglich vorzubereiten“, sagt Lavendel. Täglich um 13 Uhr trifft sich im Hörsaal des Klinikums die „Taskforce Corona“, um sich abzustimmen und zu beraten. Auch zu den Kliniken im Ostalbkreis und zum Uni-Klinikum in Ulm bestehe ein sehr reger Kontakt. „Bislang war allerdings keine gegenseitige Hilfeleistung notwendig.“

„Wir brauchen jeden Kopf und jede Hand“

Den Mitarbeitern des Klinikums stehen derweil harte Zeiten bevor. „Grundsätzlich werden wir auch mit Urlaubssperren arbeiten müssen“, sagt Lavendel. „Aber es ist trotzdem notwendig, dass sich die Mitarbeiter aktuell auch erholen können“, schiebt Imdahl nach. „Denn wenn die Welle der Patienten mit schweren Krankheitsverläufen steigt, dann brauchen wir jeden Kopf und jede Hand.“