Heidenheim / Joelle Reimer Pünktlich vor der diesjährigen Spielzeit bekommt das Naturtheater eine neue Hallenanlage. 18 Boxen und zig neue Kabel werden über der Zuschauertribüne verbaut.

Klettergurt, Helm und Kran, und das alles im Heidenheimer Naturtheater: Klar, da geht es um den Aufbau des Bühnenbildes. Sollte man meinen. Doch die fleißigen Helfer, die hier beschrieben werden und die sich momentan jeden Samstag auf dem Schlossberg einfinden, werkeln nicht auf der Bühne, sondern im Bereich der Zuschauertribüne.

Was sie dort genau tun? Nun, pünktlich zum 100-jährigen Bestehen des Naturtheaters bekommt die Technik eine Verjüngungskur – was konkret heißt: eine komplett neue Lautsprecheranlage. „Vergangenes Jahr haben wir mehrfach die Rückmeldung bekommen, dass man die Darsteller nicht besonders gut verstanden hat“, erklärt Tobias Vetter, Vorsitzender im Bereich Technik. Daraufhin habe er die einzelnen Boxen in der Halle genau unter die Lupe genommen und festgestellt, dass diese nach rund 18 Jahren ihre Lebensdauer erreicht, ja sogar eindeutig überschritten haben. „Klar, die hängen das ganze Jahr über draußen und sind der Witterung ausgesetzt. Und wenn dann im Sommer noch dementsprechende Wetterverhältnisse herrschen, die sich auf die Schwingungen auswirken, dann hört man das eben.“

Schallsimulation und Hörprobe

Und so starteten die Planungen bereits im August 2018, direkt nach der Spielzeit. Der Hallengrundriss wurde abgemessen, die Verteilung der Boxen eingetragen und eine Firma beauftragt, auf Basis dessen eine Simulation zu erstellen, die sowohl die Zuschauer als auch die Schallverteilung aufzeigt. „Das Angebot war gut, deshalb kam die Firma im November zu uns und hat probeweise drei Boxen installiert. Als wir die im Vergleich zur restlichen Hallenanlage gehört haben, war die Entscheidung eigentlich gefallen“, so Vetter.

18 neue Boxen sind es, die nun also über den Sitzblöcken A bis G montiert werden müssen. Kostenpunkt: 40 000 Euro. Dazu kommt der Aufwand für die Installation, die Arbeitsgeräte und rund ein Kilometer Kabel mit etwa zweieinhalb Zentimetern Durchmesser, welches in mühsamer Eigenregie durch die Metallschienen an der Hallendecke gezogen werden muss. „Wir sind etwa zehn Leute und arbeiten gut zwei Monate daran. Aber bis Mitte Mai wollen wir soweit fertig sein“, sagt Vetter – am 26. Mai steht schließlich schon der Tag der offenen Tür am Schlossbergerlebnistag an.

Hörbarer Unterschied

„Alles in allem werden wir rund 65 000 Euro investieren. Ich bin überzeugt, die Zuschauer werden den Unterschied hören; vielleicht nicht im direkten Vergleich zum Vorjahr, weil sie das nicht mehr im Kopf haben, sondern eher unbewusst, aber die Tonqualität dieses Jahr wird sicherlich stimmen.“

Selbstverständlich laufen natürlich auch schon die Proben für „West Side Story“ und „Der Herr der Diebe“. Der Technikplan hierzu entsteht momentan nebenher auf Papier: Szene für Szene wird festgehalten, wer wann auf der Bühne ist, um das dann in den sogenannten Mikro-Plan zu übertragen – erst wenn die Anlage fertig ist, kann mit den Darstellern und dem Orchester geprobt werden. „Ja, das ist sportlich. Wir von der Technik schauen uns aber schon jetzt die Proben ohne Ton an, um ein Feeling dafür zu bekommen.“ Stress? Vetter nickt. Keine Frage. Und dennoch ist er überzeugt: „Am Ende wird alles just in time fertig werden und die Zuschauer werden eine tolle Zeit haben. Der Ton ist ein wichtiger Teil, aber am Ende zählt doch immer das Gesamtpaket.“

Verteilung der Boxen

Insgesamt werden 18 Boxen über der Zuschauertribüne installiert, die am Ende die gesamte Geräuschkulisse abbilden. Sechs Stück hängen etwas weiter vorne und strahlen den Schall hauptsächlich bis in die ersten Reihen ab, zwölf Boxen hängen etwas weiter hinten und decken die Beschallung bis in die hintersten Reihen ab. Insgesamt entstehen dadurch sechs Punkte, an denen sich die Schallwirkungen leicht überschneiden und der Ton etwas lauter wahrgenommen wird.