Behördengänge lassen sich im Heidenheimer Landratsamt kaum digital erledigen. Das soll sich in naher Zukunft ändern. Ob Online-Terminvergaben, Mobilitäts-Auskünfte, Onlineplattformen und digitale Beratungen: 13 Leuchtturmprojekte hat der Landkreis Heidenheim bei seiner Digitalisierungsstrategie benannt, die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll.

Der Kreistag hat dem Konzept einstimmig zugestimmt, will aber auf dem Laufenden gehalten werden, wie die Digitalisierung vorankommt.

Menschen aus dem Landkreis brachten 100 Ideen ein

„Digitale Transformation bedeutet in erster Linie, Hürden abzubauen und Vorgänge zu vereinfachen“, so Landrat Peter Polta in seinem Vorwort zum Strategiepapier, das das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation zusammen mit der Landkreisverwaltung erarbeitet hat. Es gehe darum, den Bedarf der Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine und Verbände bestmöglich abzudecken.

Zusätzlich zum wissenschaftlichen Ansatz wurden auch die Menschen im Landkreis eingebunden. Experteninterviews, Workshops, runde Tische fanden statt, bei denen rund 100 Vorschläge und Ideen in den Handlungsfeldern Verwaltung, Bildung, Gesundheit und Pflege, Mobilität, Wirtschaft sowie Infrastruktur gesammelt und anschließend priorisiert wurden. Ein Jahr lang hat es gedauert, die Digitalstrategie fertig war.

In der Kfz-Zulassungsstelle geht es los

Ab diesem Jahr sollen die ersten digitalen Angebote geschaffen werden. Zeitnah stehen die Ausweitung der Online-Terminvergabe im Landratsamt sowie die weitere Digitalisierung der Kfz-Zulassungsbehörde an. „Wir haben schon gute Erfahrungen damit während der Corona-Einschränkungen gemacht und wollen mit diesem Angebot die Bürgerfreundlichkeit steigern“, sagte der Landrat vor dem Kreistag.

Eingerichtet werden soll in der Zulassungsstelle ein Smart-Terminal. Darin kann man außerhalb der Öffnungszeiten sein neues Kfz-Kennzeichen abholen. Zusätzlich soll es Selbstbedienungsterminals geben, um zum Beispiel eine Sepa-Lastschrift selbst erstellen zu können. Durch Karten- und Signaturpads sollen Vorgänge am Schalter beschleunigt werden. Das entlaste auch das Personal in der Zulassungsstelle, so Polta.

Ebenfalls noch im Jahr 2023 ist die Einführung einer neuen, zielgruppenorientierten Plattform für Jugendarbeit und Bildungsangebote avisiert. Eingebunden werden sollen soziale Medien.

Mobilität: eine App zeigt den umweltfreundlichsten Weg

Geplant ist zudem eine Informationsplattform, auf der sämtliche Mobilitätsmöglichkeiten dargestellt und verglichen werden. Wer umweltfreundlich mobil sein möchte, dem werden in der App nach der Eingabe des Start- und Zielpunkts alle verfügbaren Mobilitätsmöglichkeiten aufgezeigt. Der ÖPNV soll im Mittelpunkt stehen und flankiert werden mit allen zuführenden und abgehenden Mobilitätsangeboten wie Bike-, Car oder E-Scooter-Sharing. Der Nutzende kann Dauer, Strecken, Fahrpreise vergleichen und erfährt zugleich die eingesparten CO2-Mengen. Die Angebote sollen über die App auch gleich gebucht werden können.

Sensoren spüren freie Parkplätze auf

Bereits in der Stadt Heidenheim im Einsatz ist ein so genanntes Lorawan-Sensornetz, das nun auch der Landkreis aufbauen will. Lorawan steht für Long Range Wide Area Network und kann Daten erfassen, sammeln und übermitteln. So soll zum Beispiel erfasst werden, welcher Parkraum frei ist oder wo es freie E-Lademöglichkeiten gibt. Auch zum Klimaschutz und zur Vorsorge im Katastrophenfall soll das Netz Dienste leisten. So können CO2-Sensoren zur systematischen Verbesserung der Luftqualität beitragen. Starkregen oder Hochwasser sollen die Sensoren frühzeitig melden.

Digitale Patientenakte

Auch das Klinikum Heidenheim soll digitaler arbeiten: Im Strategiepapier wird der Ausbau der elektronischen Patientenakte genannt, indem ein Patientendatenmanagementsystem eingeführt wird. Das soll die Pflege- und Behandlungsabläufe effizienter machen. Betont wird gleichzeitig, die IT-Sicherheit zu erhöhen.

Fachkraft für Digitales

Um die Digitalisierung voranzutreiben, hat der Landkreis Heidenheim extra eine Stelle geschaffen. Der Digitalisierungsbeauftragte ist Teil des Stabsbereiches Digitalisierung und Dienstleistungen, den es seit 1. Februar 2022 im Landratsamt gibt. Zu seine Aufgaben gehören die Weiterentwicklung einer Digitalisierungsstrategie, die Bestands- und Potenzialanalyse im Bereich Digitalisierung, Projektmanagement für Digitalisierungsprojekte, Mitarbeit bei digitalen Zukunftsprojekten, die Beteiligung in interkommunalen Arbeitsgruppen sowie Netzwerkarbeit.