Heidenheim / Michael Brendel Nachdem es kein Geld aus einem Förderprogramm des Bundes gab, setzen Stadtverwaltung, Gemeinderat und Sportvereine jetzt auf eine umfassende Sanierung mithilfe des Landes.

Schul- und Sportstadt nennt sich Heidenheim schon seit Jahrzehnten. Dass Verwaltung und Gemeinderat darunter mehr verstehen als einen plakativen Slogan, zeigen die Millionensummen, die regelmäßig in beide Bereiche investiert werden. Gar nicht ins Bild passt vor diesem Hintergrund die Sanierungsbedürftigkeit der größten städtischen Sporthalle.

Gut 59 Jahre alt ist die Karl-Rau-Halle mittlerweile, und sie genügt in vielerlei Hinsicht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Immer wieder befassten sich Expertenrunden deshalb mit dem Thema. Keine Lüftung, fehlende Barrierefreiheit, zu hoher Energieverbrauch – die drängenden Fragen sind schon lange bekannt, eine bezahl- und machbare Antwort darauf ließ sich aber bislang nicht finden.

Neubau vom Tisch

Der Gemeinderat diskutierte erst im Sommer 2018 noch über einen Neubau, musste dann aber aus Kostengründen Abstand von derlei Überlegungen nehmen. Fortan ging es stattdessen um eine Sanierung, und da schien ein Förderprogramm des Bundes für Investitionen in kommunale Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur gerade recht zu kommen.

Allein: Von 1300 Anträgen wurden gerade einmal 186 berücksichtigt. Nicht bedacht wurden neben Heidenheim auch Giengen und Sontheim/Brenz. Jetzt scheint eine alternative Lösung zum Greifen nah: eine Sanierung mit Unterstützung durch Landesmittel.

Gespräch mit Vereinen

Bei der Hauptversammlung des Heidenheimer Sportbundes (HSB) hatte Oberbürgermeister Bernhard Ilg Ende Mai angekündigt, die Angelegenheit beim nächsten Sportgipfel zur Sprache bringen zu wollen. Dabei handelt es sich nach der Ende 2017 beschlossenen Auflösung des Stadtverbands für Sport um eine turnusmäßige Zusammenkunft aller Sportvereine, die eine Förderung durch die Stadt erfahren.

Ergebnis der Diskussion: Nach den Sommerferien soll sich der Gemeinderat abermals der Sache annehmen. Zur Debatte steht dann eine Sanierung im Bestand, die unter anderem Beleuchtung und Beschattung, die Erneuerung der Sanitärräume und – mit Blick auf die Barrierefreiheit – den Einbau eines Aufzugs im Eingangsbereich einschließt. Aufgrund der Veränderungen im Treppenhaus könnte die bestehende Spielfläche Richtung Beethovenstraße vergrößert und den gelten Din-Maßen vor allem für den Handballsport angepasst werden.

Unveränderte Kostenschätzung

An der Kostenschätzung in Höhe von 6,7 Millionen Euro, die vor einem Jahr aufgrund des gemeinsam mit dem HSB festgezurrten Anforderungskatalogs erstellt wurde, hat sich praktisch nichts geändert. Grund: Verwaltungsintern wurde zwar detailliert geprüft, an welchen Stellen auf der Suche nach einer abgespeckten Lösung Abstriche gemacht werden könnten. Allerdings ohne durchschlagenden Erfolg, „weil vor allem mit Blick auf die Barrierefreiheit einfach vieles zusammenhängt“, so Ilg.

Kernpunkt der anstehenden Erörterungen dürfte die Frage sein, ob sich das Maßnahmenpaket finanzieren lässt. Ilg zeigt sich auf Nachfrage zuversichtlich, dass das mit Mitteln aus der regulären Sportstättenförderung des Landes gelingen kann. Nach ersten Gesprächen mit den zuständigen Stellen in Stuttgart sei „eine prinzipielle Aufgeschlossenheit“ erkennbar.

Schlicht und schön

Aufgeschlossen zeigte sich auch der damalige Heidenheimer Oberbürgermeister Elmar Doch, als 1960 die Karl-Rau-Halle eingeweiht wurde. Schwärmte der Berichterstatter der Heidenheimer Zeitung seinerzeit von einer „Komposition aus Stahl, Beton und Glas“, so befand der Rathauschef, es handele es sich um einen Bau im Spiegel der Zeit, an dem die Werkstoffe in einer Schlichtheit und anspruchslosen Schönheit verarbeitet worden seien.

Der nach den Plänen der Architekten Hans Weik (Heidenheim) und Rudolf Häußler (Schwäbisch Gmünd) entstandene Bau kostete 3,3 Millionen Mark. Die kleinere Halle im Untergeschoss ist 30 mal 15 Meter groß, die große 40 mal 20 Meter. Außenmaße des gesamten Komplexes: 50 mal 35 Meter. Die Besucher der Veranstaltungen fanden fortan Platz auf 864 Sitz- und 300 Stehplätzen.

Sportstättenförderung Die Karl-Rau-Halle geht leer aus

Für die Sanierung der Sporthalle gibt es kein Geld vom Bund im Rahmen eines Bonusprogramms für Kommunen.

Weil der Bund die Fristen für ein Förderprogramm verlängert hat, wartet die Stadt noch immer auf eine Entscheidung aus Berlin. Daran hängen die weiteren Planungen für die Sporthalle.

Nachdem erst bei der Klausurtagungs des Gemeinderats über einen Neubau gesprochen wurde, hat die Stadt jetzt einen Antrag auf Bundesmittel zur Sanierung der alten Sporthalle gestellt.

Halle trägt Namen des früheren Heidenheimer Oberbürgermeisters

Karl Rau war Oberbürgermeister, als 1955 ein Architektenwettbewerb für den Bau einer Sporthalle, einer Schule und einer Kirche im Westen der Stadt ausgeschrieben wurde. Der Heidenheimer Architekt Hans Weik gewann diesen. Allerdings blieben die Baupläne anschließend aus Kostengründen zunächst in der Tasche.

Elmar Doch wurde Rathauschef, nachdem Rau im September 1956 überraschend gestorben war. Dank hoher Steuerrückzahlungen bot sich damals wieder finanzieller Spielraum, und der Baubeginn erfolgte am 12. August 1957. Exakt ein Jahr später konnte das Richtfest gefeiert werden.

Am 16.  Januar 1960 erfolgte die Einweihung der Westschule und der neuen Halle. Diese wurde einem Beschluss des Gemeinderats vom 17. Dezember 1959 entsprechend auf den Namen von Karl Rau getauft, dem das Schulwesen besonders am Herzen gelegen hatte. Bei einem Tag der offenen Tür nahmen rund 10 000 Besucher die beiden neuen Gebäude unter die Lupe. bren