Heidenheim / Thomas Zeller Welche Auswirkungen hat die neue Krankenhausplanung des Sozialministeriums in Stuttgart auf das Klinikum Heidenheim? Gedanken dazu von HZ-Redaktionsleiter Thomas Zeller.

Das Klinikum Heidenheim bietet immer wieder spannenden Gesprächsstoff. Erinnert sei da an neue Behandlungsverfahren, die laufende Sanierung oder die Gründung einer eigenen Service-Gesellschaft. Doch selbst wenn man sich über die Notwendigkeit einzelner Maßnahmen trefflich streiten kann, so räumen auch die hartnäckigsten Kritiker ein, dass das Krankenhaus einer der wichtigen Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung im Landkreis Heidenheim ist, auf dessen umfangreiches medizinisches Angebot viele Menschen angewiesen sind.

Damit das so bleiben kann, hat sich das Krankenhaus einen harten Sanierungskurs verordnet. Dass der nun die ersten Früchte trägt, ist besonders den Beschäftigten zu verdanken. Durch ihren Einsatz kommen wieder mehr Menschen ins Klinikum und lassen sich hier stationär behandeln. Lag die Bettenauslastung 2017 bei gerade einmal 74 Prozent, könnte sich dieser Wert im vergangenen Jahr deutlich erhöht haben. Verschiedene Quellen sprechen von einem Anstieg auf etwa 80 Prozent. Sollte dieser Wert stimmen – die offiziellen Ergebnisse werden erst im Sommer vorgestellt – dürfte das Klinikum damit sogar über dem Landesdurchschnitt liegen. Das Wachstum hat noch einen weiteren Effekt: Das Krankenhaus dürfte die Verluste deutlich reduziert haben und sich so langsam wieder der Gewinnzone nähern.

Diese positive Entwicklung könnte nun vom Sozialministerium in Stuttgart gestoppt werden. Denn dort wird gerade an einer neuen Krankenhausplanung gearbeitet. Darin wird die Bettenzahl der Kliniken im Land für die nächsten Jahre festgelegt. Seit fast 30 Jahren geht es dabei in Baden-Württemberg eigentlich nur um Kürzungen, und das ist auch unter Sozialminister Manfred Lucha nicht anders geworden. So gab es im vergangenen Jahr laut Sozialministerium rund 14000 Betten weniger im Land als noch 1990.

Für Krankenhäuser bedeuten solche Sparprogramme zumeist massive finanzielle Einbußen. Im Schnitt werden im Land pro Klinikbett etwa 188000 Euro ausgegeben. Sollte das Sozialministerium also wie im Augenblick angenommen tatsächlich den Rotstift ansetzen und eine zweistellige Zahl der aktuell 568 Betten (davon 537 stationär) auf dem Schlossberg streichen, hätte das deutliche Auswirkungen auf das Klinikergebnis und den geplanten dritten Bauabschnitt. Noch schlimmer: Viele der Opfer, die die Beschäftigten im Sanierungsprogramm bisher erbracht haben, könnten von dieser Entscheidung förmlich aufgefressen werden. Das zeigt, dass sich der Kampf um jedes Klinikbett lohnt.

Denn die Pläne in Stuttgart werden für viele Jahre festgelegt, Abweichungen sind nicht vorgesehen und Nachverhandlungen bleiben zumeist erfolglos. Zudem ist nicht gesagt, dass die jüngsten Erfolge des Krankenhauses, wie steigende Patientenzahlen oder höhere Auslastung, von den ministerialen Berechnungen berücksichtigt werden, ebenso wie das Plus bei der Einwohnerzahl im Landkreis oder die älter werdende Bevölkerung, die künftig mehr auf medizinische Betreuung angewiesen sein wird. Nur eines ist sicher, die Krankenhausplanung in Stuttgart wird deutlichen Einfluss auf die Zukunft des Heidenheimer Klinikums haben und bei der wird jedes Bett zählen.

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