Die Gesellschaft zusammenhalten und zusammenbringen: Vereine und Gruppen, die sich im Landkreis Heidenheim einsetzen, können dafür 2022 nach einem Jahr Pause wieder den Bürgerpreis der Kreissparkasse Heidenheim und der Hanns-Voith-Stiftung erhalten. Was es mit dem breit gefassten Motto des Preises diesmal auf sich hat, wie und bis wann man sich oder andere für den Preis nominieren kann und in welchem Rahmen die Ehrung verliehen werden soll, darüber sprechen Dieter Steck, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heidenheim, und Meinrad Schad, Vorstandsvorsitzender der Hanns-Voith-Stiftung, im Interview.

Herr Schad, von Ihnen stammt das diesjährige Motto für den Bürgerpreis, das da lautet: „Gemeinsames Handeln stärkt unseren Zusammenhalt.“ Das ist sehr breit gefasst. Wer soll oder darf sich damit angesprochen fühlen?

Meinrad Schad: Wir haben ein Motto gesucht, das über allen Problemen steht, die unsere Gesellschaft momentan hat. Da wäre zum einen Corona und die Folgen, da ist der Krieg in der Ukraine, der viele Flüchtende auch in den Landkreis Heidenheim gebracht hat. Und da sind nach wie vor Aufgaben in Sachen Integration, die noch aus der Zeit seit 2015 stammen. Diese Aufgaben sind nicht ohne ehrenamtliches Engagement zu schaffen, und so trifft unser breites Motto dieses Jahr eigentlich mitten ins Herz des Bürgerpreises.

Dieter Steck: Dazu muss man sagen, dass wir ein Jahr Pause machen mussten. In der Zwischenzeit sind viele gesellschaftliche Aufgaben zu denen dazugekommen, die bereits zuvor da waren. Wir möchten also mit Absicht möglichst viele Gruppen ansprechen. Zum einen die, die während Corona geholfen haben, den Stillstand im öffentlichen und kulturellen Leben zu durchbrechen, aber auch die, die sich ganz unabhängig von aktuellen Krisen seit Jahren für die Gemeinschaft engagieren. Aber natürlich auch die, die sich jetzt akut für Menschen aus der Ukraine einsetzen.

Weil gesellschaftlicher Zusammenhalt beim diesjährigen Motto so im Vordergrund steht: Sehen Sie da Schwierigkeiten im Landkreis Heidenheim?

Schad: Nicht erst seit Corona, aber dadurch vielleicht noch deutlicher, sehen wir doch, dass die Gesellschaft an den Rändern auseinanderdriftet. Der Ton ist mitunter ziemlich rau geworden. So kommen wir aber nicht weiter. Es macht wenig Sinn, uns gegenseitig Vorwürfe zu machen oder Vorhaltungen. Meinungen sind wichtig, aber wir sollten sie mit Respekt voreinander äußern. Und dass dies nicht immer der Fall war, denke ich, ließ und lässt sich auch im Landkreis Heidenheim während der Pandemie beobachten. Umso wichtiger ist daher Engagement, das Menschen zusammenbringt.

Meinrad Schad, Vorstandsvorsitzender der Hanns-Voith-Stiftung.
Meinrad Schad, Vorstandsvorsitzender der Hanns-Voith-Stiftung.
© Foto: Rudi Penk

An welche Tätigkeitsfelder richtet sich der diesjährige Bürgerpreis noch? Spielen Kultur und Klima beispielsweise auch eine Rolle? Oder liegt der Fokus auf Corona und Integration?

Steck: Nein, wir haben viele Felder im Blick. Menschen fallen aus ganz unterschiedlichen Gründen aus der gesellschaftlichen Mitte heraus und werden beispielsweise schon in jungen Jahren wohnsitzlos. Andere verlieren durch Krankheit ihr Einkommen, wieder andere vereinsamen. Gerade wirtschaftliche Not ist ein großes Thema, und ich sehe das noch viel stärker auf uns zukommen, wenn ich an die Inflation denke. Ohnehin benachteiligte Bevölkerungsgruppen leiden daran im Stillen. Deswegen sind Helfer, die in diesen Feldern aktiv sind, wahnsinnig wichtig. Man denke gerade jetzt nur an die Tafel, an Kleiderkammern und an Unternehmen, die diese Aktionen unterstützen.

Vor Corona waren Klima und Nachhaltigkeit die Themen, die auf der Liste ganz oben standen. Sind auch das Bereiche, die infrage kommen?

Steck: Wir müssen aufpassen, dass die akuten Krisen nicht die Bemühungen in den Hintergrund drängen, die für mehr Nachhaltigkeit notwendig sind. Deswegen: Ja, das ist ein großes Thema. Und gerade die akute Krise zeigt uns doch auf, wie wichtig Nachhaltigkeit oder auch nachhaltiges Unternehmertum sind. Hier sehe ich auch regionale Firmen als wichtige Beispielgeber an.

Dieter Steck, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heidenheim.
Dieter Steck, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heidenheim.
© Foto: Rudi Penk

Einer der vier Bürgerpreise wird auch dieses Jahr an engagierte Unternehmer vergeben. Sind klimafreundlich denkende und handelnde Firmen also auch Kandidaten?

Schad: Absolut. Klimaschutz fängt vor Ort an. Gesellschaftlich, unternehmerisch – wir müssen das hier im Kleinen und vor Ort angehen und nicht nur im großen Ganzen denken.

Die Preisverleihung soll diesmal wieder in großem Rahmen stattfinden? Was ist geplant?

Steck: Wir werden das am 14. September im Konzerthaus machen, und diesmal werden auch wieder alle Vereine und Gruppen teilnehmen können, die nominiert wurden. Beim letzten Mal konnten wir coronabedingt nur die Gewinner einladen. Jetzt aber möchten wir wieder in großer Runde alle Ehrenamtlichen zusammenbringen.

Wie kann man denn Kandidat für den Bürgerpreis werden?

Steck: Man kann sich selbst oder Dritte bis zum 30. Juni über ein Online-Formular auf unserer Webseite nominieren. Außerdem kann man Vorschläge in allen unseren Filialen oder unter Tel. 07321 344-1541 abgeben.

Und welche Kategorien gibt es?

Schad: Traditionell vergeben wir den Preis in den Kategorien „U 21“, „Alltagshelden“, „Lebenswerk“ und „Engagiertes Unternehmertum“. Der Preis in der Kategorie Lebenswerk wird an Personen vergeben, die sich seit mindestens 25 Jahren für einen guten Zweck einsetzen. Jeder der vier Preise ist mit 2000 Euro dotiert.

Zu guter Letzt noch eine Frage: Heutzutage werden die meisten Ehrungen und Preise ja durch Abstimmungen im Internet gewonnen und vergeben. Beim Bürgerpreis aber entscheidet eine Jury. Warum ist der Bürgerpreis kein Online-Publikumspreis, also kein Voting, bei dem alle mitmachen können?

Schad: Wir möchten keine Schlacht um die meisten Klicks oder diejenigen mit einem Preis auszeichnen, die es schaffen, online die größte Zahl an Unterstützern hinter sich zu bringen. Der Bürgerpreis ist ein durch eine zehnköpfige Jury verliehener Preis. Diese Jury stammt aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und wählt aus, wägt genau ab und diskutiert ausgiebig, warum und wer die Auszeichnung erhält. Unser Ziel ist es, auch stille Helden zu finden und zu würdigen.

Bürgerpreis: Die Jury und die Teilnahmemöglichkeiten

Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Heidenheim, Dieter Steck, sowie der Vorstand der Hanns-Voith-Stiftung, Meinrad Schad und Erwin Krajewski, sind die Initiatoren des traditionellen Bürgerpreises.Weiter in der Jury vertreten sind Roderich Kiesewetter (Mitglied des Deutschen Bundestages), Andreas Stoch (Landtagsabgeordneter und Landesvorsitzender der SPD Baden-Württemberg), Peter Polta (Landrat des Landkreises Heidenheim), Michael Salomo (Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim), Catrin Weykopf (Mitglied der Redaktionsleitung der Heidenheimer Zeitung), Doris Boch (Vorsitzende der Katholischen Erwachsenenbildung Kreis Heidenheim) und Almuth Kummer (Pfarrerin der Paulus-Wald-Kirchengemeinde).

Nominierungen können online unter www.ksk-heidenheim.de/buergerpreis, in jeder Filiale der Kreissparkasse sowie telefonisch unter 07321.344-1541 abgegeben werden.

Die Jury für den Bürgerpreis 2022


Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Heidenheim, Dieter Steck, sowie der Vorstand der Hanns-Voith-Stiftung, Meinrad Schad und Erwin Krajewski, sind die Initiatoren des traditionellen Bürgerpreises.

Weiter in der Jury vertreten sind Roderich Kiesewetter (Mitglied des Deutschen Bundestages), Andreas Stoch (Landtagsabgeordneter und Landesvorsitzender der SPD Baden-Württemberg), Peter Polta (Landrat des Landkreises Heidenheim), Michael Salomo (Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim), Catrin Weykopf (Mitglied der Redaktionsleitung der Heidenheimer Zeitung), Doris Boch (Vorsitzende der Katholischen Erwachsenenbildung Kreis Heidenheim) und Almuth Kummer (Pfarrerin der Paulus-Wald-Kirchengemeinde).

Nominierungen können online unter www.ksk-heidenheim.de/buergerpreis, in jeder Filiale der Kreissparkasse sowie telefonisch unter 07321.344-1541 abgegeben werden.