Kreis Heidenheim / Sandra Gallbronner Mit dem Projekt „Fit für den Abschluss“ möchte der Kreis Heidenheim Neuzugewanderte beim Übergang von der Schule in den Job unterstützen. Dabei müssen diese auch ganz elementare Dinge lernen.

Krankenpfleger wolle er werden, so Ukrana Kedir: „Das ist mein Wunsch.“ Sollte dieser nicht in Erfüllung gehen, hat Kedir auch schon einen Plan B: eine Ausbildung zum Altenpfleger. Der junge Mann kommt aus Äthiopien, lebt seit drei Jahren in Deutschland und besucht die Maria-von-Linden-Schule in Heidenheim. Ein fünfmonatiges Praktikum als Krankenpfleger hat ihn überzeugt: Er möchte anderen Menschen helfen.

Vier Schulen sind beteiligt

Damit Kedir diesen Weg einschlagen kann, wird auch ihm geholfen, und zwar über das Projekt „Fit für den Abschluss“, das seit März dieses Jahres an vier Schulen im Landkreis Heidenheim umgesetzt wird: In Heidenheim nehmen die Maria-von-Linden-Schule, der Schulverbund im Heckental und die Technische Schule, in Herbrechtingen die Bibrisschule teil. Im Rahmen seiner Sommertour informierte sich nun auch Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha (Grüne) im Heidenheimer Landratsamt über das neue Projekt.

Das Programm richtet sich an neuzugewanderte Jugendliche unter 25 Jahren, die aufgrund ihrer Zuwanderungsgeschichte Schwierigkeiten haben, einen ersten Schulabschluss – in der Regel einen Hauptschulabschluss – zu erwerben. Die Zahl der ausländischen Kinder, die ohne einen Hauptschulabschluss die Schule verlassen habe sich von 2011 bis 2017 auf 21 Prozent verdoppelt, sagte der Erste Landesbeamte Peter Polta: „Hierbei aktiv zu werden und zu unterstützen, ist für uns ein Muss.“

Ziel des Landkreises ist es, junge Zugewanderte beim Schulabschluss und beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen, indem migrationsbedingte Nachteile ausgeglichen werden. Das geschieht auf freiwilliger Basis über eine ergänzende Lernbegleitung. Diese schließt sich an zwei Tagen an den regulären Unterricht an und kann durchaus intensiv sein, wie die syrische Schülerin Lana Ali, die ebenfalls die Maria-von-Linden-Schule besucht, beschrieb: „Wir haben manchmal vier oder fünf Stunden gelernt. Aber das hat geholfen.“

Fürs Leben lernen

Dabei gehen die Inhalte über Mathematik, Englisch und Deutsch hinaus, wie Lernbegleiterin Tugba Aydin erklärte: „Wir sprechen darüber, was die Schüler beschäftigt, aber auch darüber, warum es wichtig ist, pünktlich zu sein, den gegenüber ausreden zu lassen oder wie man sich in Konfliktsituationen verhält.“ Denn die Schüler sollen auch den Alltag und die Berufswelt in Deutschland verstehen, zudem Lerntechniken, Selbstorganisation und interkulturelle Kompetenz erlernen. Vorteilhaft sieht Aydin die 1:3- teils sogar 1:2-Betreuung: „Wir können so individuell auf die Schüler eingehen.“

40 Schüler aus zehn Ländern konnten 2019 an dem Förderprogramm teilnehmen. An der Maria-von-Linden-Schule beispielsweise haben von 16 geförderten Schülern 12 ihre angestrebten Abschlüsse – Hauptschulabschluss oder B1-Sprachniveau – erlangt. Zwei Drittel der zugewanderten Schüler der Technischen Schule haben bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche, drei machen mit der Mittleren Reife weiter. Allerdings wurden von den 19 Zugewanderten nur neun über das Programm gefördert.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Ich sehe solche Projekte als Hilfe zur Selbsthilfe“, sagte Lucha. So würden die Betroffenen Werkzeuge mitgegeben bekommen, um selbstständig leben zu können. Zudem ist ihm auch die europäische Idee wichtig: „Antidiskriminierung und Chancengleichheit sind wichtige Ziele.“

Ukrana Kedir hat sein Ziel, das B1-Sprachniveau, erreicht. „Die Lehrer haben uns sehr geholfen. Das freut mich sehr“, sagte er. Noch in diesem Jahr macht er ein zweites Praktikum. Diesmal in der Altenpflege. „Zum Schluss muss er auch Minister werden“, so Lucha und bezog sich damit auf seine eigene Karriere: Auch der 58-Jährige hat eine Ausbildung zum Krankenpfleger.

Geht das Förderprogramm 2020 in die nächste Runde?

„Fit für den Abschluss“ wird an der Maria-von-Linden-Schule und dem Schulverbund im Heckental von der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) Ostwürttemberg, an der Technischen Schule und der Bibrisschule von der Volkshochschule Heidenheim umgesetzt.

90 000 Euro kostet das Projekt 2019. Gefördert wird es mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), der 50 Prozent der Kosten übernimmt. Den Rest trägt der Landkreis Heidenheim, der das Projekt auch koordiniert. Verantwortlich sind hierbei Frank Neubert, Bildungskoordinator für Neuzugewanderte, und Verena Weiler, Teamkoordinatorin Integration und Ehrenamt.

ESF-Mittel müssen jährlich beantragt werden. Zum Jahresende endet das Projekt, der Landkreis muss für 2020 erneut einen Antrag stellen und das Projekt ausschreiben. „Wir sind drauf und dran, dass es weiter geht“, sagt Peter Polta. sga