Heidenheim / Sandra Gallbronner Der Kreis Heidenheim hat erstmals Projekte ausgezeichnet, die Menschen mit Handicap helfen, am Leben in der Gemeinschaft teilzuhaben. Eine Aktion sahnte gleich zwei Preise ab.

Premiere im Landratsamt: Erstmal verlieh der Landkreis Heidenheim den Inklusionspreis. Damit würdigt der Kreis Einzelpersonen, Gruppen sowie Organisationen, die sich für die Gleichstellung von Menschen und deren gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft einsetzen und Projekte ins Leben rufen, die sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung zusammenbringen. „Inklusion ist ein Gewinn für alle“, sagte Landrat Peter Polta bei der Preisverleihung. Dabei sei es wichtig, Barrieren bereits im frühen Stadium einzureißen. Passend dazu lautete das Motto „Inklusion von Anfang an. Los geht’s mit Dir!“

Bewertet wurden Projekte der beiden vergangenen Jahre oder Projekte, die in diesem Jahr starten. Der Inklusionspreis wurde in den Kategorien Ehrenamt und Hauptamt verliehen. Den Fokus legte die vierköpfige Jury bei ihrer Auswahl auf innovative Ansätze und erfolgversprechende Ideen. Wer das besonders gut umsetzt, dem winkte ein Sonderpreis.

Laufgruppe holt Sonderpreis

Gleich zwei Preise holte die Laufgruppe „Laufend Neues erleben“ der Leichtathletik-Abteilung der TSG Schnaitheim. Sie wurde nicht nur mit dem ersten Platz in der Kategorie Ehrenamt (500 Euro), sondern auch mit dem Sonderpreis (1000 Euro) ausgezeichnet. Seit März 2019 trainieren über das Laufprojekt Menschen mit geistiger sowie körperlicher Behinderung gemeinsam mit Menschen ohne Handicap für den Heidenheimer Stadtlauf. Corona-bedingt musste das Training in diesem Jahr jedoch abgesagt werden.

„Sport und Laufen vereint“, so Meinrad Schad, Vorstandsvorsitzender der Hanns-Voith-Stiftung, der den Sonderpreis verlieh. Zudem könnten durch den Lauftreff Selbstbewusstsein getankt und Freundschaften geschlossen werden. Einer der Läufer habe sich nun sogar für die Paralympics der deutschen Meisterschaften qualifizieren können, sagte Iris Mack, die Behindertenbeauftragte des Landkreises Heidenheim, die die Idee zum Inklusionspreis hatte.

Projekte, die das Zusammenwirken von Menschen mit und ohne Einschränkung im Fokus haben, sollen ausgezeichnet werden.

Sportlich ging es beim zweiten Platz im Bereich Ehrenamt weiter. Diesen belegte die Reitsportgemeinde Ugenhof mit dem Projekt „Reiten und Inklusion“. Hier können Reitfreunde mit Handicap am Vereinsleben teilhaben und gemeinsam mit nichtbehinderten Sportlern die Pferde kennenlernen, putzen, satten und reiten.

Den dritten Platz teilten sich zwei Projekte. Zum einen das inklusive Orchester „Schlagwerker“ aus Giengen, das bereits seit 13 Jahren musiziert und mittlerweile aus 14 Musikern mit unterschiedlichen Voraussetzungen besteht. Die Mitglieder stehen mit Herzblut auf der Bühne und nehmen eigene CDs auf. Zum anderen die Inklusive Theatergruppe des Vereins für therapeutisches Reiten Bolheim, das aktuell aus zehn Menschen mit sowie zehn Menschen ohne Behinderung besteht. Die Mitglieder können kreativ werden und über sich hinauswachsen. Schließlich finden regelmäßig Vorführungen statt.

Leichtathletik mit geistig behinderten Kindern

Platz vier ging an die Kooperation der Pistorius-Schule Herbrechtingen und der TSG Schnaitheim, über die es Schülern mit geistiger Behinderung erleichtert werden soll, am Training der „Kinderleichtathletik“ der TSG Schnaitheim teilzunehmen. Fünf Schüler mit geistiger Behinderung im Alter von acht bis zwölf Jahren üben sich dort im Laufen, Springen und Werfen. Auf dem fünften Platz folgte das Projekt „Inklusion bei Spiel und Spaß“ des Vereins „Freunde schaffen Freude“. Dabei verbringen Menschen mit und ohne Behinderung miteinander Zeit. Die Aktionen reichen von Theaterspielen über Discos, Gymnastikstunden bis zum Dischinger Faschingsumzug mit eigenem Wagen.

In der Kategorie Hauptamt konnte die private Investorengruppe ID&W GmbH mit „Wohnen am Schafbäumle“ überzeugen. Dabei handelt es sich um eine Wohnanlage in Sontheim mit 22 Apartments für Menschen mit und ohne Handicap. Ziel ist ein soziales Miteinander von Singles, Paaren, Familien und Rentnern in einer Art Mehrgenerationenhaus. Ein Gemeinschaftsraum und eine Gartenanlage soll die Bewohner zusammenbringen. Alle Wohnungen sind barrierefrei oder -arm. Der Erstbezug ist für Oktober geplant.

Inklusion in der Arbeitswelt

Auch Platz 2 ging nach Sontheim. In Kooperation mit der Lebenshilfe hat die Firma Röhm Anfang 2019 zwölf Menschen mit Behinderung eingestellt. Sie arbeiten nun gemeinsam mit Kollegen, die kein Handicap haben. Mit dem dritten Platz im Bereich Hauptamt wurde die Nikolauspflege Heidenheim gewürdigt. Die Stiftung bietet mit dem familienentlastenden Dienst unter anderem ein Ferienprogramm für Kinder mit und ohne Behinderung an.

Behinderung im Landkreis Heidenheim

7,2 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Heidenheim sind schwerbehindert. Etwa ein Drittel davon seien körperlich beeinträchtigt, so Iris Mack, Behindertenbeauftragte des Landkreises Heidenheim. Und sie hält fest, dass seelische Behinderungen, ausgelöst etwa durch Burn-out, immer mehr zunehmen.

Als schwerbehindert gelten Menschen mit einer Behinderung ab einem Grad von 50. In diesem Fall kann ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden. sga