In der evangelischen Pauluskirche nahmen am 1. Juni 2022 neben den Angehörigen der Familien Rogowski und Voith zahlreiche Repräsentanten aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Gesellschaft Abschied von einem Mann, der als hoch angesehener Unternehmensführer in der deutschen Industrie viel bewegt hat. Dr. Michael Rogowski, der frühere Voith-Konzernchef und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, war am 12. November 2021 überraschend im Alter von 82 Jahren verstorben. Hier die Trauerreden, die bei der Gedenkfeier gehalten wurden, im Wortlaut:

Dr. Toralf Haag, CEO Voith Group

Liebe Gabriele Rogowski, liebe Familie Rogowski, liebe Familie Voith, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Salomo, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir nehmen heute Abschied von einem ganz besonderen Menschen, Unternehmer und Bürger der Stadt Heidenheim: Dr. Michael Rogowski – bis 2000 Vorsitzender der Voith-Konzerngeschäftsführung, bis 2010 Vorsitzender unseres Aufsichtsrats und des Gesellschafterausschusses und bis zu seinem Tod Vorsitzender des Stiftungsrats der Hanns-Voith-Stiftung. Er war dem Unternehmen, dieser Stadt und der Familie Voith tief verbunden.

Mit diesem Festakt heute verneigen wir uns in großer Dankbarkeit vor ihm. Ein jüdisches Sprichwort sagt: „Denken über den Tod ist Denken über das Leben.“ Meine Damen und Herren, in diesem Sinne möchte ich heute an einige bedeutende Meilensteine im Wirken von Dr. Michael Rogowski erinnern und gemeinsam mit Ihnen seiner gedenken. Zwar habe ich während seiner aktiven Zeit bei Voith selbst nicht mit Michael Rogowski zusammengearbeitet – ich bin seit 2016 bei Voith. Ich hatte jedoch viele Gelegenheiten zum Austausch und konnte von seiner tiefen Kenntnis des Unternehmens und seinem Rat sehr profitieren. Liebe Gäste, die Augen der Menschen funkeln immer noch, wenn sie von ihm sprechen– das habe ich gerade heute wieder erlebt. Als ich ihn zum ersten Mal persönlich traf, spürte ich sofort, warum.

Ich habe Michael Rogowski als offenen, klugen und unglaublich charmanten Gesprächspartner erlebt. Er wusste über alles Bescheid, was das Unternehmen, unsere Mitarbeitenden, die Industrie, die Politik und die Welt bewegt. Und hatte zu allem eine dezidierte Meinung, die er leidenschaftlich vertrat. Es ging ein Strahlen von ihm aus – Selbstsicherheit und Souveränität verbunden mit großer Herzenswärme –, ohne dass er jemals laut und prahlerisch gewesen wäre. Das hatte er nicht nötig. Dabei hat Michael Rogowski sowohl für dieses Unternehmen als auch für die deutsche Industrie und unsere Stadt so viel Gutes getan, so viel bewegt. Es ist also keine Wunder, dass alle seine Weggefährten, ja selbst seine Opponenten, heute noch von ihm schwärmen und voll des Lobes sind. Nach seinem Lebensmotto gefragt, hat er drei Themen benannt, die konstant wie ein dicker roter Faden sein Handeln bestimmt haben: Veränderung, Bewegung und Teamwork. Diese drei Stränge sind miteinander verwoben, bedingen sich gegenseitig. Wer sich verändern will, muss sich bewegen. Und die ganz großen Veränderungen sind nur mit vereinten Kräften, also im Team zu meistern. Verändern und bewegen – gemeinsam mit anderen. Das hat Michael Rogowski Zeit seines Lebens getan. Dabei hat er sich von Werten leiten lassen und große Werte für das Unternehmen geschaffen.

Michael Rogowski hat in verschiedenen Positionen die Geschicke des Unternehmens fast 35 Jahre lang gelenkt. Wir verdanken ihm, dass Voith starke Stürme überlebte und die heutige Größe und Reputation hat. Auch der Stadt Heidenheim hat er mit seinem Engagement für Kunst, Kultur und Sport mehr Glanz verliehen. Sprechen wir darüber, welche großen Veränderungen Michael Rogowski angestoßen und gestaltet hat.

Als er 1974 bei Voith anheuerte, führte Hugo Rupf dieses Unternehmen. Rogowski kam vom amerikanischen Nähmaschinenhersteller Singer, weshalb einige ihn zunächst scherzhaft den Nähmaschinen-Fritzen nannten. Aber er hat die Kolleginnen und Kollegen durch seine Leistungen und seine Art schnell für sich eingenommen. Auch der Vorsitzende Rupf erkannte früh das Talent des jungen Rogowski. Schon 1976 wurde Michael Rogowski zunächst zum stellvertretenden Geschäftsführer und nur zwei Jahre später zum ordentlichen Geschäftsführer für Personal und Sozialwesen bestellt. Wie unterschiedlich Rupf und Rogowski tickten und welche Kulturrevolution Michael Rogowski später initiierte, wurde in einer legendären Geschäftsführungssitzung deutlich. In besagter Sitzung kam Rupf wie üblich mit seinem selbstbeschriebenen Handzettel, um den Anwesenden die aktuellen Umsatz- und Ertragszahlen des Unternehmens vorzustellen. Rogowski nahm einen Stift und wollte sich Notizen machen. Rupf sah ihn scharf an und fragte: „Was machen Sie da? Hören Sie auf damit. Die Zahlen gibt es nur mündlich.“ Rupf jedoch schätzte den neugierigen, offenen, und gradlinigen Rogowski sehr und erkannte schon bald sein Potenzial als möglichen Nachfolger. Schließlich gab Rupf das Zepter an Rogowski ab – allerdings ohne sich selbst vollständig zurückzuziehen. Rupf behielt noch bis zu seinem Tod ein Büro auf dem Werksgelände und war Rogowski ein väterlicher Ratgeber. Meine Damen und Herren, dass Michael Rogowski 1986 schließlich als Sprecher der Geschäftsführung das Ruder übernommen hat, war in der Hinsicht ungewöhnlich, weil Rogowski zwar an der Universität Karlsruhe Wirtschaftsingenieur studiert hatte, aber weder Ingenieur im klassischen Sinne war noch aus dem Finanzbereich kam. Er war Personaler. Das war jedoch ein Glücksfall für das Unternehmen. Denn Rogowski brachte ein völlig anderes Verständnis von Führung und Kommunikation mit, was gerade für die Jahre der Transformation erfolgsentscheidend war. Dazu später mehr.

Als Voith-Chef musste Michael Rogowski bereits in den ersten Jahren einige Eisberge umschiffen. Das Familienunternehmen Voith drohte Ende der 1980er Jahre im Streit zwischen den Familienstämmen Hanns Voith und Herrmann Voith zu zerreißen. Ein Trupp rund um den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Michael Rogowski, und Professor Hermut Kormann, dem damaligen CFO, kämpfte mit vereinten Kräften dafür, das Unternehmen mit seinem Kerngeschäft zu erhalten. Sie verhandelten einen Kompromiss zwischen den Stämmen, der 1992 schließlich zur Realteilung des Unternehmens führte. Meine Damen und Herren, so viel ist klar: Ohne diese strategische Meisterleistung gäbe es das Unternehmen Voith in der heutigen Form nicht mehr. Nicht nur die Familie Hanns Voith sondern auch die Voithianer haben es Michael Rogowski zu verdanken, dass wir heute hier stehen – er hat um Voith gekämpft wie ein Löwe! Befreit vom lähmenden Streit der Familienstämme hat Michael Rogowski in den Folgejahren mit Mut und Weitsicht die Internationalisierung und Diversifikation des Unternehmens vorangetrieben. Voith expandierte in die USA und auf den asiatischen Markt, mit Schwerpunkt China.

Michael Rogowski war dafür bekannt, dass er bei großen Aufträgen dem Verhandlungsteam zur Seite stand und bei Besuchen von Top-Kunden gerne auch persönlich bis tief in die Nacht mit verhandelt hat – etwas, das sicherlich ausschlaggebend für so manchen Zuschlag war. Mit klugen Akquisitionenstärkte Michael Rogowski die Wettbewerbsposition des Unternehmens. So verhandelte er mit großem Geschick, dass Voith und der Schweizer Sulzer-Konzern ihre Papiergeschäfte bündelten. 1998 übernahm Voith dann die Anteile von Sulzer. 1999 folgte die Übernahme des britischen Unternehmens Scapa, das Verschleißteile für Papiermaschinen herstellte. Das war eine intelligente Ergänzung für das Geschäft von Voith. Denn dies ließ uns unabhängiger von den Zyklen des Großanlagenbaus werden. Rogowski fädelte auch das Joint Venture Voith Siemens Hydro Power Generation ein und baute so die Marktposition in der Wasserkraft weiter aus. Internationalisierung, Akquisitionen und Diversifikation machten Veränderungen im Unternehmen notwendig. Voith war noch unter Hugo Rupf klassisch horizontal strukturiert, u. a. in die Bereiche Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Rogowski führte die Spartenorganisation ein, um den Geschäftsbereichen Paper, Hydro und Turbo mehr unternehmerische Freiheit zu geben. Wie gut diese Entscheidung war, beweist die Entwicklung der Umsatz- und Ertragszahlen, die signifikant gesteigert wurden. Meine Damen und Herren, ich behaupte, dass diese großen Veränderungen mit einem autoritären Führungsstil zum Scheitern verurteilt gewesen wären. Michael Rogowski hat Voith zu einem großen - international erfolgreichen Konzern ausgebaut. Und er hat erkannt, dass dies nur mit einem umfassenden Kulturwandel und einer neuen Führungskultur gelingen konnte. Er hat daher im Wortsinne das Unternehmen bewegt – seine zweite Maxime. Er führte dafür den Managementansatz „Führen durch Ziele“ bei Voith ein. Er zeigte Visionen auf, sagte, wohin die Reise gehen sollte, beschrieb den Weg dorthin und die einzelnen Etappen. Um alle mitzunehmen. Um sie zu bewegen. Voraussetzung dafür, dass „Führen durch Ziele“ oder „Management by Objectives“ funktionieren kann, ist, dass für das gesamte Unternehmen, alle Geschäftsbereiche und Mitarbeitende klare Ziele definiert werden.

Dies war in dem ingenieursgetriebenen Unternehmen Voith ein völliges Novum – verkauften sich in der Nachkriegszeit doch die Maschinen und Turbinen noch von selbst. Damit alle Führungskräfte im Unternehmen den neuen Stil verinnerlichten, hat Rogowski erstmals Seminare für sie eingeführt. Das fanden einige der alten Haudegen zunächst 9 von 12 befremdlich. „Totaler Unsinn, jeder weiß doch was er zu tun hat“, sagte manch einer. Und dann, nachdem er ein Seminar besucht hatte:„ Ach, so schlimm war es gar nicht.“ Rogowski lebte es vor, und sie folgten ihm. Die Führungsmannschaft pflegte einen offenen, wertschätzenden, motivierenden Umgang untereinander und mit den Mitarbeitenden. Sie bewegten sich und konnten so auch ihre Teams dazu bewegen, die Veränderung mitzutragen.

Meine Damen und Herren, Michael Rogowski hielt nichts davon, Herrschaftswissen zu verwalten. Vielmehr setzte er auf Transparenz und Teamwork. Er verstand unter ethischer Unternehmensführung wahrhaftig, offen, glaubwürdig zu sein. Seine Kollegen in der Geschäftsführung und auch die Mitarbeitenden sollten seine Entscheidungen nachvollziehen können. Er war überzeugt davon, dass sie ihm folgen würden, wenn sie verstünden, warum was passieren muss. Und sie folgten ihm. Gern sogar. Unter seiner Führung wurden die legendären Strategiesitzungen in der Abtei Neresheim abgehalten. Er kam mit keinem handgeschriebenen Zettel, dessen Inhalte und Implikationen nur er allein kannte. Vielmehr ließ er Daten und Fakten für alle Anwesenden aufbereiten, diskutierte mit seinen Kollegen, bezog sie bei seinen Entscheidungen ein. Meine Damen und Herren, bei allem persönlichen und unternehmerischen Erfolg verlor Michael Rogowski nie die Bodenhaftung. Den Mitarbeitenden begegnete er immer auf Augenhöhe. Als ein Mitarbeiter mit Verweis auf seinen, für schwäbische Ohren, ungewöhnlichen Namen einmal zu ihm sagte, er sei doch gar nicht von hier, antwortete er mit einem Lachen: „Rogowski heißt übersetzt auf Schwäbisch Häberle.“ Damit wollte er deutlich machen, dass er sich als einer von ihnen sah. Weil er den Mitarbeitenden zuhörte und ihre Belange ernst nahm, hatte er auch ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat. Auch wenn er sich während der Transformation, die mit schmerzhaften Personalentscheidungen verbunden war, so manches hitzige Wortgefecht mit dem Heidenheimer Gewerkschafter Eugen Loderer lieferte.

Diejenigen, die es erlebt haben, sprechen heute noch von legendären Betriebsversammlungen: der Bezirksleiter der Gewerkschaft machte lautstark Stimmung gegen die Unternehmensleitung. Aber Rogowski ließ sich nicht niederbrüllen, er stieg immer wieder in den Ring, hielt dagegen. Er argumentierte leidenschaftlich. Und bekam am Ende genauso viel Applaus wie der Gewerkschaftsführer. Die Männer stritten in der Sache unerbittlich, setzten sich danach aber auch wieder zusammen. Rogowski konnte in der Sache hart sein, mit den Menschen ging er immer fair um.

Liebe Gäste, die Mitarbeitenden lagen Michael Rogowski am Herzen und er verstand sich auch als ihr Mitbürgerin der Stadt Heidenheim. Er engagierte sich ehrenamtlich, bis zuletzt auch als Vorsitzender des Stiftungsrats der Hanns Voith Stiftung. Und er sah das Unternehmen in der Verantwortung, ja, in der Pflicht, mit erwirtschafteten Gewinnen Gutes zu tun, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Heidenheim erkannte sein Engagement für die Stadt an und ernannte ihn 2004 zum Ehrenbürger. Dies war nicht die einzige Ehrung, die er für seine Leistungen für die Gesellschaft und die Industrie erhalten hat, ich möchte hier nur stellvertretend das Bundesverdienstkreuz oder seine Auszeichnung für die Verdienste um die deutsch[1]japanischen Wirtschaftsbeziehungen, nennen.

Meine Damen und Herren, Teamwork war für Michael Rogowski nicht nur im Führungskreis des Unternehmens wichtig. Er bildete auch mit seiner Ehefrau Gabriele ein unschlagbares Team. Sie war ihm eine Gefährtin im besten Sinne des Wortes, eine Wegbegleiterin in guten und schlechten Zeiten, die ihn auch in seiner Rolle als Voith-Chef stark unterstützt hat: sei es durch Besuche am Krankenbett eines Voithianers, durch ihr gesellschaftliches Engagement in der Region oder bei der Repräsentation des Unternehmens nach innen und außen.

Gabriele, Du warst immer an seiner Seite und hast dazu beigetragen, dass Michael solch eine Identifikationsfigur für alle Voithianer geworden ist. Wir alle hier vermissen ihn – aber in Deinem Leben, liebe Gabriele, hinterlässt er die größte Lücke. Heute hättet Ihr Euren 60. Hochzeitstag gefeiert. Trost kann einzig der Gedanke spenden, dass es für uns alle ein Geschenkwar, jemanden wie Deinen Mann gekannt, mit ihm Erlebnisse geteilt zu haben. Jeder, der ihm begegnete, hat ein wenig von seinem Strahlen mitbekommen. Seine zugewandte, zupackende Art hat uns eine positive Energie gegeben. Es war sein Anspruch, stets einen kühlen Kopf zu bewahren und ein warmes Herz. Beides ist ihm gelungen. Sein kühler Kopf und seine Herzenswärme fehlen uns sehr.

Meine Damen und Herren, liebe Gabriele Rogowski, Michael Rogowski hat das Unternehmen und diese Stadt verändert und bewegt. Und er hat uns alle auf diesem Weg mitgenommen. Ich möchte mit dem Zitat eines Autors schließen, den er sehr schätzte. Harari schreibt in seinem Buch „Sapiens“: „Kontinuität ist das Spielfeld stumpfer Geister.“ Auch Michael Rogowski würde uns für die Zukunft wohl mit auf den Weg geben: „Bleibt in Bewegung, verändert euch. Und tut es zusammen.“ Lassen Sie uns seinen Weg weitergehen. Er wird uns immer begleiten.

Michael Salomo, Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim

Sehr verehrte Frau Rogowski, sehr verehrte Angehörige unseres verstorbenen Ehrenbürgers Dr. Michael Rogowski, sehr geehrte Trauergäste,

vor fünf Jahren wurde die neue Stadtbibliothek eingeweiht. Im damals dritten Exemplar unseres bis zum letzten Blatt vollgeschriebenen Goldenen Buchs hätte dieses Ereignis jedoch keinen Platz mehr gefunden. Mit unserem Ehrenbürger Michael Rogowski vorneweg entschlossen sich die Träger des Ehrenrings, ein neues Goldenes Buch zu stiften. In diesem neu aufgelegten Goldenen Buch hat sich Michael Rogowski auf der ersten Seite eingetragen; über alle Zeitläufe hinweg ist ihm dieser erste Platz sicher.

Die Zahl vier unserer Goldenen Bücher erinnert an jene vier klassischen Tugenden, von Platon nach antiker Tradition überliefert: Tapferkeit, Gerechtigkeit, Besonnenheit und Weisheit. In jeder dieser Tugenden hat es Michael Rogowski zu Meisterschaft gebracht. Mutig, rechtschaffen und weise war er ohne jede Frage. Zugleich erinnern wir uns an einen neugierigen, begeisterungsfähigen und entschlussfreudigen Menschen, dem es nicht leicht gefallen sein dürfte, sich auch noch in der Tugend der Besonnenheit zu üben. Doch auch die Auflösung dieses Dilemmas ist Michael Rogowski gelungen, darin dem von ihm verehrten Johann Wolfgang von Goethe folgend. Dieser schrieb in seiner Hymne an „Das Göttliche“: „Der edle Mensch sei hilfreich und gut! Unermüdet schaff er das Nützliche, Rechte. Sei uns ein Vorbild jener geahneten Wesen!“

Nun steht Michael Rogowski nicht nur auf der ersten Seite des Goldenen Buchs. Als unser Ehrenbürger hat er diesen Platz auch im kollektiven Gedächtnis unserer Stadt und in den Herzen der Menschen. Er war ein Mensch, dessen Reputation auch mich schon vor meiner Zeit als Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim erreicht hat. Mein erstes Zusammentreffen mit Michael Rogowski hat mich tief beeindruckt. Ich durfte einen Menschen kennenlernen, der so bemerkenswert viel in seinem Leben erreicht hat. Der sich gemeinsam mit seiner Gattin Gabriele allein für Kunst und Kultur in unserer Stadt und in der Region vielfach verdient gemacht hat: Denken wir an das gemeinsame Engagement des Ehepaars Rogowski für die Opernfestspiele; jenes für unser Kunstmuseum; oder jenes für den Archäopark bei Niederstotzingen und vieles mehr. Schon das für sich genommen ist alles andere als selbstverständlich – dafür gebührt ihm der Dank aller Menschen in Heidenheim

Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Waldfriedhof, und damit wurde Heidenheim endgültig zu seiner Heimaterde. Liebe Frau Rogowski, es gereicht unserer Stadt zur Ehre, wie Sie selbst und Ihr verstorbener Gatte Heidenheim zu ihrer Heimat werden ließen. Gemeinsam gingen Sie durch ein erfülltes Leben, sind weit gereist und haben viel gesehen. Stets rangen Sie gemeinsam um die richtigen Entscheidungen: für sich selbst und die Familie, für das Unternehmen und damit für dessen Beschäftigte, Kunden und Gesellschafter, für Verbände und Organisationen, vor allem aber für Heidenheim! Daher ist und bleibt es eine Auszeichnung für unsere Stadt, dass Sie uns auch in Ruhestand und Lebensabend die Treue hielten.

Zahlreiche bedeutende Institutionen wie die Universität Tübingen oder ganze Staaten wie Japan oder Deutschland würdigten die Verdienste des Verstorbenen mit ihren jeweils höchsten Auszeichnungen. Anstatt alle Orden und Ehrungen aufzuzählen, anerkennen wir sein Lebenswerk am besten dadurch, indem wir uns in dieser Gedenkstunde vornehmen, Michael Rogowski nachzueifern. Vordenker mit Weitblick, Sinnsucher mit Tiefgang, Helfer mit Herz, Schaffer mit Ausdauer, Bürger mit Gemeinsinn – wer solche Eigenschaften in sich entdeckt, möge sich an Michael Rogowski erinnern und ihm dadurch die Ehre erweisen, die wir ihm alle schulden und die ich namens des Gemeinderats, der Stadtverwaltung und der ganzen Stadt Heidenheim überbringen darf.

Dem Ehrenbürger und Freund unserer Stadt werden wir auf immer ein Andenken bewahren!

Karl Haeusgen, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

Liebe Familie Rogowski, liebe Trauergäste,

Freiheit…

Nichts hat uns als Unternehmer so sehr mit Dr. Michael Rogowski verbunden, wie sein unermüdlicher Einsatz für die unternehmerische Freiheit – aber auch für die Freiheit des Einzelnen; die Freiheit, Entscheidungen zu treffen und für die eigenen Überzeugungen einzustehen.

Dr. Rogowski hatte immer einen klaren Kompass als Unternehmer und als Mensch und genau das machte ihn auch an der Spitze der Industrieverbände VDMA und BDI zu einem herausragenden Vertreter unserer Zunft. Deswegen haben ihn die VDMA-Mitglieder im Jahr 2004 auch zum Ehrenmitglied unseres Verbandes ernannt.

Bei meiner ersten Begegnung mit Michael Rogowski war ich noch ein junger Kerl. Mein Vater nahm mich seinerzeit mit zu meiner allerersten VDMA-Veranstaltung im Hotel Bayerischer Hof in München. Ehrengast und Hauptredner an diesem Abend war Herr Dr. Rogowski, zu diesem Zeitpunkt VDMA-Präsident. Und ich weiß noch, wie beeindruckt ich am Ende dieses Abends war: Von seiner Überzeugungskraft und seinem Willen, unsere Branche gut zu repräsentieren und für unsere Belange zu kämpfen. Deshalb erfüllt es mich mit großem Respekt vor seiner Person und auch mit ein wenig Stolz, dass ich viele Jahre später seine Nachfolge im Amt des VDMA-Präsidenten antreten durfte.

Ich bin mir sicher, dass ich nur einer von vielen Menschen bin, die Herr Dr. Rogowski in seiner Zeit als VDMA- und BDI-Präsident positiv beeinflusst hat. Am 13. Oktober 1995 wurde er in Stuttgart zum VDMA-Präsidenten gewählt und bereits damals sagte er in seiner Antrittsrede Sätze, die bis heute nachhallen. Etwa, dass der Maschinenbau den Wandel kontinuierlich mit neuen Techniken gestaltet. Dass der Maschinenbau maßgeblich dazu beiträgt, mit der Umwelt schonender umzugehen. Und dass der Weltmarkt für unsere Industrie ebenso wichtig ist, wie die Verbundenheit zum heimischen Standort. Ich darf Herrn Dr. Rogowski hier wörtlich zitieren: „Anlass zum Umbruch besteht nicht, Anlass zum Aufbruch besteht immer.“

Hauptgeschäftsführung

Aufbruch – das war für ihn das Leitbild des freiheitlich denkenden und marktwirtschaftlich handelnden Unternehmers, der den strukturellen Wandel selbst gestalten will, statt ihn sich von außen vorschreiben zu lassen.

Uns allen wird Herrn Dr. Rogowskis unnachgiebiger Einsatz für mehr Freiheit für Unternehmen in Erinnerung bleiben. Er hat sich unermüdlich und mit klaren Worten für einen Staat ausgesprochen, der jedem Menschen Freiheit, aber auch Eigenverantwortung für persönliche und unternehmerische Entfaltung lässt.

Eines der Kernanliegen von Herrn Dr. Rogowski während seiner BDI-Amtszeit war daher auch die Deregulierung des Arbeitsmarkts. Er plädierte für einen Arbeitsmarkt, in dem sich Interessen von Beschäftigten und Unternehmern zusammenfinden zur gemeinsamen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie.

Vielen von uns in Erinnerung geblieben sind hier natürlich die drei europäischen Seeadler, die der BDI im Rahmen eines Reformkongresses im September 2003 als Zeichen der Entfesselung in einem Saal fliegen ließ. Die Adler sollten auf den Armen von Herrn Dr. Rogowski, dem damaligen EU-Parlamentschef Cox und der damaligen CDU-Vorsitzenden Angela Merkel landen. Bei Herrn Dr. Rogowski und Parlamentspräsident Cox hat das funktioniert. Der Adler, der auf Frau Merkels Arm landen sollte, hat hingegen das Weite gesucht und sich im Dach verkrochen. Er wusste wohl, dass er mit diesem Thema nicht bei Frau Merkel „landen“ kann. Und Frau Merkel war‘s am Ende wohl auch recht.

Herr Dr. Rogowski hat seine Forderungen, auch wenn sie gegen den Mainstream waren, immer offen und direkt angesprochen und ist dabei nicht vor Widerständen zurückgeschreckt. Das habe ich immer sehr an ihm bewundert und mir auch zum Vorbild für meine Amtszeit als VDMA-Präsident genommen.

Wir haben mit ihm einen leidenschaftlichen Unternehmer, aber auch einen guten Freund und Menschen mit großem Herzen für seine Branche verloren und werden uns immer in Dankbarkeit an ihn erinnern. Wir werden Sie vermissen, lieber Herr Dr. Rogowski.

Alexander Rogowski, Sohn

Verehrte Gäste der Gedenkfeier, Ich darf mich im Namen der Familie bei all den Menschen bedanken, die heute Michael Rogowskis gedenken: Bei Angela Voith, Dr. Toralf Haag, Herrn Oberbürgermeister Michael Salomo und Herrn VDMA-Präsident Karl Haeusgen, der Organistin Frau Dörte-Maria Packeiser, den Musikern des Barbican Quartetts und dem Bratschisten Christoph Vandory sowie unseren zahlreichen Gästen.

Mein Dank gilt auch den vielen Menschen, die in ihren Kondolenzschreiben auf sehr persönliche, sehr wertschätzende Art ihre Verbundenheit mit meinem Vater und ihr Mitgefühl für die Familie zum Ausdruck gebracht haben.

Nochmals herzlichen Dank auch an Prof. Brinkmann und sein intensivmedizinisches Team für die anteilnehmende und einfühlsame Pflege. Wir konnten am Sterbebett sein, wir haben um unseren geliebten Mann, Vater und Opa geweint und letzte Worte an ihn gerichtet - wahrlich keine Selbstverständlichkeit in Zeiten von Corona.

Zuletzt darf ich mich bei meiner Mutter bedanken, die unter Aufbringung ihrer letzten Kräfte eine Trauerfeier Anfang Dezember organisierte, deren stille Schönheit und Würde mir unvergesslich bleiben wird und die mein Leben sehr bereichert hat.

Was bleibt für uns, die Familie, die wir Michael Rogowski in Liebe verbunden sind? Wiederum der Dank! Dankbarkeit dafür, einen Menschen von so großer Art, einen inspirierenden Menschen an unserer Seite gehabt zu haben. Du hast uns, lieber Papa, aber nicht nur uns, sehr viel gegeben.

In einem Kondolenzschreiben eines Voithianers steht geschrieben: „Sehr geehrte Frau Rogowski, ich möchte ihnen mein Beileid zum Tode Ihres Mannes zum Ausdruck bringen. Erst vor wenigen Tagen traf ich ihn in Heidenheim auf dem Wochenmarkt. Wir sprachen nur kurz, aber es war wie immer: Danach ging es mir besser.“

Dankbarkeit aber auch für die Erfahrung, dass für uns nicht nur die Erinnerung an Michael Rogowski bleibt. Erinnerung verblasst - an ihr nagt der Zahn der Zeit. Doch die Liebe, die Liebe bleibt. Sie überdauert das Alltägliche, sie verwandelt den Schmerz und die Trauer und sie lässt Neues entstehen. Denn im Herzen, da waren wir verbunden, da sind wir verbunden, da werden wir verbunden bleiben.

So darf ich heute mit den Worten von Thornton Wilder aus dem Roman „Die Brücke von Saint Luis Rey“ enden, die den Grabstein meines Vaters schmücken: „Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten, und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe - das einzig Bleibende und der einzige Sinn.“

Angela Voith

Liebe Gabriele, liebe Familie Rogowski, liebe Tauergemeinde,

unser letztes Treffen mit Michael Rogowski war im Eisenhof mit Gabriele Rogowski bei einem schönen Abendessen.

Wie immer war es ein heiterer und interessanter Abend, wo wir alle Themen der Welt besprechen konnten. Dies war unser letztes Treffen. Im Nachhinein wird mir noch mehr deutlich, wie wertvoll jeder Moment im Leben sein kann und wie dankbar ich dafür bin, diese bereichernden Begegnungen mit Michael gehabt zu haben.

Es gibt sehr viele Dinge, die mich mit Michael verbinden:

Unsere Geschicke kreuzten sich oft, da Michael bereits 1974 bei Voith seine Laufbahn begann. Daraus entwickelte sich eine lange und erfolgreiche Zeit.

Michael war ein brillanter Manager, aber er war zugleich ein Voithianer, der sich wahrlich ganz Voith verschrieben hatte.

Mein Vater Hanns Voith hatte nach dem Krieg die Geschicke der Firma geleitet und holte sich an seine Seite den genialen Hugo Rupf. Für Hugo wurde Michael ein Ziehsohn, der er voll vertraute.

Sehr schmerzlich war für beide die sog. Realteilung der Inhaberfamilie in den 90er Jahren. Für unseren Michael hieß das – jetzt erst recht! – und es gelang ihm in den Folgejahren Voith wieder zu einem erfolgreichen und weltumfassenden Konzern umzuformen.

Als dann sein Vorbild Hugo Rupf verstarb, zog der mit Dir, liebe Gabriele, sogar in das Haus von Hugo. Es liegt wie ein Wächterhaus an der Pforte von Voith. Das sagt so viel aus, über die Liebe von Michael zu den Menschen von Voith, ja dem ganzen Unternehmen.

Durch sein großartiges Gedächtnis wusste er um die Geschicke der Mitarbeiter, kannte ihre Sorgen und Freuden. Diese liebevolle Zuwendung schenkte er auch allen meinen Verwandten in der großen Voith-Familie.

Michael ist an dem Tag gestorben, an dem wir die Vergabe der Stiftungspreise der Hanns-Voith-Stiftung feierten. Diese Vergabe der Stiftungspreise war seine Idee gewesen und hat viele junge Talente motiviert. Er war Vorsitzender unserer Stiftung und hat auch hier maßgeblich Gutes für die Menschen in und um Heidenheim getan. Die Firma und die Region ist mit dem Wirken von Michael verbunden und hat ihm viel zu verdanken.

Ich glaube, meine Erfahrungen und Eindrücke mit Michael können viele Menschen aus eigenen Erfahrungen bestätigen: Michael hat sich jedem und allem mit vollstem Herzen und Einsatz gewidmet. Er war klug, weitsichtig und humorvoll.

Er war anspruchsvoll, aber auch gütig. So entwickelte sich über die Jahre für mich mit ihm und Gabriele eine wundervolle Freundschaft. Ich vermisse Michael sehr!

Liebe Familie Rogowski, liebe Gabriele,

Ihr könnt Euch wahrlich glücklich schätzen, einen so liebevollen großartigen Ehemann, Vater und Großvater erlebt zu haben. Die Trauer wiegt im Moment noch schwer, doch das Schöne und Bedeutende von Michael wird Euch und uns immer begleiten und stärken.

Heidenheim