Heidenheim / Günter TRittner Ein Bänkle am Wedelbüble – dieser Wunsch konnte inzwischen erfüllt werden. Auf eine Anerkennung als Partnerschule des Sports muss am Max-Planck-Gymnasium weiter gewartet werden: Beide so divergierenden Vorschläge entstammen einem Bündel von 169 Handlungsempfehlungen, welche Heidenheimer Bürger im Rahmen des Werkstadt-Prozesses erarbeitet haben.

Im Oktober 2011 hatten sich auf Einladung von Oberbürgermeister Bernhard Ilg rund 300 Bürger im Congress-Centrum getroffen, um zwei Tage frei darüber zu sprechen, wie man es gerne und was man gerne in Heidenheim hätte. 120 Themenfelder wurden bei der Werkstadt getauften Veranstaltung benannt, welche zu einem guten Dutzend Schwerpunktthemen verdichtet wurden. 14 Fokusgruppen wandten sich schließlich der Detailarbeit zu, welche nach 18 Monaten in eine umfangreiche Dokumentation mündete. Schon damals im Juli 2013 hatte man schon einige „Ernten“ eingefahren und Oberbürgermeister Ilg zeigte sich sehr dankbar für das Miteinander, für die ehrlichen und konstruktiven Vorschläge und die unkonventionelle Denkweise der Werkstadt-Teilnehmer. „Die Werkstadt ist für mich zu einem geglückten Demokratie-Instrument geworden.“

Was bereits umgesetzt ist, was sich in der Umsetzung befindet und was momentan nicht möglich ist, erläutert die Stadtverwaltung seither in regelmäßigen Zwischenberichten, welche den Stadträten vorgelegt und auf der Homepage der Stadt unter dem Stichwort Leben allgemein eingesehen werden können. Diese Art Transparenz war von Beginn an Prinzip der Werkstadt-Arbeit gewesen.

Der letzte Zwischenbericht „wie wir in Zukunft Stadt sein wollen“, datiert auf den Dezember 2014, der nächste wird von Birgit Baumann, der persönlichen Referentin des Oberbürgermeisters, welche das Verfahren weiter begleitet, für Dezember 2015 zugesichert.

Brenz für Jung und Alt war den Werkstadt-Teilnehmern das wichtigste Themenfeld gewesen, an zweiter Stelle rangierte Heidenheim als Hochschulstadt und danach folgte die Gestaltung der öffentlichen Plätze in der Stadt. Aber auch zu Verkehrsfragen, Integration, Energieautarkie oder die Einschränkung des Landverbrauchs hatten sich eigene Fokusgruppen gebildet.

Der jüngst erst dem Gemeinderat vorgelegte Radverkehrsentwicklungsplan ist auch eine Frucht der einschlägigen Fokusgruppe, deren Vorschläge, so Baumann, darin berücksichtigt worden seien. „Derzeit werden beispielsweise schrittweise im Stadtgebiet weitere Fahrradbügel installiert.“

Nach dem Bänkle beim Wedelbüble, das nach Einschätzung von Baumann gut angenommen wird, soll es noch dieses Jahr neue Pflanzkübel für den Wedelgraben und den Kleinen Schlossplatz an der Hinteren Gasse geben. Wegen Pflasterarbeiten an der Grabenstraße komme es aber zu Verzögerungen. Die neuen Kübel werden auch zu den Bänken passen, welche 2016 folgen.

Nach Auffassung von Baumann sind die noch ausstehenden Handlungsempfehlungen aus den Fokusgruppen meist komplexere Wünsche, welche in Zusammenhang und Abhängigkeit mit anderen Vorhaben stehen. Dies betrifft auch den Brenzstrand, die letzte noch nicht umgesetzte Idee der Fokusgruppe „Brenz für Jung und Alt“. Aber auch wenn die Brenz keine Badewasserqualität und zudem die Gewässerdirektion das Sagen habe, suche man mit den Behörden eine Lösung. Das Empfehlungsbuch vom Juli 2013 bleibe eine stete Lektüre, versichert Baumann.

In Summe waren laut letztem Zwischenbericht der Stadt von den 169 Vorschlägen der Fokusgruppen 48 erledigt, 66 in Bearbeitung und 55 noch im Wartestand mit der Bemerkung „geht momentan nicht“.

Als Erfolge der Fokusgruppen führt Baumann beispielsweise den Umbau des Brenzufers nach den Vorstellungen der einschlägigen Fokusgruppe an, die verstärkte Werbung für Heidenheim als Hochschulstadt, die Aufstellung von Bänken, Pflanzkübeln und Stelen, die Kooperation mit der Volkshochschule Steinheim, Kurse für Kinder und Jugendliche zu Energieeffizienz, regenerativen Energien und umweltneutralen Lebens- und Wirtschaftsformen, die Neuauflage des Kids-Plans und den Flyer zur Netten Toilette, der dieser Tage erschienen ist.

Mit der Inbetriebnahme des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FCH war auch die Genehmigung für das MPG als Partnerschule des DFB in Aussicht gestellt worden. Inzwischen zeigt sich für Baumann, dass dies ein „hartes Verhandlungsbrot“ ist.

Ebenfalls Partnerschule des Sports soll das Schulzentrum West werden. In beiden Schulen soll für Nachwuchstalente im Fußball und im Fechten der Unterricht zeitlich so angepasst werden, dass sie gleichzeitig professionell trainieren können.