Heidenheim / Manfred Allenhöfer Auch im Naturtheater ist jetzt bereits beschlossen, was die nächste Saison, also die Spielzeit 2014, bringen soll. Nach drei Jahren, in denen Stücke, die Verfilmungen mit Lilo Pulver bekannt und wenigstens als Titel unvergesslich gemacht haben, geht's nun in eine ganz andere Richtung.

Nächstes Jahr kommen die „Blues Brothers“ ins Naturtheater. Das Stück wurde nicht bewusst gewählt, um die Zielgruppe zu verjüngen. Aber dass „was Anderes“ kommt, ist der Naturtheater-Vorsitzenden Helga Banz auch nicht ungelegen. Sie erwartet ein „tolles Erlebnis“ auf der großen Bühne, auf der auch eine Bluesband live aktiv werden soll. „Das passt gut ins Naturtheater“, meint Banz, der auch wichtig ist, dass das Drumherum stimmt. „Dass etwa das Bühnenbild auch mit dem anderen Stück für 2014 harmoniert –aber das kriegen wir gestemmt“, meint Banz, die deswegen auch schon mit Bühnenbildner Christian Horn Kontakt aufgenommen hat.

Regie bei den „Blues Brothers“ führt ein Viererteam, das aus bewährten Kräften des Naturtheaters besteht, wohl weitgehend gleichberechtigt agiert und deshalb in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet sei. Da ist Sonja Fritz, die Modedesignerin ist und seit 2006 im Naturtheater aktiv. Sie leitet die Schneiderei und ist für die Kostümentwürfe und deren Umsetzung zuständig. Sie spielte auch schon einige meist eher kleinere Rollen; Regieerfahrung besitzt sie bereits durch ihre Arbeit etwa an „Charlys Tante“, „Ein seltsames Paar“ oder den Gestiefelten Kater.

Mit dabei ist weiter Christoph Harkai, der seit 1996 im Naturtheater engagiert ist – auf verschiedenen Ebenen. Zum Beispiel als Schauspieler (Alfred, Little John u.a.), als Regisseur eher im Märchenbereich (Der gestiefelte Kater, Die Prinzessin auf der Erbse, Rumpelstilzchen). Der gelernte Drucker assistiert gerne dem Kampfchoreographen des Naturtheaters, ist ein tatkräftiger Servicemitarbeiter und aktiv im Jugendbeirat des Theatervereins.

Dritter im Bunde ist Marc Jahraus, der dieses Jahr bei der Premiere von „Robin Hood“ in der Titelrolle gefallen konnte. Jahraus ist Student; er war schon in frühen Jahren bühnenaktiv und kann, obwohl noch sehr jung an Jahren, doch bereits auf zwölf Jahre Erfahrung zurückschauen – und das nicht nur im Naturtheater. Er stand auch schon mit dem Heidenheimer Jugendmusical-Projekt auf der Bühne, er spielt gerne und singt und tanzt. Im Naturtheater ist er in früheren Jahren auch schon mal als Mücke an der Biene Maja vorbeigesumst.

Das Regie-Quartett wird vollzählig durch Ulrike Valentin, die beruflich als Lehrerin engagiert ist und bereits seit 1989 im Naturtheater aktiv – angesteckt in frühen Jahren schon durch ihre Eltern. Sie war Darstellerin (Nancy, Titania, Alma fallen ihr da als Beispiele ein), vielfache Regisseurin etwa bei Kaltes Herz, Zauberer von Oz, Bill Bo oder Rumpelstilzchen und auch Regieassistentin, zum Beispiel bei Hamlet oder Romeo und Julia oder Frühlings Erwachen.

Die „Blues Brothers“, also die legendäre Band, die vor 35 Jahren von den beiden Schauspielern und Komikern John Belushi (als Sänger Jake Blues) und Dan Aykroyd (als Sänger und Mundharmonikaspieler Ellwood Blues) gegründet wurde. Die beiden umgaben sich mit weiteren, herausragenden Musikern; gemeinsam machten sie mitreißenden Rhythm'n'Blues. Das erste Album „Briefcase Full of Blues“ nahmen die beiden mit ihrer Band 1978 auf; es erreichte später immerhin Platinstatus. Zur Legende wurden die „Blues Brothers“ spätestens durch den Film von 1980, bei dem John Landis Regie führte und der längst als Kultfilm gilt. Aufgrund von Belushis frühem Tod ließen die Fortsetzungen eine gute Weile auf sich warten.

Klar jedenfalls ist, dass die „Blues Brothers“ nichts sind ohne die dazugehörige Musik: Und im Naturtheater wird Markus Braun für die Umsetzung verantwortlich sein. Auch hier gilt, dass beileibe noch nicht alle Details geklärt sind. Ob also eine große elfköpfige Band auf der Bühne des Naturtheaters steht, ist noch nicht spruchreif. Braun jedenfalls ist Profi, er hat Kontra- und E-Bass an der Musikhochschule Stuttgart studiert, er ist Mitglied vieler Bands und hat auch schon bei diversen Musical- und Theaterproduktionen mitgewirkt. Im Naturtheater hat er beispielsweise bereits bei Anatevka oder Oliver Twist auf der Bühne gestanden.

Die Inszenierung wird, so viel verrät Ulrike Valentin bereits, sich anlehnen an John Landis' Film. Es wird Livemusik geben, die versuchen will, das Publikum zur aktiven Rezeption zu animieren – bis hin „zum Mitsingen und Mittanzen“.

Werden die „Blues Brothers“ das allererste Mal im Naturtheater auftreten, so ist „Pippi Langstrumpf“ eine gute Bekannte auf dem Schlossberg: Im Jahr 2000 wurde das Stück vom Duo Anuschka Josipovic und Susanne Ruppender realisiert. 2014 übernimmt Stephan Fritz die Verantwortung.

Der 51-jährige Heidenheimer Polizeihauptkommissar will Details noch keine nennen; auch er steckt konzeptionell eher noch in den Anfängen. Aber er weiß ja, wie's geht: Er hat bereits „ganz viele Rollen“ gespielt, auf der Bühne hat er begonnen als Gretchens Bruder im „Faust“ von 1985. Unter anderem war er auch schon der Peppone und der Brandner Kasper. „Ganz schräg“ war seine Verkörperung von Adolf Hitler im Saalstück „Schorsch, der Attentäter aus dem Volk“. Auch Regieerfahrung besitzt Fritz mehrfach.

Bei „Pippi Langstrumpf“ führt er alleine Regie, weiß aber als Assistentin Manuela Bittner an seiner Seite, die dann das Fünfjährige im Naturtheater feiern kann.

„Bevor detailliert an den Konzeptionen gearbeitet wird, müssen wir aber erst einmal den Sommer 2013 bewältigen“, meint Naturtheaterchefin Helga Banz. Mit beiden Stücken für 2014 soll jedenfalls „unser Anspruch an uns, nämlich zu unterhalten“, ein weiteres Mal eingelöst werden. Auch Banz ist ganz gespannt, was die ausgewählten „Eigengewächse“ fürs nächste Jahr noch alles vorbereiten werden.