Es hat mit der Jahreszeit zu tun, sagt Jagdpächter Fritz Blanz: Das Rehwild hat einerseits noch relativ kleinen Nachwuchs– die Kitze kamen im Mai zur Welt–, andererseits ist noch bis weit in den August hinein Brunftzeit und die Tiere sind von der Paarung geschwächt und abgelenkt. Deshalb gelingt es Hunden momentan gehäuft, bei der Jagd auf Wildtiere auch Beute zu machen. Auf der Ausgleichsfläche im Osterholz kam so kürzlich ein Bock zu Tode, auf dem Schmittenberg wurden ein Reh und sein Kitz von einem Hund gerissen. In der vergangenen Woche wurde aufder Steigstraße in Schnaitheim in Rehkitz überfahren, das schlimme Spuren von Hundebissen trug und sichtlich geschwächt war. Tage zuvor hatten Anwohner gemeldet, dass ein Hund laut klagende Rehe über die Heide am Hirschhalde-Steinbruch gehetzt habe.

„Hier treffen zwei Welten aufeinander“, sagt Jäger Blanz. Sein Revier ist im Ugental rund um den Talhof, ein bei Hundespaziergängern beliebtes Gebiet. Blanz hat durchaus Verständnis für die Bedürfnisse der Hunde, er ist selbst auch Besitzer von zwei Tieren. Gerade deshalb weiß er auch, dass man seinen Vierbeiner nicht unterschätzen sollte:„Jede Hunderasse stammt letztlich vom Wolf ab, der Jagdtrieb ist immer vorhanden“, so Blanz. Auch wenn in seinem Revier noch nichts passiert ist, spricht er doch immer wieder Hundehalter an, deren Tiere minutenlang unbeaufsichtigt im Wald unterwegs sind.

Weil der Jagdtrieb eben in der Natur des Hundes liegt, muss der Besitzer dafür sorgen, dass sein Vierbeiner diesen nicht ungebremst ausleben kann, sei es durch Erziehung, die zu gutem Gehorsam führt, oder dadurch, dass der Hund im Wald an die Leine genommen wird.

Ein Leinenzwang gilt grundsätzlich innerhalb von bebauten Gebieten. Im Wald muss sich der Hund„im Einwirkungsbereich seines Besitzers“ befinden. Sorgt der Hundebesitzer nicht dafür, muss er auch mit Strafen rechnen: Im vergangenen Jahr wurde ein Rehkitz von einem Hund an der Walther-Wolf-Straße vor den Augen von Passanten gerissen. Der Hundebesitzer musste eine Geldstrafe bezahlen, darüber hinaus wurde die Hundesteuer erhöht.

Nach Auskunft der Stadtverwaltung werden Hunde, die andere Tiere oder Menschen anspringen, als gefährliche Hunde eingestuft.„Anspringen reicht schon, sie müssen nicht beißen“, so die Sprecherin Birgit Baumann. Das Halten von als gefährlich eingestuften Hunden wird teuer: Die Hundesteuer vervierfacht sich auf 432 Euro. Zudem kann die Stadt Maulkorbzwang anordnen, wenn sie eine Anzeige über die Polizei erhält oder die Folgen des Anspringens oder Beißens von einem Arzt attestiert werden.

Grundsätzlich, so Fritz Blanz, gelte das unbeaufsichtigte Freilaufen lassen von Tieren als Ordnungswidrigkeit, sobald aber Wild verletzt oder getötet wird, sei dies Jagdwilderei und damit eine Straftat. Dem Jagdpächter entstehe ein wirtschaftlicher Schaden, sagt Blanz, noch schlimmer findet er aber dasLeid, das dem Wild zugefügt wird:„Gerissene Tiere sterben qualvoll, und wenn das Wild verletzt entkommt, leidet es mitunter tagelang.“ Deshalb hofft er, dass Hundebesitzer gerade jetzt in der Sommerzeit ein besonderes Augenmerk auf ihre Tiere haben.