Bei der Übergabe der Spendenbriefe der Hugo-Rupf-Stiftung an zahlreiche Heidenheimer Vereine und Projekte versammelten sich am Donnerstagnachmittag im Voith Training Center zahlreiche Menschen, die entweder für die Stiftung aktiv sind oder die Gaben entgegennehmen durften. Von zwei Männern war bei der Veranstaltung immer wieder die Rede, und die Erinnerung an sie wurde mit so viel Empathie hochgehalten, dass sie, wenn auch nicht körperlich, so doch zumindest im Geiste mit anwesend waren: Hugo Rupf, der Stiftungsgründer und erste Voith-Chef, der nicht der Unternehmerfamilie angehörte, und sein Nachfolger Michael Rogowski, der vor einem Jahr verstorbene Ehrenvorsitzende der Stiftung.

Ihnen beiden, da waren sich alle Redner des Empfangs einig, hätte es gefallen, dass nach drei Jahren Corona-Pause wieder ein Zusammentreffen von Spendengebern und –empfängern möglich war. Und die beiden ehemaligen Voith-Chefs wären sicherlich auch glücklich gewesen über die Breite des ehrenamtlichen Engagements gefallen, das sich in den vielen bedachten Institutionen zeigte.

Schwierige Pandemie-Zeit

„Die Corona-Zeit war für die Vereine sehr schwierig. Wir sind glücklich, Unterstützung für sie leisten zu können“, sagte Nikolas Palmarini, Vorstandsvorsitzender der Stiftung und Enkelsohn von Hugo Rupf. 74.300 Euro konnte die Stiftung insgesamt ausschütten. 35.200 Euro wurden an die Heidenheimer Projekte verteilt, die Hälfte der Summe an Projekte in Biberach, wo Hugo Rupf aufgewachsen ist. 18.000 Euro ging an die Universität Tübingen, die daraus Deutschland-Stipendien finanziert. Ein weiteres Stipendium kann die Graduate School Ostwürttemberg dank Hugo Rupf vergeben, von diesem profitiert in diesem Jahr der Student Dr. Maximilian Heck.

Sport für ukrainische Kinder

„Gottfroh“ zeigte sich Max Plitz vom HSB-Vorstand über die Unterstützung der Hugo-Rupf-Stiftung, mit der es dem Verein unter anderem möglich sei, ukrainische Kinder aufzunehmen, ohne Mitgliedsbeiträge zu verlangen. Für die Fechtabteilung des HSB nahm Matthias Henkelmann den Spendenbrief entgegen. Die Fechter wollen mit dem Geld den Nachwuchs fördern, der laut Henkelmann immer weitere Reisen unternehmen müsse, um in der Sportart voranzukommen.

Geld für Bühnenbau und Technik

Zwei schwierige Jahre liegen auch hinter dem Heidenheimer Naturtheater, berichtete Vorstandsmitglied Stephan Fritz. Vorstellungen waren nur sehr eingeschränkt möglich, dementsprechend fehlt es dem großen Amateurtheater auch an Einnahmen. Insbesondere für Technik und Bühnenbau will man das Spendengeld jetzt verwenden. Ähnlich ging es dem Neuen Kammerchor am Schiller-Gymnasium. Für die musikbegeisterten Sängerinnen und Sänger war es während der Pandemie schwierig, überhaupt zu üben. Carmen Roese nahm den Spendenbrief für den Förderverein entgegen und berichtete, dass man mit dem Geld die Reisen des Chors unterstützen wolle.

Dr. Norbert Tempel freute sich über Geld für den Oratorienchor Heidenheim. Bei den großen Aufführungen mit ambitionierten Amateur-Sängerinnen und -Sängern brauche man Geld für Orchester und Solisten. „Das ermöglicht uns unsere Arbeit“, so Tempel.

Marco Hompes, Leiter des Heidenheimer Kunstmuseums, durfte den Spendenbrief für den Förderkreis des Kunstmuseums entgegennehmen. Neben der Bewahrung der städtischen Kunstsammlung sei es auch ein Ziel des Museums, in Zukunft stärker Kunstwerke in den öffentlichen Raum zu bringen. Er vertrete die Heidenheimer Unterwelt sagt Dr. Gerhard Kerler scherzhaft. Der Vorsitzende des Fördervereins Römerbad kündigte an, dass gespendete Geld für römische Kleidung zu verwenden, in die Schülerinnen und Schüler bei den Führungen schlüpfen können. Nikolas Palmarini rang ihm das Versprechen ab, im kommenden Jahr selbst in der Toga zum Spendenempfang zu kommen, sollte der Förderverein wieder bedacht werden.

Ebenfalls der historischen Vergangenheit der Stadt widmet sich der Heimat- und Altertumsverein, für den Ingrid Kriesten einen Umschlag entgegennahm. Sie kündigte an, dass davon Ausstellungsgegenstände der Württembergischen Cattunmanufaktur (WCM) restauriert werden sollen. Auch das Voith-Orchester wird unterstützt, konnte aus Krankheitsgründen aber keinen Vertreter zum Spendenempfang schicken. Inge Grein-Feil nahm für die Aktion „Freunde schaffen Freude“ einen Umschlag entgegen und sagte, dass das Geld den „Herz- und Zeitverschenkern“ zu Gute kommen werde.

Freude hätte Hugo Rupf wohl auch an der Unterstützung für den Jugendfußball des 1. FC Heidenheim gehabt, war er doch selbst großer Fußballfan, wie Nikolas Palmarini verriet. Werner Glatzle bekam den Spendenbrief für den Förderverein für Neue Musik, der seinen Worten nach „etwas Randständiges“ mache, das aber mittlerweile auch innerhalb der Opernfestspiele Heidenheim seinen Platz gefunden habe.

Wolfgang Heller freute sich über Geld für zwei neue Laptops, die bei der Zukunftsakademie gebraucht werden. Bruno M. Heinisch vertrat den Förderverein Ökumenisches Gemeindezentrum Mittelrain, der sich nicht nur um die Sanierung des in die Jahre gekommenen Gottesdienstraums kümmere, sondern auch um die Integration ausländischer Mitbürger auf dem Mittelrain.

Bücher und Instrumente

Geld für sehr viele verschiedene Projekte bekommt auch die Stadt Heidenheim. Den Dank dafür sprach Matthias Heisler, Fachbereichsleiter für Familie, Bildung und Sport, aus. Die Unterstützung der Hugo-Rupf-Stiftung fließt in die Bereiche Kinder- und Jugendarbeit sowie den Kulturbereich. Damit seien Dinge möglich, für die die staatliche Finanzierung nicht ausreiche, erläuterte Heisler. Das Geld wird beispielsweise verwendet für Tretroller im Kinder- und Jugendhaus Mittelrain, Spielkonsolen für die offene Kinder- und Jugendarbeit, die Erweiterung der Bibliothek in der Kinderwelt Mergelstetten, aber auch die Unterstützung der theaterpädagogischen Arbeit der Jungen Oper, für das Künstlerkollektiv Whild Stage und zur Anschaffung von Leihinstrumenten für die Musikschule.

Die Vertreter der Stiftung

Vom Vorstand der 1977 gegründeten Hugo-Rupf-Stiftung waren beim Spendenempfang vertreten: Nikolas Palmarini (Vorsitzender), Gabriele Rogowski, Oberbürgermeister Michael Salomo und Prof. Dr. Karin Amos (in Vertretung von Prof. Dr. Karla Pollmann, Universität Tübingen). Auch Anna Dorothea Palmarini-Rupf, die Tochter von Hugo Rupf, war in Heidenheim. Die Geschäftsführung der Stiftung obliegt Meinrad Schad.

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