Heidenheim / Kathrin Schuler Im März wurde das Hospiz Barbara eröffnet: Wie es dort läuft und wie es ist, Menschen beim Sterben zu begleiten.

Wenn ein Leben zu Ende geht, werden Sterbende meistens ganz friedlich und ruhig. Edith-Maria Kraus sitzt dann an ihrer Seite, hält ihre Hand – und ist einfach nur da. „Es ist, als ob sie durch eine Tür gehen würden: ein eigenartiger, aber auch irgendwie schöner Moment“, beschreibt sie den Tod.

Edith-Maria Kraus ist Hospizbegleiterin. Seit der Eröffnung im März arbeitet sie ehrenamtlich im Hospiz Barbara in der Bergstraße. Dort werden schwerkranke Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet: Sie können selbstbestimmt und in Würde aus dem Leben gehen und werden in ihren letzten Tagen gut umsorgt.

Einfach nur da sein

Dafür sorgt ein Team aus 14 hauptamtlichen Pflegekräften: Alten- oder Krankenpfleger, die eine zusätzliche Ausbildung in palliativer Medizin absolviert haben. Um viele emotionale und persönliche Bedürfnisse der Gäste – so werden die Bewohner des Hospizes genannt – kümmern sich ehrenamtliche Hospizhelfer: „Wir gehen mit ihnen spazieren, hören zu und sitzen manchmal auch einfach nur still an ihrem Bett“, sagt Christine Dogan.

Wie Edith-Maria Kraus gehört sie zu einem Team aus 16 ehrenamtlichen Hospizhelfern. Ein bis zwei Mal pro Woche kommen sie in die Bergstraße, um sich um die Sterbenden zu kümmern – und manchmal auch öfter: „Wenn man mit einem Gast vertraut ist, möchte man auch für ihn da sein, wenn es zu Ende geht“, sagt Kraus.

Im Hospiz wird auch gelacht

Ob diese Arbeit nicht mitunter auch beklemmend ist? Schließlich kommen die Menschen ins Hospiz, um zu sterben: Besserung ist nicht in Sicht, stattdessen geht es gesundheitlich nur noch bergab. Das ist sogar Vorschrift, um im Hospiz aufgenommen werden zu können. Trotzdem ist Trauer dort nicht an der Tagesordnung: „Wir lachen hier auch sehr viel“, sagt Christine Dogan.

Obwohl der Tod letzten Endes unausweichlich ist, geht es im Hospiz doch vielmehr um das Leben: „Wir sprechen eigentlich nie mit den Gästen übers Sterben“, sagt Edith-Maria Kraus. Stattdessen drehen sich die Gespräche häufig um Kunst, den Glauben und die Familie. Und nicht nur den Sterbenden, sondern auch deren Angehörigen gilt die Aufmerksamkeit der Hospizbegleiter: Viele wohnen mit im Hospiz, denn in jedem Zimmer gibt es noch ein zusätzliches Bett. Häufig brauchen auch sie jemanden zum Reden und sind dankbar, wenn sie mit der Betreuung eines Sterbenden nicht allein gelassen werden.

Zwei Stunden bis zwei Monate

In der Regel bleiben die Gästenicht lange im Hospiz Barbara: Bei den meisten sind es eher Tage als Wochen. „Die kürzeste Zeit, die bisher jemand bei uns war, betrug zwei Stunden“, sagt Hospizleiter Georg Peyk von der Stiftung Haus Lindenhof. Eine andere Dame habe dagegen mehr als zwei Monate im Haus Barbara gelebt, bis sie schließlich gestorben sei.

Genauso unterschiedlich wie die Verweildauer der Sterbenden im Hospiz in der Bergstraße ist auch das Alter der Gäste: Die meisten sind zwischen 70 und 80, die älteste Dame war 96 Jahre alt und der jüngste Gast gerade mal 45. „Das lässt einen dann nicht so schnell wieder los“, sagt Dogan. Die eigene Sterblichkeit werde einem dann bewusst. Und schließlich bleiben Kinder zurück, die ihre Mama noch gebraucht hätten.

Lernen, loszulassen

Gerade dieses Einfühlungsvermögen ist für die Ehrenamtlichen manchmal schmerzhaft – aber wichtig: „Wer braucht Zuspruch, wer will heute seine Ruhe? Das spürt man irgendwann“, meint Dogan. Seit sie im Hospiz arbeitet, hat sie gelernt, wie man mit Sterbenden spricht – und mit ihnen zu schweigen.

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass man manche Dinge einfach so akzeptieren muss, wie sie sind: „Irgendwann muss man loslassen.“ Und oft sei das auch weder traurig noch schlimm, sondern vielmehr eine Erleichterung: „Wenn jemand lange gekämpft und gelitten hat und dann seine Augen schließt, weiß ich, dass es ihm jetzt besser geht“, sagt Edith-Maria Kraus.

Die Auslastung ist unterschiedlich

Seitdem das Hospiz am 15. März dieses Jahres offiziell eröffnet wurde, haben bereits 34 Gäste dort gewohnt. Acht Betten gibt es im Haus Barbara – mal sind sie alle belegt, mal werden ganz plötzlich über Nacht gleich mehrere frei. „Die Auslastung ist immer unterschiedlich, aber wir sind sehr zufrieden damit, wie gut das Hospiz angenommen wird“, sagt Hospizleiter Peyk.

Auch in Sachen Spenden läuft es derzeit gut: Für 95 Prozent der Kosten kommen die Pflegeversicherungen auf, rund fünf Prozent muss das Haus Barbara selbst in Form von Spenden auftreiben. „Im Jahr sind das rund 150 000 Euro“, sagt Peyk. Eine große Summe, doch viele der Gäste oder deren Angehörige seien für die Betreuung und Pflege im Haus Barbara so dankbar, dass sie dem Hospiz etwas überlassen.

Generell ist die ganzheitliche Betreuung im Hospiz kostenlos. Allerdings können auch nur Menschen dort aufgenommen werden, die entweder von zu Hause oder aus dem Krankenhaus kommen: Vom Pflegeheim ins Hospiz zu wechseln ist dagegen nicht möglich, denn dort erhalten die Menschen bereits eine umfassende Betreuung. Erst ab 18 Jahren kann man im Hospiz aufgenommen werden, doch es gibt auch spezielle Kinderhospize.

Auch für den Gesundheitszustand gibt es Vorschriften: Voraussetzung für die Aufnahme in einem Hospiz ist, dass ein Mensch an einer unheilbaren Krankheit leidet und nicht mehr aktiv behandelt wird. Nur wenn der Tod bereits an die Tür klopft, wird man im Hospiz aufgenommen. Georg Peyk: „Wir helfen den Leuten, das Leben gut zu verlassen.“

Unsere Hilfe zählt

Die Gäste im Hospiz Barbara haben besondere Bedürfnisse und brauchen darum auch besondere Betten, die auf diese angepasst sind. Auf http://www.unsere-hilfe-zaehlt.de kann gespendet werden, damit das Hospiz diese Betten anschaffen kann.

Als Hospizhelfer Sterbende begleiten

Hospizhelfer wie Christine Dogan und Edith-Maria Krauß gibt es im Haus Barbara längst nicht genug. Darum ist die Stiftung Haus Lindenhof auch stets auf der Suche nach Helfern und bietet ab November eine neue Schulung für Interessierte an. Diese werden über einen Zeitraum von einem halben Jahr mit wöchentlichen Schulungsterminen auf ihre Tätigkeit im Hospiz vorbereitet. Bei einem Praktikum können die neuen Helfer dann feststellen, welche Aufgaben sie im Hospiz übernehmen möchten und können. Auch während ihrer Tätigkeit als Hospizhelfer werden die Ehrenamtlichen begleitet und können sich in Team-Gesprächen darüber austauschen, wie es ihnen mit und bei ihrer Arbeit geht.