Während die Temperaturen hierzulande sinken, wird es auch im ukrainischen Charkiw immer kälter. „Das Problem ist aber nicht nur die Temperatur an sich, sondern maßgeblich, dass viele Heizkraftwerke in der Ukraine durch den Krieg ausgefallen sind und die Leute nicht heizen können“, sagt Konstantyn Novikov, der im April mit seiner Freundin nach Heidenheim gekommen war.

Gemeinsam mit vier weiteren Flüchtlingen, die ebenfalls seit April in Heidenheim leben, versucht er von hier aus, den Menschen in der Ukraine zu helfen. Mit seinem Freud Stanislav Lusch organisiert er derzeit eine Kleidersammlung für die Einwohner von Charkiw. „Die Idee für diese Sammlung kam aus der Ukraine“, sagt Stanislav Lusch. Benötigt wird hauptsächlich warme Kinderkleidung. „Wegen des Krieges und den immer wiederkehrenden Angriffen leben viele Menschen derzeit in ihren Kellern, um geschützt zu sein. Dort ist es aber sehr kalt “, erklärt Lusch und ergänzt: „Die Angriffe auf die Infrastruktur haben die Menschen hart getroffen.“

Was wird in Charkiw benötigt?

Was jetzt benötigt werde, sind warme Anziehsachen, Schlafsäcke und Isomatten. „Am wichtigsten ist Kinderkleidung“, sagt Konstantyn Novikov, der jüngst eine Freizeit im Heidenheimer Naturtheater für Kinder aus der Ukraine leitete.

Evangelina Antipowa war dabei eines von 17 Kindern aus Charkiw, die im Naturtheater ein kleines bisschen Normalität erleben durfte. Während die anderen Kinder nach Charkiw zurückkehrten, blieb Evangelina in Heidenheim und lebt nun bei Konstantyn und seiner Freundin Anastasia Pavlenko.

Was die 16-jährige Eva aus Charkiw erzählt

Eva wollte eigentlich nicht nach Deutschland, sondern mit ihren Eltern in Charkiw bleiben. „Mein Papa ist Arzt und wird dort gebraucht, meine Mama ist Mitbegründerin einer Hilfsorganisation“, erzählt die 16-Jährige. Beide könnten aus Charkiw nicht weg, weil sie dort gebraucht würden. Es kostete ihre Eltern viel Überredungskunst, ihre Tochter alleine nach Deutschland zu schicken.

Nun hat Eva die Möglichkeit von hier aus zu helfen. Sie kennt Anastasia und Konstantyn seit vielen Jahren vom Theater in ihrer Heimat. Auch sie will dazu beitragen den Menschen in Charkiw das Leben ein wenig erträglicher zu machen. Gemeinsam mit der kleinen Gruppe sortiert und verpackt sie die gespendete Kleidung und bringt sie zu einer ukrainischen Hilfsorganisation nach Berlin, die übersetzt „friedlicher Himmel über Charkiw“ bedeutet.

Wo landen die Spenden?

„Die Spenden werden in Berlin entgegengenommen und von dort aus nach Charkiw transportiert“, sagt Stanislav Lusch, der in seiner Heimat als Regisseur arbeitete.

Ohne fremde Hilfe wäre das für die Flüchtlinge alleine nicht tragbar. Um ihr Vorhaben zu unterstützen, greift die AWO den Ukrainern unter die Arme. „Wir leisten hier Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt AWO-Mitarbeiter Eduard Marker

Die AWO stellt zum einen Transporter zur Verfügung, mit der die Kleidung von den Sammelstellen abgeholt werden kann, zum anderen steht der AWO-Markt für Gebrauchtes (Leimgrubenäcker 1 in Heidenheim) sowie die Räumlichkeiten des Projekts „Schlau und couragiert – Gewalt verliert“ (im Boxclub Giengen) für die Abgabe bereit.

„Wir bitten Sie von Herzen, dass sie in Ihren Kellern oder auf Ihren Speichern nachsehen, ob sie dort noch warme Kleidung haben, die Sie nicht mehr benötigen“, sagt die 16-jährige Eva. In den Wintermonaten sinke die Temperatur in ihrer Heimat auf bis zu minus 15 Grad.

Hier können die Kleider abgegeben werden:

Die Abgabe der Kleiderspenden ist möglich von Montag bis Freitag (9 Uhr bis 18.30 Uhr) sowie am Samstag (9 Uhr bis 14 Uhr) im AWO-Markt für Gebrauchtes, Leimgrubenäcker 1, 89520 Heidenheim.

Die Spenden sollten mit dem Stichwort Ukraine markiert sein. Im Boxclub Giengen, Friedrichstraße 6, 89537 Giengen können die Spenden zu den Trainingszeiten (Montag und Mittwoch von 17 Uhr bis 20, Dienstag und Donnerstag von 18 Uhr bis 20 Uhr sowie am Freitag von 15 Uhr bis 20 Uhr).