Heidenheim / Veit Günzler In Heidenheim heißt eine Straße nach ihm, sein Vermächtnis aber klingt in zahllosen Kirchen im ganzen Land und erst recht im Kreis: Helmut Bornefeld, der heute vor 25 Jahren starb, war Komponist und Musiklehrer, vor allem aber ein unglaublich vielseitiger Fürsprecher für das größte Musikinstrument, die Orgel.

Lange, sehr lange hat es gedauert, bis Bornefeld als ebenso beharrlicher wie unbequemer Künstler in Heidenheim die verdiente Anerkennung fand. Heute vergisst man gerne, wie scharf seine Musik bisweilen abgelehnt wurde.

Mit Siegfried Reda hatte Bornefeld von 1946 bis 1960 die weit über die Landesgrenzen hinaus bedeutsamen „Arbeitstage für Kirchenmusik“ in Heidenheim begründet und dafür Chor- und Orgelwerke geschaffen, die von vielen Zeitgenossen wegen des ungewohnt modernen Klanges rundheraus abgelehnt wurden. Doch selbst Musiker taten sich schwer mit Bornefeld, der teils höchste und fast unerreichbare Ansprüche an die Ausführenden stellte. Bornefeld hatte das Glück, in Albert Lauffer an der Giengener Stadtkirche einen Nachbarn, Freund und Kollegen zu haben, der den Ansprüchen des Komponisten gewachsen war.

Bornefeld war kein Heidenheimer, er wurde einer. 1906 war er in Stuttgart-Untertürkheim zur Welt gekommen. Bornefeld absolvierte nach Schuljahren in Stuttgart-Wangen, Bad Cannstatt und Esslingen eine Lehre als Gartenarchitekt mit abschließender Gesellenprüfung. Der schloss sich 1924 ein Musikstudium am Adlerschen Konservatorium in Stuttgart mit den Fächern Klavier und Tonsatz an. Von 1928 bis 1931 folgte das Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart mit dem Abschluss als „akademischer Musiklehrer“.

Von 1930 bis 1936 leitete Bornefeld in Esslingen, wo er als Privatmusiklehrer tätig war, einen Kammerchor und eine Spielgruppe. Seine Kompositionen und die Aufführungen zeitgenössischer Musik, von der Nazi-Presse als „entartet“ gegeißelt, trugen ihm überdies den Vorwurf des „Kulturbolschewismus“ ein.

Die Anfeindungen, auch der Umstand der Gleichschaltung in der Reichsmusikkammer, bewogen Bornefeld, sich ab 1935 beruflich der Kirchenmusik zuzuwenden, die seinerzeit nicht der Reichsmusikkammer, sondern der Evangelischen Landeskirche unterstand. Er studierte erneut an der Musikhochschule Stuttgart und legte 1937 die A-Prüfung für Kirchenmusiker ab. Am 1. Januar 1937 trat er den Organisten- und Chorleiterdienst an den Hauptkirchen in Heidenheim an, ein Amt, das er bis zu seiner Pensionierung Ende 1971 versah.

In dieser Zeit wirkte Bornefeld auch als Komponist, dessen überaus reichhaltiges OEuvre nicht nur kirchlich gebunden Werke umfasst und in dessen Mittelpunkt das sogenannte Choralwerk, zirka 600 Choralbegleitungen durch das gesamte Kirchenjahr und für die unterschiedlichsten Besetzungen, steht.

Darüber hinaus wirkte Bornefeld unter anderem als Orgelsachverständiger für die evangelische Landeskirche und als Dozent für Tonsatz und Kantoreipraxis an der Kirchenmusikschule Esslingen. Auch gründete er 1986 die Heidenheimer Orgelstiftung und war dabei, als im selben Jahr der Förderverein für Neue Musik in Heidenheim gegründet wurde. Bis heute ist sein kompositorisches Gesamtwerk (im Carus-Verlag erschienen) ein Vermächtnis, das es zu pflegen gilt. Und bis heute ist Bornefeld auch bei den Sängerinnen und Sängern seines damaligen Kirchenchors unvergessen.

Helmut Bornefeld verstarb am 11. Februar 1990 im Alter von 83 Jahren. Sein Verdienst bleibt eine nahezu einmalige Orgellandschaft im Landkreis Heidenheim, in dem auch kleine Gemeinden wie Mergelstetten oder Bolheim vorzügliche Instrumente erhielten, bei denen Bornefeld sich um jedes Detail kümmerte und nicht selten auch den Orgelsprospekt, also das Gesicht der Instrumente, gleich mitgestaltete. Auch wenn seine Klangdispositionen heute mitunter auch Gegenstand kontroverser Diskussionen sind: Seine Orgeln waren und sind Gesamtkunstwerke.