Heidenheim / hz Vor 200 Jahren ist der Papierfabrikant und Industrielle Heinrich Voelter geboren. Sein Name machte nicht nur in Heidenheim Geschichte.

Erfinder, Fabrikant, Industriepionier, Politiker – es gibt viele Bezeichnungen, die auf Heinrich Voelter zutreffen. Er war ein Mann, der die Stadt Heidenheim bekannt machte und Industriegeschichte schrieb.

Am 1. Januar 1817 wurde Heinrich Voelter in Heidenheim als Sohn des gleichnamigen Papierfabrikanten geboren. In dessen Besitz war seit 1816 eine Papiermühle. Als diese fünf Jahre später abbrannte, wäre der vierjährige Sohn Heinrich beinahe den Flammen zum Opfer gefallen. 1822 wurde die Papiermühle aus Steinen von Schloss Hellenstein wieder aufgebaut. Heinrich Voelter trat in die Fußstapfen seines Vaters und kannte sich schon bald in allen Sparten der damaligen Papiermacherei aus. Er war jedoch nicht nur im familiären Betrieb tätig, sondern auch lange Zeit Direktor in der Papierfabrik Fischer in Bautzen.

In dieser Zeit kam Heinrich Voelter zum ersten Mal mit den Versuchen des Ingenieurs Friedrich Gottlob Keller in Berührung. Dieser versuchte Papier aus Holzfasern herzustellen. Keller war diese epochemachende Erfindung zwar geglückt, jedoch konnte er es sich nicht leisten, seine Erfindung auch praktisch umzusetzen. 1846 verkaufte er daher seine Pläne an Heinrich Voelter.

Nach dem Tod seines Vaters 1847 kehrte Voelter nach Heidenheim in den familiären Betrieb zurück. Hier konnte er mit der praktischen Auswertung der Pläne beginnen. Mit viel Energie und Ausdauer versuchte er nun, Papier nicht mehr aus teuren Lumpen, sondern aus billigem Holzschliff zu machen.

Mit Hilfe des Schlossers Johann Matthäus Voith trieb Voelter die Revolution der Papierfabrik voran. Zur Entwicklung der Holzschleifmaschinen trug er maßgeblich bei. Denn die bisherige Maschine von Voelter wies einige Mängel auf. Bereits 1867 konnten die beiden Männer auf der Pariser Weltausstellung eine vollständige Papiermaschine präsentieren. Aus dieser Partnerschaft entstand Voith als Papiermaschinen-Hersteller.

Heinrich Voelter ist es also zu verdanken, dass es Papier in seiner heutigen Form gibt. Durch seine Idee, Papier auch aus Holz herstellen zu können, hat er den Papiermaschinenbau maßgeblich vorangetrieben. Er und Voith haben Heidenheim zu dem guten Ruf als Stadt der Papiermacher verholfen.

Auch privat war Voelter sehr engagiert und setzte sich für seine Geburtsstadt ein. Er war Mitglied im Gemeinderat der Stadt und von 1856 bis 1861 Landtagsabgeordneter der Volkspartei. In seiner Funktion als Politiker und Unternehmer setzte er sich besonders für den Bau der Brenzbahn ein. Auch im Kirchengemeinderat bewies er humanitäres Engagement. Voelter kümmerte sich stets um Notleidende und Arme.

Zum Andenken an diesen großen Sohn der Stadt wurde auch eine Straße in Heidenheim nach ihm benannt. Heute hat niemand der weltweit über 500 Mitglieder starken Voelter-Familie noch was mit Papier zu tun. Allerdings hat die Familie neben dem großen Industriellen Heinrich Voelter und seinem bekannten Großvater, dem Schriftsteller und Lehrer Philipp Jakob Voelter, viele Apotheker, Professoren und Ärzte hervorgebracht.