Kreis Heidenheim / Jens Eber Derzeit läuft in den Wäldern die Holzerntesaison. Praktisch alle Forstwirte sind damit beschäftigt, Bäume zu fällen, zu entasten und marktgerecht zu zerteilen.

Wenn das Laub gefallen ist, dann ist über den Wipfeln nicht Ruh€, dann werfen die Forstwirte im Wald ihre besonders kräftigen Motorsägen an und beginnen mit jener Arbeit, die der Bauer bereits im Spätsommer erledigt hat – der Ernte.

Die Holzernte ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich, immerhin sieht man nicht allerorten Traktoren im Wald. Aber sie geht mit einer ähnlichen Intensität vonstatten. Und wer glaubt, dass die Revierleiter und ihre Forstwirte einfach in den Wald gehen und die dicksten Bäume umsägen, der täuscht sich.

Mehr denn je ist heute wohl Denkarbeit vor dem Anwerfen der Kettensäge erforderlich. Es gilt die Regeln des Marktes ebenso zu beherzigen wie die der Arbeitssicherheit oder des Naturschutzes. Jens-Olaf Weiher übertreibt vielleicht ein wenig, wenn er sagt: „Wir stehen mit einem Bein im Gefängnis.“ Aber der Förster im Fachbereich Wald und Naturschutz im Landratsamt Heidenheim verweist auf eine Fülle von Gesetzen, die einer allzu unbekümmerten Waldnutzung einen dicken Riegel vorschieben.

Die vielleicht älteste niedergeschriebene Regel, die im Wald Anwendung findet, ist die der Nachhaltigkeit: Es soll nur so viel Holz entnommen werden, wie auch nachwächst, das schrieb vor mehr als 300 Jahren der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz nach dem Blick auf die für Erzgruben und Schmelzhütten leergeräumten Wälder seiner sächsischen Heimat nieder.

In den Wäldern im Landkreis wachsen nach den Zahlen der Forstbehörde im Jahr 260 000 Kubikmeter Holz nach, immerhin ein Würfel mit einer Kantenlänge von gut 63 Metern. Das meiste davon wird im Herbst und Winter auf wieder geerntet. Allein in den Staatswäldern im Landkreis sollen 100 000 Kubikmeter fallen, mindestens ebenso viel werden in den Gemeinde- und Privatwäldern geerntet. Der Landkreis Heidenheim ist ein „Exportkreis“: Dank der überdurchschnittlich großen Waldfläche wird mehr Holz gewonnen als die Kreisbewohner rechnerisch für Brennholz, Baumaterial oder Klopapier verbrauchen.

Dabei haben die unter dem Dach des Landesbetriebs Forst BW agierenden staatlichen Förster ihren so genannten Hiebssatz in Buchenbeständen schon gesenkt, denn nach dem Willen der einstigen grün-roten Landesregierung genießen alte Buchenwälder stärkeren Schutz, in ihnen bleiben mehr denn je auch Bäume stehen.

Und an dieser Stelle kommt auch schon das angesprochene „Gefängnis“ ins Spiel: Wo alte, womöglich schon kranke oder gar schon tote Bäume etwa zugunsten der Artenvielfalt stehen bleiben, steigen für die Menschen, die im Wald arbeiten, auch die Risiken. Wo aber früher ein Baum mit Gefahrenpotenzial kurzerhand entfernt wurde, muss heute genau abgewogen werden, wie schützenswert der Baum ist. Und im Zweifel bleibt er stehen, die Forstwirte arbeiten in sicherem Abstand um ihn herum. Das kostet Zeit und damit auch Geld, ist aber von den Paragraphen des Bundesnaturschutzgesetzes abgesichert.

Gefällt wird bis zu einem gewissen Grad auch, was der Markt verlangt: Derzeit würden vor allem für Eichenholz gute Preise gezahlt, auch Buchenstammholz ist wieder begehrter. Trotz warmer Winter und des niedrigen Ölpreises der vergangenen Jahre ist der Preis für Brennholz stabil. „Auch Nadelholz läuft gut“, so Weiher.

Und auch die Sicherheit hat mehr denn je Gewicht: „Wir haben viel um die Arbeitssicherheit gekämpft“, betont Weiher. Die landeseigenen Forstwirte werden immer wieder intensiv geschult, damit sie in diesem unfallträchtigen Beruf die Gefahren für Leib und Leben minimieren können.

Wenn sie nun endlich in dicker Schutzkleidung mit ihren Sägen in den Bestand stapfen, ist das Denken längst nicht beendet. Denn die Bäume bleiben ja nicht auf dem Waldboden liegen, sondern sollen ins Sägewerk, in die Papierfabrik oder in den heimischen Schwedenofen.

Hier macht einerseits der schwammige Begriff Klimawandel auf sich aufmerksam, zum anderen hebt ein so bürokratisch klingendes Wort wie „Feinerschließungsrichtlinie“ den Finger. Diese verpflichtet die Forstleute zum bodenschonenden Arbeiten. Und am meisten leidet der Boden, wenn sich schwer mit Stämmen behängte Schlepper an Regentagen darüber hinweg wühlen. Eigentlich sollen diese Arbeiten bevorzugt in längeren Frostperioden ablaufen, wenn der Boden knietief hart gefroren ist. Weil es solche Winter aber kaum mehr gibt, wächst die Gefahr, dass auf den so genannten Rückegassen tiefe Fahrspuren entstehen. Vermehrt würden daher schon bei der Ausschreibung für Rückearbeiten Maschinen mit sechs oder acht Rädern anstelle der herkömmlichen Vier-Rad-Traktoren verlangt, erklärt Weiher. Das Gewicht verteilt sich so besser auf dem Boden, zumal die Maschinen oft zusätzlich mit raupenartigen Bändern ausgerüstet werden. Diese freilich malträtieren die geschotterten Waldwege über Gebühr, sodass in der Hiebsplanung wieder nach Strategien zur Wegeschonung gefahndet werden muss.

Und wenn im Frühjahr schließlich über den Wipfeln doch noch ein wenig Ruh€ einkehrt, werden die Wege gepflegt. Rund 300 000 Euro kostet das im Jahr im Landkreis verteilt auf das 1350 Kilometer lange Waldwegenetz, das etwa vier mal so lang ist wie die Kreis-, Landes- und Bundesstraße zusammen.