Wenigstens einen positiven Effekt hatte die Pandemie für das Heidenheimer Tierheim. „Die große Welle von ausgesetzten Tieren im Sommer ist quasi komplett ausgefallen“, sagt Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbands sowie des Kreistierschutzvereins und damit auch verantwortlich für das Heidenheimer Tierheim. Die schlimmste Zeit in dieser Hinsicht komme erfahrungsgemäß immer um Ostern und Pfingsten herum. Durch den Wegfall des Urlaubs für die meisten Menschen sei die zusätzliche Belastung des Tierheims in diesem Jahr aber ausgeblieben.

Beinahe Normalzustand

Und auch davon abgesehen kann Hitzler eine überraschend positive Bilanz der vergangenen Monate ziehen: „Inzwischen haben wir im Grunde wieder Normalzustand.“ Einzige Neuerung sind die geänderten Öffnungszeiten. Ohne Termin können Besucher derzeit nur freitags und samstags vorbeikommen. Unter der Woche ist dafür das Telefon besetzt, und Interessenten können individuelle Treffen außerhalb der Öffnungszeiten vereinbaren. Das ist nicht nur aus Gründen des Infektionsschutzes sinnvoll. „Auf diese Weise können die Tierheimmitarbeiter viel besser und in Ruhe mit den Leuten sprechen. Außerdem verringern sich die Wartezeiten“, sagt Hitzler.

Vor rund fünf Monaten, mitten im Lockdown, sah die Situation noch ganz anders aus. Doch das Tierheim stieß nicht, wie befürchtet, an seine Grenzen. Die maximale Aufnahmekapazität von 170 Tieren wurde zu keinem Zeitpunkt erreicht. Auf der anderen Seite blieb bislang jedoch auch eine mögliche gestiegene Nachfrage, aufgrund von Homeoffice oder Kurzarbeit, aus. Ganz aktuell gibt es viele junge Katzen im Tierheim, was laut Hitzler für diese Zeit des Jahres aber vollkommen normal ist.

Zudem kann der Flohmarkt seit Juli wieder stattfinden, auch wenn dieses Angebot bisher noch recht zögerlich angenommen werde. Zwar merke man aktuell, dass wieder etwas weniger gespendet werde, doch gerade in den rund drei Monaten des Lockdowns hätte es das Tierheim wohl nicht durch diese Zeit geschafft, wenn nicht aus der Bevölkerung auch viel Unterstützung gekommen wäre.

Neben Geldspenden war dies etwa der Neubau der Tierfutterhütte, bei dem die Initiative „Rot-Blaues Herz“ der Heidenheimer Ultragruppierung „Fanatico Boys“ tatkräftig mitgeholfen hatte. „Wir sind jetzt einfach froh, sozusagen mit einem blauen Auge davongekommen zu sein“, sagt Hitzler.

Angst vor Einbrechern

Eine ganz andere Thematik macht Hitzler jedoch aktuell Sorgen. So habe es in der vergangenen Zeit auffällig viele Einbrüche in Tierheime in Baden-Württemberg sowie Bayern gegeben. „Die Täter stellen sich dabei super geschickt an, und scheinen zu wissen, was sie tun.“ In einem Fall hätten es die Einbrecher sogar an einem 70 Kilogramm schweren Wachhund vorbei geschafft, und auch ein robuster Tresor soll die Diebe nicht aufgehalten haben.

„Wir sind daher jetzt natürlich alarmiert“, sagt Hitzler. In den Räumen des Tierheims würden sich keine großen Summen finden, die Einbrecher hätten es, neben Geld für Tierfutter oder den Spendengeldern eines Tages, beispielsweise auch auf Kaffeeautomaten abgesehen. Dennoch stellt der Verlust dieser Summen für ein Tierheim einen ernstzunehmenden Schaden dar. Dazu kämen dann außerdem noch die durch den Einbruch verursachten Schäden. „Das wäre für uns der Super-Gau“, sagt Hitzler. Sicherheitsvorkehrungen sind jedoch getroffen. So gebe es bereits eine Alarmanlage und einen stabilen Tresor. Und auch die Polizei sei sich der Situation bewusst.

Tierheim während der Corona-Krise Hunde und Co. werden weniger adoptiert

Heidenheim

Einbrüche in Tierheimen: Was sagt die Polizei?


Dass es zuletzt Einbrüche in Tierheime gab, berichten nicht nur zahlreiche lokale und überregionale Medien. Auch das Polizeipräsidium Ulm kann zumindest zwei Fälle aus dem eigenen Gebiet bestätigen. „Ob zwischen diesen Fällen allerdings ein Zusammenhang besteht, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen“, so Pressesprecher Wolfgang Jürgens.

Auch über die weiteren Fälle, die sich von Bayern bis zum Schwarzwald ziehen, sei man in Ulm informiert. Derzeit laufen die Ermittlungen nach den Tätern, in deren Verlauf sich mögliche Zusammenhänge erst noch herausstellen müssen. „Auch die Kollegen in Heidenheim wissen natürlich Bescheid.“

Als Vorkehrung gegen Einbrüche verweist Jürgens auf das kostenlose Beratungsangebot der Polizei, bei dem sich auch Privatpersonen von Beamten informieren lassen können, wie sie ihr Haus am besten schützen können.