Heidenheim / Joelle Reimer Der 29-jährige Michael Betcher veröffentlicht als Rapper und Songwriter „Betcha“ am 1. Februar sein neues Album „Charakta“ – und erzählt, wie es trotz einiger Rückschläge dazu gekommen ist.

Im Grunde kann ich's doch auch gut sein lassen. Ich habe über zehn Jahre Musik gemacht, und das war schön, und das war's. Punkt.

Diesen Gedanken, das gibt er ganz offen zu, hatte der aus Heidenheim stammende Rapper „Betcha“ tatsächlich – und es ist noch gar nicht so lange her. Nur gut, dass der Gedanke ein Gedanke und der 29-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Michael Betcher heißt und früher als „White Night“ bekannt war, der Musik treu geblieben ist. Andernfalls wäre es wohl kaum dazu gekommen, dass er mit „Charakta“ nun bald ein neues Album veröffentlicht – zum 1.Februar, um genau zu sein.

Ein gutes Gefühl? Er nickt. „Ich habe in der Vergangenheit vieles angefangen, und ich musste vieles wieder über den Haufen werfen“, sagt er und spricht dabei von einer Zeit, die nicht ganz einfach für ihn war. Denn als er 2009 angefangen hat, professionell Musik zu machen, ist es zunächst stetig bergauf gegangen – „ich war regional ziemlich bekannt, hatte über 40 Auftritte“ – doch dann hat in Sachen Musik einfach nichts mehr so richtig klappen wollen. Bis jetzt.

Alle erfolgreichen Videos gelöscht

„Es fing damit an, dass sich 2016 die Crossover-Band, ich der ich war, aufgelöst hat. Ich war also solo unterwegs, und eigentlich hat das auch gut funktioniert“, erzählt der junge Familienvater. Zusammen mit einem Freund hat er die Musikvideos zu seinen Songs gedreht und vor allem über Social-Media-Plattformen viele positive Rückmeldungen bekommen. Also widmete man sich 2017 dem nächsten Projekt, mietete ein Studio in Schnaitheim, nahm acht neue Songs auf – und erlitt den ersten Rückschlag. „Nach vier bis fünf Monaten ging das in die Brüche. Der Kollege hatte private Probleme, hat die Miete nicht bezahlt – und ich bin abgesprungen“, sagt Betcher. Besonders bitter: Sein ehemaliger Partner habe alle Videos löschen lassen, die online und auf Social Media erfolgreich waren.

Ein frustrierendes Ende einer zunächst vielversprechenden Zusammenarbeit – „eine Investition ohne wirkliches Ergebnis; es war ein wirklich harter Schlag“, wie Betcher sagt. Davon Wind bekommen haben Ende 2017 Anna-Lena Michel und Martin Knopf von der Mira-Wunder-Band, die ihn kurzerhand nach Stuttgart eingeladen haben. „Das waren super Sessions, die mir geholfen haben, musikalisch wieder Fuß zu fassen“, sagt Betcher. Sessions, bei denen weitere Songs entstanden sind.

Im Frühjahr 2018 ist aber auch diese Verbindung weitestgehend im Sande verlaufen – „Anna wollte wieder mehr mit der Band machen, und das war okay. Wir sind freundschaftlich auseinandergegangen“, sagt der 29-Jährige. Genau an diesem Punkt kam ihm der Gedanke, es mit der Musik einfach gut sein zu lassen. Und genau an diesem Punkt kam auch Patrick Kämpfert ins Spiel, ein alter Kollege, der Betcher dabei helfen sollte, zu seiner bevorstehenden Hochzeit noch einen Song als Geschenk für seine Frau aufzunehmen.

„Uns beiden hat die Zusammenarbeit richtig gut gefallen. Da hat er mich darauf gebracht, dass ich ja sozusagen noch einige Songs in der Warteschleife habe – und gefragt, ob wir nicht aus allen zusammen ein Album machen wollen“, erzählt der 29-Jährige.

Betcher wurde also wieder zu „Betcha“, Kämpfert zum Produzenten und die einst wahllos aufgenommenen Songs zu einem Album – einem Konzeptalbum, wie Betcher betont: „Mit wurde schnell klar, dass es in den Songs immer um ein und dasselbe geht: um Charakter. Das zieht sich komplett durch.“

Seit Mai 2018 arbeiten Betcher und Kämpfert nun also an dem neuen Album, am 1. Februar wird es veröffentlicht – größtenteils digital, aber ein paar gepresste CDs wird es auch geben. „Hauptsächlich für meine Auftritte und für Freunde“, sagt Betcher. Parallel dazu will Kämpfert seine „Instrumentalfabrik“, wie er das Produktionsstudio nennt, als eigenes Label eintragen lassen.

Kein Vorbild, sondern Inspiration

Vielleicht, sagt Betcher auf die Frage nach seiner Inspiration, liege die in seiner Großfamilie begründet: „Ich habe sieben ältere Geschwister. Loyalität stand und steht für mich immer im Vordergrund. Innere Werte. Charakterzüge eben. Songs mit zwischenmenschlichen Botschaften finde ich am interessantesten“, sagt er und ergänzt: „Ich könnte nie über irgendeinen Ferrari schreiben.“ Das Grinsen auf seinem Gesicht verrät, dass er vom Mainstream-Rap, wenn man es so nennen will, nicht allzu viel hält.

Er zuckt mit den Schultern. Sagt, seine große Stärke sei das Songwriting – und ihm gehe es dabei eben um Kritisches, um Soziales, um Emotionen. „Ein Vorbild habe ich dabei eigentlich nicht, ich lasse mich eher inspirieren. Ich will nicht zu 90 Prozent ein anderer sein, sondern zu 100 Prozent ich selbst“, sagt er.

Pro Woche circa vier Stunden Zeit für die Musik

Früher in der Region bekannt unter dem Namen „White Night“, ist der 29-jährige Michael Betcher aus Heidenheim inzwischen musikalisch als „Betcha“ unterwegs.

Der Zerspanungsmechaniker kommt aus Heidenheim und wohnt inzwischen in Nattheim. Betcher hat zwei Kinder und ist seit November 2018 verheiratet.

„Ein Leben lang“ heißt der Song, den Michael Betcher für seine Frau zur Hochzeit aufgenommen hat - das Musikvideo dazu ist auch online auf Youtube zu finden.

Zeit für Musik hat er nicht viel: Etwa zweimal zwei Stunden pro Woche. Mit Veröffentlichung seines neuen Albums „Charakta“ plant er, auch wieder öfter live aufzutreten.