Heidenheim / Silja Kummer Die Aufwertung des Stadtteils läuft: Für private Modernisierungen konnten bereits 32 Verträge mit privaten Hausbesitzern und der Vonovia abgeschlossen werden.

Rund eineinhalb Jahre nachdem der Gemeinderat beschlossen hat, die Oststadt zum Sanierungsgebiet zu machen, wird in dem fast 66 Hektar großen Areal bereits fleißig gebaut und saniert. Private und städtische Maßnahmen greifen dabei ineinander. Der Förderrahmen für das Gebiet liegt bei rund 4,17 Millionen Euro, wovon Bund und Land 60 Prozent beisteuern, also 2,5 Millionen Euro. Die Stadt trägt die restlichen 1,67 Millionen.

30 Prozent Förderung

Auch private Grundstückseigentümer sind mit im Boot: Sie können Zuschüsse für die Modernisierung ihrer Gebäude oder für den Abriss bekommen, wenn sich eine Sanierung nicht mehr lohnt. Im Regelfall beträgt die Förderung 30 Prozent, maximal liegt der Zuschuss bei 30 000 Euro.

Bislang fanden schon 88 Beratungsgespräche statt, 32 Modernisierungsverträge mit einem Gesamtvolumen von 896 000 Euro wurden abgeschlossen. Acht Maßnahmen sind bereits abgeschlossen und abgerechnet, es wurden 151 431 Euro ausbezahlt. Auch hier tragen Bund und Land 60 Prozent der förderfähigen Kosten.

In den Modernisierungsverträgen enthalten ist auch einer mit der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia, die in der Oststadt zahlreiche Mietshäuser besitzt, von denen auch schon in den vergangenen Jahren einige renoviert wurden. Aktuell hat die Vonovia die Modernisierung von sechs Gebäuden mit insgesamt 42 Wohnungen angekündigt.

Ansprechpartner für die Grundstückseigentümer ist die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, die von der Stadt als Sanierungsträger beauftragt wurde. Bei der Gesellschaft beurteilt man das Interesse am Sanierungsgebiet Oststadt als ungewöhnlich hoch: „In der noch relativ kurzen Sanierungslaufzeit wurde im Vergleich zu anderen Kommunen mit ähnlichen Sanierungsgebietsstrukturen eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Modernisierungsverträgen geschlossen.“

Von städtischer Seite wurde bereits mit der Sanierung der Römerstraße zwischen Paradies- und Neunhöfferstraße und des Römerplatzes begonnen. Die Straße soll im Dezember wieder für den Verkehr freigegeben werden. Da im Sanierungsgebiet nicht ausreichend Kindergartenplätze vorhanden sind, baut die Stadt anstelle des abgebrochenen alten Zinzendorf-Gemeindehauses einen neuen Kindergarten. „Investitionen in öffentliche Einrichtungen wie damals in der Voithsiedlung für das Kinderhaus Damaschkestraße sind seit jeher ein starkes Signal an die Bewohner eines Stadtteils“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg.

2,4 Millionen Euro kostet der Neubau, er wird zusätzlich aus dem Programm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ gefördert, Bund und Land bezahlen 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Kindergarten soll von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde betrieben werden.

Außerdem hat die Stadt bereits vor rund einem Jahr den ehemaligen Schlachthof an der Seestraße erworben. Die Stadtwerke Heidenheim sollen nun die Fläche und weitere angrenzende städtische Gebäude erwerben, um dort ein Pflegeheim sowie weitere Appartements zu errichten.

Aussichtsturm noch fraglich

Die baulichen Veränderungen im Stadtteil Oststadt werden begleitet von verschiedenen sozialen Aktivitäten, die im April mit einem Netzwerkabend in der Sporthalle der Ostschule angestoßen wurden. Eine Arbeitsgruppe bemüht sich unter anderem um die Verschönerung des Ostplatzes, es soll eine ehrenamtlich erstellte Stadtteilzeitung geben und auch ein Stadtteilfest im Juni kommenden Jahres ist geplant.

Stadtrat Rudi Neidlein brachte die Idee ein, den früheren Aussichtsturm auf dem Schmittenberg wieder aufzubauen. Diese Idee stieß beim Netzwerkabend auf großes Interesse. Förderfähig innerhalb der Sanierung wäre ein solcher Turm jedoch nicht, da er außerhalb des eigentlichen Sanierungsgebietes läge. „Wir müssen deshalb schauen, wie man das finanzieren könnte“, sagt Rudi Neidlein. Noch wichtiger sei aber zunächst ein Gutachten des Naturschutzes, aus dem hervorgeht, ob ein solcher Aussichtsturm an dieser Stelle erlaubt wäre. Erst dann will Neidlein zu einem weiteren Treffen laden – oder die Idee fallen lassen, wenn dort ohnehin nicht gebaut werden darf.