Manfred F. Kubiak Erstmals in ihrer 17-jährigen Geschichte wird die Heidenheimer Musiknacht im Herbst stattfinden. Der Grund: Am 12. Mai findet ein DFB-Pokalspiel statt. Weil viele Wirte in Heidenheim statt Livemusik Public Viewing anbieten wollen, wurde die Veranstaltung um fast fünf Monate, auf den 6. Oktober verschoben.

„Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt.“ Auch schon fast vierzig Jahre her ist es, dass „Fußball ist unser Leben“ Einzug in die Hitparade hielt. Deutschland bereitete sich seinerzeit auf die Fußball-WM '74 vor – und die Nationalmannschaft marschierte unter Anleitung des Komponisten Jack White ins Tonstudio, um einen Song zum Ereignis aufzunehmen: Eben jenes „Fußball ist unser Leben“.

War ja auch nicht gelogen, Profis wie die Herren Beckenbauer und Co. lebten für und vom Spiel mit dem Ball. Der Zusatz, dass König Fußball die Welt regiere, wurde vom breiten Publikum in jenen Tagen dann schon eher als ironische Zutat verstanden und als zwingend notwendige Steilvorlage dafür, dass der erste Reim aufging: . . . bis dann ein Tor nach dem andern fällt“. Tja, so war das. Damals.

Heute, ein paar Tore später, ist man weiter und läuft eine solche Behauptung nicht bloß auf einen Reim hinaus. Ohne Fußball in seiner Eigenschaft als König der Welt reimt sich tatsächlich weniger zusammen, als man vielleicht denkt. Inzwischen ja sogar nicht einmal mehr die Heidenheimer Musiknacht. Deren 17. Auflage, geplant für den 12. Mai, wurde nämlich nun auf den 6. Oktober verschoben. Der Grund: Das DFB-Pokalendspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund im fernen Berlin.

Das wird in der Tat am 12. Mai stattfinden und selbstverständlich live via Fernsehen übertragen werden. Auch nach Heidenheim. Und dies wiederum hatte eine ganze Reihe von Wirten zum Anlass genommen, vom diesjährigen Musiknacht-Karussell abzuspringen. „Diese wollen ihre Gäste an diesem das Pokalendspiel auf einem Großbild-Fernseher servieren“, sagt Siggi Schwarz, der seit dem vergangenen Jahr die Heidenheimer Musiknacht veranstaltet und der bereits 25 Bands für den 12. Mai nach Heidenheim verpflichtet hatte.

Das war zu dem Zeitpunkt, als die ersten Absagen von Wirten bei ihm eingingen. Als sich diese sogar häuften, kam Schwarz ins Grübeln und suchte Rat nicht nur bei Bekannten, sondern auch bei der Stadtverwaltung, bei Gemeinderäten und Sponsoren. „Nahezu alle haben mir von diesem Termin abgeraten.“ Und am Ende all dieser Überlegungen entschloss sich Schwarz, die Musiknacht zu verschieben.

„Wenn tatsächlich das Risiko besteht, dass die Leute an diesem Tag, statt zur Musiknacht zu gehen, zum Fernsehen in die Kneipen gehen oder zu Hause vor dem Fernseher bleiben, muss ich schon Vorsicht walten lassen. Jeder Besucher zählt, um nicht Gefahr zu laufen, in die Verlustzone zu geraten“, sagt Schwarz. Dort war, ehe Schwarz nach dem Ausstieg der Stadt übernommen hatte, zuvor mehrmals die Stadtverwaltung als Veranstalterin der Musiknacht gelandet. Mit 4000 Besuchern hatte Schwarz dann bei seiner Premiere als Musiknacht-Veranstalter 2011 „eine schwarze Null“ geschrieben. „Auf weniger bin ich aber nicht aus.“

6. Oktober statt 12. Mai also. Schwarz nimmt's leicht – „ärgern bringt nichts, sich Stress machen auch nicht, vielleicht ist dann ja sogar besseres Wetter und der Herbst womöglich inzwischen generell die bessere Zeit“ –, muss sich aber jetzt dennoch dahinterklemmen, dass möglichst viele der bereits verpflichteten Bands die Verlegung mitmachen, damit er mit der Suche nicht wieder von vorn beginnen muss. Eine prominente Absage hat er gleich postwendend erhalten: „Grachmusikoff“, fest für den 12. Mai eingeplant, kann am 6. Oktober nicht nach Heidenheim kommen.

Dass die Musiknacht nun überhaupt gleich in den Herbst verschoben werden musste, wo sie doch seit den Anfängen im Frühjahr angesiedelt war, ist schnell erklärt. Am 5. Mai wollte Schwarz nicht in Konkurrenz zur „Langen Einkaufsnacht“ in Heidenheim treten, was den 19. Mai angeht, hatte man ihn gleich auch noch vor dem Finale der Fußball-Champions-League gewarnt, an dem möglicherweise Bayern München beteiligt sein könnte – und am Wochenende darauf beginnen schon die Pfingstferien. Im Juni muss sich Schwarz um das Brenzpark-Open-Air kümmern, im Juli steht Heidenheim im Zeichen der Opernfestspiele, dann beginnen die Sommerferien, und im September (15.) wollte Schwarz nicht der Giengener Musiknacht in die Quere kommen.

So viel zu dem. Und Siggi Schwarz, der in seiner Eigenschaft als Veranstalter des Brenzpark-Festivals in den vergangenen Jahren schon erfolgreich Fußball-Weltmeisterschaften und Fußball-Europameisterschaften getrotzt hat, gibt zu, dass ihn die Entwicklung der Ereignisse letztendlich schon ein wenig überrascht hätten: „Mir war das, ehrlich gesagt, nicht bewusst, dass Fußball inzwischen so wichtig geworden ist und solch einen Stellenwert in der Gesellschaft entwickelt hat.