Dieser Winter ist anders als die vorherigen. Es regnet viel zu wenig für diese Jahreszeit. Das hat Auswirkungen. Sehen kann man das an der Brenz, die deutlich weniger Wasser führt als sonst. Teilweise liegen Uferbereiche trocken, die sonst unter Wasser sind.

Kein Wunder: Die Quelle in Königsbronn sprudelt so wenig, dass man es kaum mehr messen kann. So zumindest liest ein Experte von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) die Daten, die das Messsystem seit Tagen in immer gleicher Form vom Brenztopf nach Karlsruhe liefert. In den vergangenen Wochen war zwar wegen Schneeschmelze und Niederschlag ein leichter Anstieg feststellbar, doch dieser Effekt ist schon wieder verpufft.

Das Augenmerk in Sachen Wasser liegt zurzeit sowieso tiefer im Boden. Der Grundwasserpegel ist in vielen Bereichen im Südwesten Deutschlands auf einem Rekordtief, da macht auch der Landkreis Heidenheim keine Ausnahme.

Regenfälle füllen von November bis März normalerweise den Wasserspeicher auf. Dieser steht dann für die trockenen und warmen Monate im Frühjahr und Sommer zur Verfügung.

Die Speicher füllen sich seit Sommer nicht

„Das Problem ist nur: der Speicher füllt sich nicht“, sagt Michel Wingering, Grundwasserexperte bei der LUBW. Seit Sommer schon ist der Grundwasserpegel fallend. Und das ist nicht die Regel. „Der Prozess der Wiederauffüllung ist nicht in Gang.“

Das gilt auch für den Landkreis Heidenheim, wo die die Trockenheit messbar ist. Hier hat die LUBW eine dauerhafte Grundwasser-Messstelle in Königsbronn eingerichtet, die repräsentative Daten für den ganzen Landkreis liefert. Dass auch der Blautopf und die Ellwanger Messstelle ähnliche Daten liefern, zeigt laut Wingering den Trend.

„Die Situation war noch nie so angespannt wie 2017“, sagt Wingering. „Ich weiß nicht, ob die Reserven ausreichen, um über den Sommer zu kommen.“ Doch auch wenn kein Dauerregen in Sicht ist, den sich die Grundwasser-Experten wünschen würden, so sieht Wingering nicht völlig schwarz.

Er geht davon aus, dass sich das Grundwasser bis zu Beginn der Vegetationsperiode im Frühling wieder fängt, allerdings wird der Pegel niedriger sein als sonst. Das Problem ist, dass die wieder erwachende Natur den Regen, sollte er denn mal kommen, selbst benötigt für das Wachstum. Im Grundwasser kommt deshalb dann kaum mehr etwas an.

Zudem sind auch die Bodenspeicher leer, in unseren Breiten der Karst. Deshalb auch die geringe Quellschüttung an der Brenz.

„Man muss sich das wie einen Schwamm vorstellen“, erklärt Wingering das System. Erst wenn dieser voll ist, tropft das Wasser unten hinaus. Im Fall des Grundwassers heißt das: Erst wenn der Bodenwasserspeicher voll ist, kann Wasser bis in das tiefer liegende Grundwasser gelangen. „Das Grundwasser hat ein langes Gedächtnis, es ist ein träges System.“

Grundwasser: Drei Quellen sprudeln fleißig

Doch was bedeutet der niedrige Grundwasserpegel für uns? Um die Wasserversorgung muss man sich erst einmal keine Sorgen machen, sagt Wingering. Das bestätigen auch die Stadtwerke Heidenheim. „Wir können derzeit keine Auswirkungen eines tieferen Grundwasserpegels auf unsere Wassergewinnung feststellen“, teilt Sprecherin Viktoria Mayer mit.

Die Trinkwasserversorgung in Heidenheim ist durch drei eigene Quellen gesichert, die jede für sich das Versorgungsgebiet versorgen könnte: die Goldquelle in Mergelstetten, eine Quelle am siebten Fuß bei Aufhausen und eine Quelle am Schmittenberg in der Oststadt. Gefördert wird aus einer Tiefe bis zu 150 Metern.

Auswirkungen haben könnte das geringe Grundwasser jedoch auf die Natur, sagt Wingering. Flüsse könnten trocken fallen. Denn gerade in Trockenperioden wie im Sommer speisen sich diese ausschließlich aus dem Grundwasser.

Folge könnte eine Erhöhung der Gewässertemperatur und Sauerstoffmangel sein. Und auch die Waldbestände und Feuchtgebiete könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Und nicht zuletzt könnten auch die Landwirte den Wassermangel bemerken.