Gemeinsam mit Aalen hatte sich Heidenheim am bundesweiten Wettbewerb für „Smart Cities“ beworben. Am Dienstag nun hat Bundesinnenminister Horst Seehofer die zwölf Siegerstädte bekannt gegeben, die in den kommenden Jahren mit Millionenbeträgen für die Entwicklung ihrer digitalen Infrastruktur gefördert werden. Begleitet wurde die Bewerbung vom „Zentrum für Digitale Entwicklung GmbH“ in Westhausen, das auch den Breitbandplan für die Stadt Heidenheim erstellt hat.

Was wollen die beiden Städte entwickeln?

Heidenheim und Aalen haben sich mit fünf Ideen beworben, die sie umsetzen möchten. Teils klingen die Projekte noch abstrakt, teils werden ganz greifbare Ansätze verfolgt.

Digitales Stadtentwicklungskonzept (DSEK): Ziel sei es, teilt die Stadtverwaltung mit, den Sachverstand ausgewählter Vertreter aus der Bevölkerung, aus Unternehmen, Wissenschaft, Institutionen und Organisationen zu sinnvollen „smarten“ Anwendungen einzubinden, die die Lebensqualität erhöhen sollen. Konvergenter Netzplan (KNP): Ähnlich wie ein Breitbandplan die Voraussetzung dafür war, welche Gebiete ganz konkret mit Breitband erschlossen werden sollen, handelt es sich bei einem KNP um die Grundlage dafür, wo und wie smarte Anwendungen weiter entwickelt werden.

Urbane Cockpitlösung: Dabei handelt es sich um ein digitales Cockpit auf der städtischen Homepage, auf dem alle Interessierten in Echtzeit Daten aus dem öffentlichen Raum ablesen können. Das kann zum Beispiel die Lärmbelastung sein, die Auslastung von Parkhäusern und Parkplätzen oder auch verfügbare E-Ladestationen.

Smartes Parken: Mit diesem Projekt sollen der Parksuchverkehr reduziert und die verfügbaren Parkflächen besser ausgelastet werden. Mithilfe von Sensoren mit Magnetfeldern, die auf öffentliche Parkplätze montiert werden können, sollen Parkplatzsuchende in Echtzeit zum nächsten freien Platz geführt werden.

Smarte urbane Logistik: Im Fokus steht die Entwicklung eines Citylogistikkonzepts mit dem Ziel, innerstädtischen Logistikverkehr zu minimieren und optimieren. Gesprochen wird dabei auch von einer sogenannten „Lösung für die letzte Meile“. Konkret heißt das, den Lieferverkehr diverser Anbieter zu bündeln.

Das sagen die beiden Oberbürgermeister dazu

Die beiden Oberbürgermeister sehen in der Smart-City-Förderung einen Meilenstein auf dem Weg zur Zukunftsfähigkeit der Region Ostwürttemberg und zu einer erfolgreichen Positionierung der beiden Städte. Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit: „Das Förderprogramm sehen wir als Türöffner, um unsere Städte auf digitale Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.“ Die enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunen werde immer wichtiger. Nur gemeinsam könnten die Städte ihre Attraktivität und die der ganzen Region herausheben im Wettbewerb um Unternehmen, Fachkräfte und hervorragende Mitarbeiter.

Ilg: „Dass mein Kollege aus Aalen, Thilo Rentschler, unsere Initiative aufgegriffen hat und wir jetzt gemeinsam Erfolg hatten, ist fantastisch; dieses Projekt wird Aalen, Heidenheim und die ganze Region nach vorne bringen.”

Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler teilt diese Ansicht: „Wir müssen unsere Konzepte für eine integrierte Stadtentwicklung unter digitalen Gesichtspunkten neu bewerten und dürfen nicht an der jeweiligen Stadtgrenze enden. Deshalb bin ich sehr dankbar für diese partnerschaftliche stadtübergreifende Initiative und schon sehr gespannt auf die Ergebnisse und Verbesserungen für unseren Alltag.“

Um wie viel Geld geht es?

Die Fördersumme beträgt für die erste Phase des Projekts für jede Stadt 1,25 Millionen Euro. Bei 35 Prozent beläuft sich der Eigenanteil pro Kommune auf 437 500 Euro, verteilt auf zwei Jahre also auf 218 750 Euro pro Jahr. Über die Fortführung der Förderung in einer zweiten Phase entscheidet die Bundesregierung später separat.

Statement der Regierungsbundestagsabgeordneten

Lob für die beiden Städte kommt auch von den beiden Bundestagsabgeordneten der Regierungsfraktionen, Leni Breymaier, SPD, und Roderich Kiesewetter, CDU. „Im Ergebnis fließen in den nächsten sieben Jahren 11,375 Millionen Euro nach Aalen und Heidenheim“, so Breymaier. Die intensive Vorarbeit sei damit erfolgreich gewesen. Kiesewetter ergänzt: „Ein zukunftsweisendes gemeinsames Projekt der beiden Städte und für den Zusammenhalt unserer Region, das das gesellschaftliche Leben der Bürgerinnen und Bürger weiter verbessern will. Dabei werden insbesondere auch die Bevölkerung eingebunden und Wünsche aus der Bürgerschaft aufgenommen.“

Für den Wettbewerb hatten insgesamt 86 Antragsteller aus ganz Deutschland digitale Projekte zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Stadtentwicklung eingereicht.

Heidenheim

Turbulente Vorgeschichte


Als der Gemeinderat im Juli über die Bewerbung zum Smart-City-Wettbewerb abstimmen sollte, kam es bei der Sitzung zunächst zu Tumulten. Einige Bürger und Stadträte setzen das Bewerbungsverfahren um das Förderprogramm mit einer Zusage zum umstrittenen Ausbau des Mobilfunkstandards 5 G gleich. Vonseiten der Stadtverwaltung wird versichert, dass Smart City auch ohne den neuen Mobilfunkstandort umgesetzt werden könne und das eine mit dem anderen nichts zu tun habe.

Nach Zwischenrufen aus den Besucherreihen setzte Oberbürgermeister Bernhard Ilg den Punkt kurzerhand von der Tagesordnung. Die Besucher wurden des Saales verwiesen. Eine Woche später wurde eine neue Sitzung angesetzt, die dann im Konzerthaus mit Polizeipräsenz im Außenbereich stattfand.