Heidenheim / Karin Fuchs Ein Münchener Reiseveranstalter steigt ab Frühjahr mit Wanderungen auf dem Albschäferweg ein und geht damit auf den Outdoor-Trend ein. Das stärkt wiederum den Tagestourismus.

Wer kennt in Hamburg schon die Schwäbische Alb? „Das wird schon schwierig“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg aus eigener Erfahrung. „Der Name Schnatterer geht da schon eher.“ Deshalb gehöre der Fußball zu den großen Werbeträgern Heidenheims. Die Touristiker nutzen diese Bekanntheit und setzen weitere Akzente: Wandern und Radfahren sowie Kultur mit dem Aushängeschild Opernfestspiele, mit denen der regionale, nationale und neuerdings sogar internationale Kulturreisemarkt beworben wird.

Präsentiert wird dies alles ab Samstag auf der Tourismusmesse CMT, die am Samstag in Stuttgart beginnt. Dort stellt Heidenheim unter dem Dach des Tourismusverbands der Schwäbischen Alb aus, die zwar weniger bekannt ist als der Schwarzwald, aber dennoch als Marke besser zieht, als wenn sich Heidenheim allein zeigen würde. Eingebettet ist Heidenheim dort zusammen mit dem Landkreis in die Marke Brenzregion.

Welche Art von Tourismus zieht in Heidenheim?

Größten Stellenwert nimmt der Tagestourismus ist, sagt die Leiterin der Tourist-Information, Bettina Kruse. 1,4 Millionen Tagestouristen stehen in der Tourismus-Bilanz für 2018. Dazu zählen freilich auch die Geschäftsreisenden, die 85 Prozent ausmachen. Zu unterschätzen sei dieses Geschäft nicht. Laut einem Tourismusinstitut in München sorgen diese Tagesbesucher im Schnitt für einen Umsatz von 25 Euro in der Stadt. „Umso wichtiger ist es, wie Heidenheim sich verkauft“, spricht der OB die notwendige Attraktivität des Handels an.

Einfallen lassen müssen sich auch die Touristiker immer wieder etwas Neues. Stark nachgefragt seien Wander- und Radtouren, Tourenvorschläge würden gewünscht. Punkten kann Heidenheim neuerdings mit dem Schäferwanderweg, der vom Wanderverband zertifiziert und ausgeschildert ist. Gut angenommen würden geführte Touren. Und so ist auch in großer Münchener Reiseanbeiter auf Heidenheim aufmerksam geworden und wird ab Frühjahr bundesweit begleitete Wanderungen auf den Spuren der Albschäfer anbieten. Man sei sogar soweit, dass man den Kunden sagen wolle, wo auch Schafe und Schäfer zu finden seien, denn: „Wir verkaufen Erlebnisse und Emotionen“, sagt Bettina Kruse.

Großes Thema seien dabei die Stadtführugen. Einst waren es 24 im Jahr, mittlerweile ist die Anzahl auf 300 gestiegen. Beliebt sind dabei vor allem die Themen- und Kostümstadtführungen. „Wir müssen immer wieder neue Figuren entwickeln“, berichtet Bettina Kruse. Neu im Repertoire ist die „Kronenwirtin“ mit eigenem Kostüm und eigener Geschichte. 7000 Menschen haben auf diese Weise die Stadt kennen gelernt, darunter 500 Gäste von der Biberacher Stadtverwaltung, die ihren Jahresausflug nach Heidenheim gemacht hat sowie 160 IBM-Führungskräfte.

Über die Stadtgrenzen bekannt ist das Halloween-Event. Vier Gruppen aus Göppingen hatten eigens angefragt und auch das Grusel-Erlebnis auf dem Schloss gebucht. Auch Spiegel-Online sei auf Heidenheim aufmerksam geworden durch die Kombination Halloween und Schloss, erzählt Kurse.

Rückläufig ist nur ein Bereich: der Ticketverkauf in der Tourist-Information. Dort ist der Umsatz einschließlich dem Verkauf der Souvenir-Artikel um rund 50 000 auf 656 000 Euro gesunken. Der Grund: immer mehr Tickets werden online gekauft.

Das heißt jedoch nicht, dass die Mitarbeiter im Elmar-Doch-Haus weniger zu tun hätten. Laut Kruse nehme der Beratungsbedarf zu und reiche von Fragen zur Operninszenierung bis zu Empfehlungen für Event-Locations. Samt Personal und Werbung, wobei der größte Block für die Opernfestspiele reserviert ist, lässt sich die Stadt die Tourist-Information, jährlich rund eine Million Euro kosten.

Übernachtungen: Für 2018 eine Delle erwartet

Nach dem Rekordjahr 2017 mit mehr als 120 000 Übernachtungen in Heidenheim erwartet OB Ilg für das zurückliegende Jahr einen Rückgang. Der Grund: die Schließung der Jugendherberge Ende 2017.

Konkrete Zahlen gibt es erst im Februar, wenn die amtliche Statistik veröffentlicht wird, doch finden sie allein schon deshalb Beachtung: Jeder Übernachtungsgast lässt laut Statistik 125 Euro liegen.

Seit 2005 haben sich die Übernachtungszahlen verdoppelt. Einen deutlichen Anstieg gab es im Jahr 2010. Dann machte sich das Schlosshotel bemerkbar, das im September 2009 eröffnet worden war.