Heidenheim / Hendrik Rupp Die mit Abstand größte Stiftung der Gegend, die Hanns-Voith-Stiftung, vergab im Vorjahr 670 000 Euro und will sich nun auch der digitalen Bildung zuwenden.

Ganz genau 32 Stiftungen gibt es im Landkreis Heidenheim, und in Summe kommen sie auf rund 74 Millionen Euro Stiftungskapital. Ein sattes Drittel davon steuert allein die Hanns-Voith-Stiftung bei – die 1953 von Hanns Voith gegründete Stiftung ist mit Abstand die Nummer eins der Gegend.

Nicht nur das ist eine Besonderheit: Mehr als 50 Prozent widmet die Hanns-Voith-Stiftung der Bildung, was beileibe nicht üblich ist: „Bundesweit liegt der Bildungsanteil bei unternehmensnahen Stiftungen nur bei rund 15 Prozent“, so Dr.Michael Rogowski, Vorsitzender des Stiftungsrates.

Stipendien für Studenten

Den Löwenanteil unter den rund 330000 Euro der Bildungsförderung machten 2018 erneut die Stipendien für Studenten aus (219000 Euro) aus, allein für Sonderstipendien gab es rund 70000Euro. Doch die Stiftung weitet den Blick und will am Puls der Zeit bleiben: „Wir prüfen aktuell, wie wir in das wichtige Thema der Digitalisierung an Schulen einsteigen können“, so Rogowski. Ein Ziel wären ein bis zwei Schulprojekte, bei denen es dann nicht nur um die Ausstattung, sondern auch um die Fortbildung der Lehrkräfte und neue Unterrichtsmethoden gehen könnte: „Nur Tablets in die Klassenzimmer zu legen ist nicht genug“, sagt Stiftungsvorstand Erwin Krajewski.

Tatsächlich spürt die traditionsreiche Stiftung deutlich die Entwicklungen vor Ort: „In der Flüchtlingshilfe gab es deutlich weniger Anträge“, so Vorstand Meinrad Schad: „Das Thema hat sich beruhigt.“ Umso mehr kann man an anderen Orten aushelfen – erst recht dort, wo die öffentliche Hand auf sich warten lässt, wie beim Archäopark im Lonetal: „Dort geht die Arbeit ja eigentlich erst los“, sagt Meinrad Schad.

Wichtig bleibt der Stiftung der lokale Bezug: Bei der Kultur (rund 198000 Euro) floss Geld an die Opernfestspiele und an das Kunstmuseum, es gab aber auch ein großzügiges Jubiläumsgeschenk ans Naturtheater – aus ganzem Herzen: „Das Naturtheater hat meine Kindheit geprägt“, sagt Voith-Tochter Angela Voith. Und auch beim vergleichsweise kleinen (rund 18000 Euro) Bereich „Völkerverständigung und Entwicklungshilfe“ setzt man auf Nähe wie bei „Zukunft für Nepal Ostwürttemberg e.V.“: „Erst dieser Tage sind 20 Tonnen Maschinen in der Ausbildungsstätte in Dhading angekommen“, berichtet Erwin Krajewski.

Brenzpark oder Oratorienchor, Zukunftsakademie oder Haus der Familie – an unterstützenswerten Projekten mangelt es der Stiftung nicht, und wenn Finanzchef Meinrad Schad angesichts der um nur 30000 Euro gesunkenen Förderbilanz von einer „Zeit der Konsolidierung“ spricht, so tut er das auf hohem Niveau.

Seit Jahren geht die zuvor bis an die Grenze der Unsichtbarkeit diskrete Stiftung stärker an die Öffentlichkeit – ob als Mitausrichter des Bürgerpreises für den Landkreis Heidenheim, der auch ohne Bundespreis erhalten werden soll, aber auch mit der Verleihung der Hanns-Voith-Stiftungspreise für Studienabschlussarbeiten, die in die Tätigkeiten des Voith-Konzerns fallen. Über 30 Bewerbungen gibt es auch in diesem Jahr. Meinrad Schad sieht ein wichtiges Ziel erreicht: „Die Stiftung ist eine Marke geworden.“

Für Stipendien der Stiftung kann man sich in diesem Jahr noch bis zum 19.April bewerben unter

hanns-voith-stiftung.de

Geld gut angelegt

Zinstief und Kursstürze machen seit Jahren vielen Stiftungen der Gegend zu schaffen: Die Kapitalerträge stürzen ab, damit auch die Ausschüttungen. „Es trumpt überall an den Börsen“, so Michael Rogowski mit einem Seitenhieb auf die Verunsicherung über die Politik des US-Präsidenten.

Gut lachen hat da die Hanns-Voith-Stiftung. Nur rund ein Viertel des gewaltigen Stiftungskapitals ist am Kapitalmarkt angelegt, der Löwenateil des Vermögens besteht hingegen aus Genussscheinen der Voith GmbH, die unabhängig von Zinsen und Börsenkursen einen verlässlichen Ertrag garantieren.