Kreis Heidenheim / Andreas Uitz Ablenkung am Steuer sorgt für immer mehr schwere Unfälle. Die Polizei will mit Aufklärung und Kontrollen stärker gegen die Handynutzung beim Fahren vorgehen.

Die Zahl der bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommenen Menschen war 2017 rückläufig, sowohl im Kreis Heidenheim als auch im gesamten Zuständigkeitsbereich des Ulmer Polizeipräsidiums, der auch die Stadt Ulm, den Alb- Donau-Kreis und die Landkreise Biberach und Göppingen umfasst. Dennoch gab es im vergangenen Jahr in diesem Bereich 36 tödliche Unfälle.

Die Ursachen dafür sind unterschiedlich, und eines bereitet der Polizei Sorge: Bei neun dieser Unfälle, das ist immerhin ein Viertel, kam der Unfallverursacher aus unbekannten Gründen auf die Fahrspur des Gegenverkehrs. Für die Polizei ist das ein Zeichen dafür, dass der Fahrer abgelenkt war. „Es kann sein, dass er sich mit seinem Handy, dem Navi oder dem Radio beschäftigt hat, restlos aufklären lässt sich das in den meisten Fällen nicht“, sagt Manfred Bayer, Leiter der Verkehrspolizeidirektion.

Verstärkte Aufklärung

Dass die Handynutzung während des Fahrens ein immer größeres Problem ist, zeigt sich daran, dass im vergangenen Jahr im Bereich des Präsidiums 4719 dahingehende Anzeigen geschrieben wurden, 1083 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um 30 Prozent. „Das erschreckt, weil trotz höherem Bußgeld und verstärkter Aufklärung immer noch keine Verhaltensänderung festzustellen ist“, sagt Bayer. Der enorme Anstieg freilich hat auch etwas mit den verstärkten Kontrollen zu tun.
Aus diesem Grund soll die Präventionsarbeit künftig noch weiter verstärkt werden, um die Sensibilität der Autofahrer für die Gefahren der Handynutzung zu verstärken. „Wir sehen uns auf dem richtigen Weg, wenn wir die Kontrollen weiter intensivieren“, so der Leiter der Verkehrspolizei.

Handy in der Hand ist verboten

Mobiltelefone zu nutzen ist im Straßenverkehr nicht nur gefährlich sondern auch verboten. Ganz grundsätzlich gilt, dass Fahrzeuglenker ein Handy nicht in der Hand halten dürfen, wenn sie sich im öffentlichen Verkehrsraum bewegen.

Auch bei roter Ampel darf das Handy nicht zur Hand genommen werden. Gleiches gilt rein rechtlich gesehen auch für den Stau.

Telefonieren während der Fahrt ist allerdings erlaubt, so lange eine Freisprecheinrichtung benutzt wird. Dazu zählen auch Kopfhörer.

Navigationsgeräte dürfen während der Fahrt ebenfalls nicht vom Fahrer bedient werden, im stehenden Verkehr, an Ampeln beispielsweise ist das jedoch erlaubt.

Ein weiteres Problem und eine häufige Unfallursache ist nach wie vor überhöhte Geschwindigkeit. Im vergangenen Jahr haben die Beamten des Präsidiums 75 000 Verwarnungen und Anzeigen wegen zu schnellen Fahrens und rund 7200 Verstöße gegen die Gurt- bzw. Kindersicherungspflicht registriert. Von den 2904 Unfällen mit Personenschäden, die sich im Präsidiumsbereich ereigneten, waren 550 auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen, im Kreis Heidenheim waren es 80 von 403 Unfällen mit Verletzten. Ein Viertel aller tödlichen Unfälle war durch zu schnelles Fahren verursacht worden.


„Wir werden weiter konsequent gegen die Ursachen der schweren Unfälle vorgehen“, kündigt der stellvertretende Leiter des Polizeipräsidiums, Reinhold Hepp, an. Dafür solle der Kontrolldruck erhöht und die vorbeugende Verkehrssicherheitsarbeit fortgesetzt werden, „das haben wir uns als Polizei für 2018 ins Stammbuch geschrieben.“

Auge auf die Tuningszene

Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Kleinunfälle zwar anstieg, aber es weniger Verletzte gab als im Vorjahr, sieht sich das Präsidium in seinem bisherigen Handeln bestätigt. Dazu gehört Bayer zufolge auch, dass unfallträchtige Strecken überwacht und gefährdete Gruppen wie die Tuning- und Poserszene im Auge behalten werden. Monatlich erhielten alle Reviere eine Analyse darüber, wo sich schwere Verkehrsunfälle ereignen.

Dort werde dann möglichst schnell mit geeigneten Mitteln gegen die typischen Unfallursachen vorgegangen, etwa durch verstärkte Geschwindigkeitskontrollen. „Wir wollen keine Unfallbekämpfung im Blindflug sondern setzen unsere Kräfte ganz gezielt ein“, sagt Vize-Polizeipräsident Hepp.