Landkreis Heidenheim / Sandra Gallbronner Die Kreishandwerkerschaft Heidenheim begrüßt es, dass in zwölf Berufen die Meisterpflicht wieder eingeführt werden soll.

Fliesenleger, Drechsler, Raumausstatter – in diesen und neun weiteren Handwerksberufen könnte die Meisterpflicht, die 2004 teilweise abgeschafft worden war, schon bald wieder gelten. Die Regierungsfraktionen Union und SPD verständigten sich nun auf eine entsprechende Änderung der Handwerksordnung. Das Ziel: Die Qualität sichern.

Bei der Kreishandwerkerschaft Heidenheim stieß die Entscheidung der Großen Koalition auf breite Zustimmung: „Wir begrüßen das außerordentlich. Von Anfang an waren wir gegen den Beschluss“, sagt Geschäftsführer Klaus Liebhaber. Schließlich handele es sich beim Meistertitel um ein Qualitätsmerkmal.

Wer seinen Meister macht, muss sich vertieftes fachliches Wissen aneignen, darüber hinaus aber auch kaufmännisch-rechtliche sowie berufspädagogische Kenntnisse erwerben. Erst mit dem Meistertitel sind die Handwerker berechtigt und gut darauf vorbereitet, einen Betrieb selbstständig zu führen. Um aber mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, einen Betrieb zu gründen, und damit den Wettbewerb zu fördern, beschloss die Bundesregierung den Meistertitel für mehr als 50 Berufe abzuschaffen.

Mehr Betriebe, weniger Qualität

„Am Anfang haben sich mehr Handwerker selbstständig gemacht“, so Liebhaber. Allerdings sei das zu Lasten der Qualität gegangen. Schließlich fehlt ohne eine Meisterprüfung häufig tiefgreifendes und umfangreiches Wissen.

Hinzu kommt, dass ein Handwerksmeister auch dazu berechtigt ist, auszubilden. Die Folge nach der Reform war auch im Kreis Heidenheim deutlich zu spüren, wie Liebhaber beschreibt: „Viele haben nicht mehr ausgebildet.“ Denn ohne Meistertitel müssten Handwerker eine Ausbildereignungsprüfung ablegen. Das ist nicht nur mit Aufwand, sondern auch mit Kosten verbunden. Wer dennoch ausbildet, hat häufig das Problem, dass die jungen Handwerker nach der Ausbildung abgeworben werden. Die Motivation, Zeit und Geld in Nachwuchs zu investieren sei somit noch geringer, so Liebhaber: „Nachhaltig ist das leider nicht.“

Auch Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, spricht bei der damaligen Reform der Handwerksverordnung von einem Fehler: „Wer den Meister im Betrieb nicht mehr hat, dem fehlt irgendwann das moderne Handwerksprodukt, dem fehlt der betriebliche Lehrer für die Ausbildung der Jugend, der verknappt so handwerkliches Angebot und sorgt mit dieser Verknappung für deutlich steigende Preise beim Kunden. Kurzum: Schlechtere Versorgung zu höheren Preisen.“