Heidenheim / Andreas Uitz Im Haintal soll an der Giengener Straße ein völlig neu konzeptioniertes Wohngebiet mit neuen Wohn- und Bauformen entstehen. Auch die Bauplatzvergabe soll anders laufen als sonst üblich.

Auf dem Gelände des ehemaligen „Klein Zürich“ an der Giengener Straße, das seit vielen Jahren brachliegt, soll ein neues Wohnviertel entstehen. Doch ist hier kein ganz normales Neubaugebiet geplant, denn mit neu sind in diesem Fall auch neue Wohnformen gemeint. Denn bei einem städtebaulichen Ideenwettbewerb, den die Stadt 2007 veranstaltet hatte, wurde ein Modell zum Sieger gekürt, das – im Gegensatz zu den meisten Baugebieten – höchst unterschiedliche Arten der Bebauung vorschlägt. Gartenwohnungen, Stadthäuser, Wohnblöcke und Doppelhäuser, öffentlich zugängliche Höfe und dergleichen mehr sollen das Quartier zu einem neuen und ganz besonderen Stadtviertel machen. „Dort soll ein urbanes Stadtquartier entstehen – kleinteilig, lebendig, gemischt – und keine Siedlung“, hatte der Tübinger Architekt Thomas Gauggel im Februar erklärt. Der hilft der Stadt dabei, das Quartier zu entwickeln, Interessenten zu beraten und das Areal zu vermarkten.

Zwei Infoveranstaltungen

In der Zwischenzeit gab es zwei Informationsveranstaltungen für Interessierte, bei denen die Grundlagen und die Grundidee des neuen Wohnquartiers vorgestellt wurden. Die jüngste fand Anfang Juli statt, an ihr nahmen 34 Bürger teil. Nach Auskunft der Stadtverwaltung wurde anhand der Fragen deutlich, dass die Teilnehmer schon recht gut Bescheid wussten, vor allen Dingen was das Thema Baugemeinschaften betrifft. Auch solche sollen bei der Vergabe der Grundstücke zum Zuge kommen. Doch nicht nur bei Privatleuten scheint das künftige Baugebiet auf Interesse zu stoßen, sondern auch bei Bauträgern und Institutionen.

Architekten sind mit im Boot

Vonseiten der örtlichen Architekten wurden die Überlegungen, an der Giengener Straße etwas für Heidenheim völlig Neues zu schaffen, sehr positiv aufgenommen. Die Architektenkammergruppe hat nicht nur ihre Bereitschaft, sondern ihr Interesse an einer Mitwirkung bekundet.

Nachhaltigkeit ist wichtig

Vor allen Dingen auf Nachhaltigkeit soll in dem neuen Quartier Wert gelegt werden. Für den Bau der Gebäude sollen möglichst umweltverträgliche Baumaterialien verwendet werden, ebenso wichtig ist ein geringer Energieverbrauch. Und auch auf die Durchmischung der Bewohner wollen die Planer Wert legen: Senioren, junge Familien und Singles sollen hier ebenso eine Heimat finden wie Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen. 20 Prozent der hier entstehenden Wohnungen sollen, so der Plan, mietpreisgebunden sein. Rund 50 Hektar umfasst das Gelände insgesamt, ist es fertiggestellt, könnten hier rund 800 Menschen leben.

Doch bis es Konkreteres gibt, wird es noch eine ganze Weile dauern. Aktuell läuft die Überarbeitung des städtebaulichen Entwurfs. Das ist notwendig, um das Bebauungsplanverfahren vorantreiben zu können.

Unüblicher Bebauungsplan

Zwar wird es auch für das neue Quartier einen Bebauungsplan geben, doch sieht dieser anders aus als sonst.  Denn Bauherren sollen die Möglichkeit haben, möglichst individuell und nach ihren Bedürfnissen zu planen und zu bauen. Das wird durch ein neues Verfahren ermöglicht, das es so in Heidenheim noch nicht gab. Ziel dabei ist, möglichst viel Individualität zu ermöglichen, da unterschiedliche Akteure am Werk sind.

Interessenten können sich bewerben

Beginnen soll alles damit, dass sich Interessenten mit einem Bauprojekt bewerben können. Diese Bewerbung erfordert jedoch noch keine detaillierte Planung, sondern soll im Wesentlichen eine schriftliche Begründung sein, wer, wo, was, wie und warum bauen will. Zwar gibt es zu diesem Zeitpunkt schon einen Bebauungsplan, Grundstücke sind auf diesem jedoch noch nicht ausgewiesen. So haben die Interessenten die Möglichkeit, einen von ihnen präferierten Bereich zu nennen, können sich jedoch keinen Bauplatz aussuchen.

Kreativität entscheidet

Eine Kommission soll dann die Bewerbungen sichten, bewerten und einordnen. Bewerbungen, die sich in irgendeiner Form abheben, werden bevorzugt, doch die Kriterien müssen noch festgelegt werden. Das Besondere ist, dass sämtliche Bewerber, also Privatleute ebenso wie Investoren, Bauträger und Einrichtungen, absolut gleich behandelt werden sollen. Lediglich die Kreativität der Vorschläge und das Zusammenspiel mit dem großen Ganzen soll Ausschlag dafür geben, wer einen Bauplatz erhält.

Um möglichst viele Interessenten für das Projekt zu finden, wird derzeit die Kommunikationsstrategie vorbereitet. Außerdem soll eine Exkursion zu einem ähnlichen Wohnprojekt stattfinden, das sich derzeit im Bau befindet, und zwei weiteren, die bereits fertiggestellt sind. Ende September soll dem neu gewählten Gemeinderat der Planungsprozess erläutert werden.

Mieten, wohnen, kaufen: Auf dem Gelände des ehemaligen Klein Zürich im Haintal soll ein neues Stadtviertel entstehen. Um hier möglichst vielfältige Bauformen umzusetzen, beschreitet die Stadt ganz neue Wege

Quartier heißt Am Hardtwald

Das neue Wohnquartier soll Am Hardtwald heißen. Früher stand auf der schon jahrelang brachliegenden Fläche ein Quartier mit Einfachwohnhäusern, das Klein Zürich genannt wurde.

Die erste Phase der Neubebauung soll in genau diesem Bereich südlich der Giegener Straße erfolgen. Doch in den Bebauungsplan wird auch der gegenüberliegende Teil, auf dem heute noch das Integrationszentrum steht, mit einfließen. Denn das neue Wohngebiet soll sich nach dem Abbruch dieses Zentrums auf dorthin erstrecken. ui