Heidenheim / Lena Rehm Weil derzeit viele Menschen zu Hause und von anderen isoliert sind, kann das Aggressionspotenzial steigen und birgt somit Risiken für häusliche Gewalt. Das Frauenhaus ist gewappnet.

Viele wähnen sich in den eigenen vier Wänden während der durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen in Sicherheit. Doch für diejenigen, für die das eigene Zuhause kein sicherer Ort ist, kann die Ausgangsbeschränkung zum Verhängnis werden.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Heidenheim, Susanne Dandl, befürchtet im Zuge der Corona-Krise einen Anstieg der Fallzahlen häuslicher Gewalt – und damit ist sie nicht allein. Die Vertreterinnen der Frauen- und Kinderschutzhäuser und der Fachberatungsstellen berichten bereits von einem deutlichen Anstieg an Beratungsgesprächen und Aufnahmegesuchen, hieß es in einer Pressemitteilung der Landesregierung. „Das bedeutet: Wir müssen leider auch mit einem weiteren Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt rechnen. Darauf wollen wir vorbereitet sein“, sagte Staatssekretärin Bärbl Mielich.

Faktoren steigern das Aggressionspotenzial

„Durch die Ausgangsbeschränkungen besteht die Herausforderung darin, dass Familien in ungewohnter Weise beisammen sind“, so Frank Rosenkranz, Leiter des Evangelischen Werks im Kirchenbezirk, unter dessen Dach das Frauen- und Kinderschutzhaus in Heidenheim arbeitet. „Kurzarbeit, Zwangsurlaub oder sogar Arbeitslosigkeit – durch diese Existenzängste kann das Aggressionspotenzial gesteigert werden.“ Das führe leider zu oft zu seelischer oder körperlicher Gewalt.

Die gegenwärtigen Einschränkungen im öffentlichen Leben im Zusammenhang mit Corona können eine Gefahr für alle sein, die in einem gewalttätigen Umfeld leben, so Dandl. Neben Kindern und Jugendlichen seien insbesondere Frauen durch Gewalt und sexualisierte Gewalt im eigenen Zuhause betroffen. Auch wenn die Zahlen deutlich geringer seien, können auch Männer Opfer dieser Gewaltformen sein. Die betroffenen Menschen hätten nun kaum mehr die Möglichkeit, den Tätern auszuweichen.

Hinzu komme, laut Rosenkranz, dass durch die Ausgangsbeschränkung der Kontakt zu Personen aus dem Umkreis wegfalle, an die sich Betroffene oftmals wenden würden oder die auf gewisse familiäre Umstände aufmerksam werden würden.

Soforthilfe von der Landesregierung

In Heidenheim sei durch die aktuelle Lage noch kein erhöhter Bedarf festzustellen, so Rosenkranz. Doch vorsorglich habe man die Kapazitäten aufgestockt. Und nicht nur das. Die Landesregierung will mit einen Soforthilfe-Fonds in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro die Arbeit des Frauenhilfe- und

Unterstützungssystems sicherstellen. So können bei Bedarf etwa weitere Räumlichkeiten angemietet werden, berichtet Rosenkranz.

Auch für den Corona-Fall sei man gewappnet. Im Schutzhaus wurde ein Isolationszimmer eingerichtet, um auch Schutzsuchende mit Symptomen aufnehmen zu können, berichtete Rosenkranz. Zudem wird es für die Bewohner und Mitarbeiter selbst genähte Mundschutzmasken geben.

Susanne Dandl ermutigt alle Betroffenen, sich bei häuslicher Gewalt Hilfe zu suchen. „Gewalt in Familien und Partnerschaften darf auch in diesen Zeiten nicht toleriert werden.“

Was tun bei häuslicher Gewalt?

Wer selbst von Gewalt betroffen ist oder andere Menschen kennt, deren Zuhause kein sicherer Ort ist, sollte sich beim Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen melden. Dort wurden und werden ebenso Männer beraten.

Das Frauen- & Kinderschutzhaus ist von 8 bis 17 Uhr telefonisch unter 07321.24099 erreichbar. Nach 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen und am Wochenende vermittelt die Polizei unter der Notrufnummer 110.

Das Hilfetelefon ist rund um die Uhr und in 17 Sprachen unter 08000.116016 und online unter www.hilfetelefon.de erreichbar. Dort wird kostenlos und anonym zu allen Formen von Gewalt beraten und bei Bedarf an geeignete Unterstützungseinrichtungen vor Ort vermittelt. lr